APA - Austria Presse Agentur

Ari Asters "Beau is Afraid": Joaquin Phoenix als Muttersöhnchen

Für die Titelrolle von "Beau is Afraid" hat Ari Aster Joaquin Phoenix gewinnen können. Filmstart ist am 11. Mai.

Regisseur Ari Aster gilt seit "Midsommar" und "Hereditary" als Horrortalent. Für die Titelrolle seines bisher teuersten Films hat er den furchtlosen Joaquin Phoenix gewinnen können. Entstanden ist eine herausfordernde Tour durch die Psyche eines Neurotikers, der man ab 11. Mai auch in den heimischen Kinos beiwohnen kann.

Mix aus verrätselter Inszenierungsideen und großer Schauspielleistungen

Am Anfang bleibt die Kinoleinwand dunkel. Herzschläge puckern. Schließlich: grelles Licht, lautes Schreien, Feuerwerk. Eine Schere schneidet durch eine Nabelschnur. Nur einer bleibt still, der kleine Bub, der hier gerade geboren wurde. "Was ist los?", fragt eine Frau. Und erst nach drei Schlägen auf den Hintern dröhnt der befreiende Babyschrei durch den Raum. Von Beginn an ist überdeutlich, wie sehr dieses Kind lieber bei seiner Mutter geblieben wäre. Stattdessen werden der Knabe und die Zuschauer mitten hineingeworfen in die Welt von "Beau is Afraid", einem drei Stunden dauernden, überbordenden Genremix voller verrätselter Inszenierungsideen und großer Schauspielleistungen.

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Schon in den Szenen nach der Geburt wird schnell klar, wie viel von der Angst im Filmtitel Beau Wassermann wirklich hat. Der inzwischen mittelalte Mann sitzt bei seinem Therapeuten, fürchtet sich vor einer Riesenspinne vor seiner Wohnung und glaubt auf dem Weg zum kleinen Laden gegenüber, dass mehrere Verwirrte und Drogenabhängige hinter ihm her sind.

Und zu allem Überfluss wartet auch noch die Mutter auf einen Rückruf. Der etwas aus der Form geratene Neurotiker, intensiv und mit hängenden Augen von Joaquin Phoenix gespielt, begibt sich deshalb in dem Mammutfilm von Regisseur Ari Aster auf eine lange Reise, zurück zur alles dominierenden Mama.

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Aster hat mit "Hereditary" und "Midsommar" große Erfolge erzielt

Aster schöpft aus dem Vollen. Er hat schon mit "Hereditary" und "Midsommar" Erfolge erzielt, beides Filme, die dem Horrorgenre neue Facetten hinzugefügt haben und sich vielen Zuschauern mit bildstarken Inszenierungen ins Gedächtnis gebrannt haben. Auch "Beau is Afraid" steckt voller Ideen, unter anderem mit einer fast 20 Minuten langen animierten Traumsequenz, einem Tribunal in einer düster-anklagenden Stadionarena am Ende und einem sprechenden Riesenpenis, der an Jabba the Hutt aus dem Star-Wars-Universum erinnert.

Das Studio hinter Asters Filmen ist A24, ein renommiertes Haus, das sich in den vergangenen Jahren mit kleinen Indiefilmen wie "Moonlight", "Lady Bird" und "Uncut Gems" einen exzellenten Ruf erarbeitet hat. "Beau is Afraid" ist nun die bisher kostspieligste Wette des Hauses, laut US-Medien lag das Budget bei 35 Millionen Dollar (31,69 Mio. Euro).

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Asters bisher teuerster Film

Das ist mehr als beim bisher teuersten Film, dem ebenfalls Genregrenzen sprengenden Superhit "Everything Everywhere All at Once", dem mit sieben Auszeichnungen auch ein überragender Erfolg bei den Oscars gelang. Während dieser Hit aber mit einer im Grunde optimistischen "Alles hängt zusammen"-Versöhnungsbotschaft die Herzen der Fans gewann, ist "Beau" zwar genauso ausufernd und ideenreich inszeniert, aber gerät auch entschieden düsterer – quasi ein Depressions-"Everything Everywhere".

Hier ist es gut möglich, dass "Beau" auf seiner Reise viele Zuschauer verliert. Zwischen all den Ideen gerät seine Odyssee arg lang und die Botschaft Asters liegt eine Spur zu sehr in den Augen der Betrachtenden. Geht es nun um jüdische Schuld, um einen Mutterkomplex des Regisseurs oder eben doch um die multiplen Ängste einer überdrehten Konsumgesellschaft? Diese Fragen könnten eine Anhängerschaft finden, die das gut gespielte Bizarrdrama auch noch in Jahren sezieren und diskutieren mag. Bis dahin dürften viele andere längst das Interesse verloren haben – um das schlagende Herz des Films bangt man an mehr Stellen als nur dem Anfang.