Donald Duck wird 90 Jahre alt

Lustige Taschenbücher mit Donald Ducks Abenteuern sind weiter beliebt
Schon in seiner Geburtsstunde vor 90 Jahren war Donald Duck ein Faulpelz, der sich am liebsten vor der Arbeit drückt. In dem Disney-Zeichentrickfilm "The Wise Little Hen" ("Die kluge kleine Henne") hatte der tollpatschige Comic-Erpel am 9. Juni 1934 seinen ersten Auftritt. Es war nur eine Nebenrolle, doch in dem gut sieben Minuten langen Film ist er schon unverkennbar Donald: mit blauer Matrosenjacke, ohne Hose und arbeitsscheu.

Eine kleine Henne will im Trickfilm Mais anbauen und bittet ein Schwein namens Peter Pig und die Ente um Mithilfe, doch beide drücken sich vor der Feldarbeit. Sie hätten Bauchschmerzen, so ihre Ausrede. Für Donald Duck war diese Filmpremiere der Beginn seines Siegeszugs rund um die Welt.

Der wohl berühmtesten Maus der Welt, Micky Maus, hinkt der Erpel ein wenig hinterher. Walt Disneys Kreation mit den runden Ohren feierte schon 2018 das 90. Jubiläum. 1928 gab Micky Maus in dem Kurzfilm "Steamboat Willie" sein Hollywood-Debüt und war in den 30er-Jahren bereits ein riesiger Kassenschlager. Disney wollte damals der eher braven Maus eine neue Figur zur Seite stellen. Der tollpatschige Donald sah niedlich aus, konnte aber jähzornig und stinkfaul sein.

Donald ist seit jeher die Disney-Figur, die am nächsten an den Sorgen vieler Menschen in der echten Welt dran ist: chronisch pleite, vom Pech verfolgt, immer wieder im Konflikt mit humorlosen Gläubigern und Behörden. Im allerersten Lustigen Taschenbuch (LTB) "Der Kolumbusfalter" (1967) wird er als Versicherungsbetrüger zu neun Wochen, vier Tagen und drei Stunden Gefängnis verurteilt - ein Anti-Micky. Aber immer mutig und selbstlos, wenn es darum geht, seine Familie oder seine Angebetete vor Gefahren zu retten.

Eine ganze Welt wurde um Donald herum geschaffen. In seiner Heimatstadt wohnen zwar auch Micky und Goofy. Aber interessanterweise heißt der Ort eben Entenhausen (im Original Duckburg) und der Verlierer Donald, sein reicher und geiziger Onkel Dagobert, seine schnell pikierte Freundin Daisy und die frechen Neffen Tick, Trick und Track geben dort den Ton an. Für viele Fans gilt Carl Barks (1901-2000) als bester Donald-Comics-Künstler aller Zeiten.

Natürlich wird der 90. Geburtstag nicht nur in Entenhausen groß gefeiert. Mit Extra-Ausgaben von Comic-Heften lässt der deutsche Verlag Egmont Ehapa Media den Erpel in seinem runden Jubiläumsjahr hochleben. Donalds Erfolgsrezept? "Die Mischung macht's", sagt Buch-Verleger Wolf Stegmaier in einer Mitteilung. "Donald Duck ist sympathisch, liebenswert, aber auch tollpatschig und cholerisch. Er ist ein Held in allen Lebenslagen, der schlagartig und nachhaltig die Herzen aller Comicfans erobert hat."

Besonders gut kennt sich der Münchner Comic-Zeichner Jan Gulbransson mit dem Enterich aus. Er ist einer der wenigen deutschen Disney-Zeichner und verfasst seit Jahrzehnten Donald-Duck-Comics. Er liebe "das Anarchische" an ihm, sagte Gulbransson einst im dpa-Interview. Und warum hat der Disney-Erpel keine Hose an? Das habe wahrscheinlich einen ganz praktischen Grund, meint der Künstler. "Donald kommt ja aus dem Zeichentrick, und Hosen behindern in der Animation. Es ist auch schwieriger zu zeichnen, weil man auf den Faltenwurf achten muss."

Donald Duck hat hart gesottene Fans, die sich Donaldisten nennen. Sie gründeten 1977 die "Deutsche Organisation nichtkommerzieller Anhänger des lauteren Donaldismus". Der Alltag und die Abenteuer des "kleinen Herrn Duck" und seine Geschicke, Missgeschicke, Erfolge und Misserfolge lägen ihnen am Herzen, schreiben die D.O.N.A.L.D.-Mitglieder auf ihrer Webseite. Sie tauschen sich bei Stammtischen und auf Tagungen über das Entenphänomen aus.

In Hollywood können Fans zu Donalds Sternenplakette auf dem "Walk of Fame" pilgern. Der Erpel wurde 2004 zu seinem 70. Jubiläum auf berühmten Gehsteig mit einer Plakette verewigt. Allerdings war ihm Micky Maus auch dort zuvor gekommen. Der Mäuserich war gerade mal 50 Jahre alt, als er 1978 als erste Comic-Figur einen Stern erhielt.

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