APA - Austria Presse Agentur

Bayerischer Filmpreis -"Girl You Know It's True" bester Film

Am Freitagabend ist in München in elf Kategorien der Bayrische Filmpreis vergeben worden. Der Hauptpreis als bester Film ging an den Film "Girl You Know It's True" über den Skandal um Milli Vanilli von Anfang der Neunziger-Jahre. Die Österreicher Adrian Goiginger mit der Komödie "Rickerl" sowie Barbara Albert mit der Literaturverfilmung "Die Mittagsfrau" kamen demnach in dieser Hauptkategorie also nicht zum Zug.

Bei Milli Vanilli war vor rund 30 Jahren herausgekommen, dass Robert "Rob" Pilatus und Fabrice "Fab" Morvan ihre Hits nicht selbst gesungen, sondern nur die Lippen bewegt hatten. "Milli Vanilli darf noch einmal auferstehen und die Disco-Pop-Bühne der späten Achtziger-Jahre betreten", lobte die Jury das Werk von Simon Verhoeven. "Schauspiel und Choreografie, Sound, Rhythmus, Szenenbild, Kamera und vieles mehr sind so perfekt aufeinander abgestimmt, dass wir Zuschauer in einen Sog voller Leidenschaft geraten."

Die Hauptdarsteller Tijan Njie und Elan Ben Ali bekamen zudem den Nachwuchspreis. Zum Dank sang der reale Morvan im Anschluss mit dem begeisterten Publikum "Girl You Know It's True" - in echt.

Veronica Ferres zog es bei der Verleihung des Ehrenpreises förmlich die Schuhe aus. Weil das Mikrofon auf dem Ständer zu niedrig war, schlüpfte sie für die Dankesrede kurzerhand aus ihren hochhackigen Pumps. Bayern Ministerpräsident Markus Söder (CDU) hatte sich die 58-Jährige als Empfängerin der Ehrung ausgesucht und lobte: trotz ihrer Erfolge als Schauspielerin und Produzentin, auch international, sei sie bodenständig geblieben und engagiere sich auch sozial für Menschen, denen es nicht so gut gehe.

Für einen Schreck sorgte Hannah Herzsprung, als sie für die Rolle in "15 Jahre" als beste Darstellerin geehrt wurde. Vor ihrer Dankesrede fiel ihr etwas kleines, weißes aus dem Mund. Verlegen gab sie aber rasch Entwarnung: "Das war kein Zahn" - nur ein Minz-Bonbon. Schadenfreude bei Michael Bully Herbig, der ihr die Trophäe überreicht hatte und nun feixte: "Das ist Comedy-Gold".

Bewegend wurde es beim Dokumentarfilmpreis an Steffi Niederzoll. In "Sieben Winter in Teheran" erzählt sie von der Iranerin Reyhaneh Jabbari, die in Notwehr einen Mann tötete und hingerichtet wurde. Jabbaris Mutter Shole Pakravan fand eindringliche Worte. "Mein Herz blutet jeden einzelnen Tag", bekannte sie. "Dieser Schmerz ist so groß, das ich nicht möchte, dass eine andere Mutter diesen Schmerz erfahren muss." Deshalb kämpfe sie für ein Ende der Hinrichtungen im Iran. "Ich darf sie alle einladen, uns zu helfen."

Aylin Tezel nutzte den Newcomer-Regiepreis für ihr Regiedebüt "Falling into Place" für einen Appell: Die Demonstrationen gegen Rechtsradikalismus zeigten, dass die Mehrheit der Menschen für Demokratie stehe, für Diversität und Menschlichkeit. "Lasst uns diese Mehrheit bleiben", forderte die ehemalige "Tatort"-Schauspielerin.

Ernst zeigte sich auch das Team des Kinofilms "Checker Tobi und die Reise zu den fliegenden Flüssen". Den Preis im Family Entertainment widmeten sie Regisseur Johannes Honsell. Er war kurz nach Weihnachten überraschend gestorben, mit 45 Jahren. Es wurden Preise in insgesamt elf Kategorien vergeben, dotiert mit zusammen 300.000 Euro.