"Alles steht Kopf 2": Überraschend tiefsinnige Fortsetzung

Produzentin Amy Poehler leiht einer Emotion im Original ihre Stimme
Millionen rund um den Globus haben im Bann der Abenteuer im Hirn des elfjährigen Mädchens Riley Andersen im Animationshit "Alles steht Kopf" gefiebert, gelacht und auch geweint. Die verblüffende Geschichte um widerstreitende Gefühle im Hirn eines Kindes hat gerührt und amüsiert. Viele hatten Zweifel, ob eine Fortsetzung mit der Qualität des Originals mithalten könnte. Kann sie. "Alles steht Kopf 2" bietet keinen faden Aufguss. Ab heute, Mittwoch, im Kino.

Die Geschichte um Riley wird effektvoll fortgesetzt. Zu den schon bekannten Verkörperungen von Freude, Kummer, Angst, Wut und Ekel gesellen sich nun Zweifel, Neid, Ennui alias Langeweile oder Null Bock und Peinlich. Und: Riley wird 13 und tritt damit in die Pubertät ein. Ganz klar, dass es turbulent wird.

Der vom Erfolgsstudio Pixar ("Toy Story", "Findet Nemo") produzierte Film begeistert zunächst mit visueller Originalität. Die bonbonfarbenen allegorischen Figuren changieren wirkungsvoll zwischen Menschlichkeit und Fantasie. Naturalismus und Surrealismus sind aufs Schönste vereint. Schon das macht einfach Spaß. Noch mehr allerdings begeistert die verblüffende psychologische Tiefe der erzählten Geschichte. Ohne junge und jüngste Zuschauerinnen zu überfordern, werden Tiefen und Untiefen des Lebens ausgelotet.

Die US-amerikanische Schauspielerin und Produzentin Amy Poehler leiht einer Emotion im englischsprachigen Original ihre Stimme. Von Riley könne man einiges lernen - egal, wie alt man ist, sagte sie im Interview des US-Magazins "Entertainment Weekly". "Diese Gefühle gehen nicht weg. Wir schauen alle gerne zurück und lachen über (frühere) Versionen von uns selbst. Aber oft waren diese Versionen von uns selbst viel ungeschützter. Wir hatten viel weniger Panzer, wir waren in vielerlei Hinsicht in Kontakt mit der Welt und dem, was die Welt brauchte - viel mehr, als wir es jetzt sind. Niemand weiß, was er tut. Wir tun nur so, als ob wir es wüssten, wenn wir älter werden. Und Jugendliche wissen, dass wir nicht wissen, was wir tun."

Das mit Spannung und Abenteuern gespickte Geschehen in "Alles steht Kopf 2" reflektiert beispielsweise, welch hohes Gut wahre Freundschaft ist. Gezeigt wird ebenso, wie leicht das menschliche Miteinander durch falsche Entscheidungen, durch Eitelkeit und Egoismus zu einem Gegeneinander werden kann. Konturenscharf wird beleuchtet, dass es nicht allein darauf ankommt, Gut und Böse zu unterscheiden, sondern darauf, in verzwickten Situationen nicht allein an sich, sondern immer auch an die Menschen neben sich zu denken.

Die erstaunliche Komplexität der Geschichte hätte leicht zu einem moralinsauren, vordergründig-belehrenden Erzählton führen können. Der aber blitzt nicht ein einziges Mal auf. Das Abenteuer des Erwachsenwerdens mutet bei aller Schwere des Themas durchweg leichtfüßig an. Wie bereits bei "Alles steht Kopf" können sich auch bei "Alles steht Kopf 2" Kinofans aller Altersklassen prachtvoll amüsieren und einiges zum Nachdenken mit nach Hause nehmen.

(Von Peter Claus/dpa)

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