"Ferrari" auf Amazon Prime: Mehr Amore als Autos

Adam Driver spielt Enzo Ferrari
Michael Manns Sportdrama mit Adam Driver als Enzo Ferrari ist am stärksten, wenn die Motoren auf der Rennstrecke dröhnen. Für Benzinfans gibt es eine in Öl getränkte Zielgerade, aber für einen Film über die frühen, tödlichen Tage der Formel 1 gibt es ein bisschen zu viel Seifenoper in Modena. "Ferrari" wird seinem Titel nicht wirklich gerecht. Ab Freitag auf Amazon Prime Video.

Ausgerechnet der Amerikaner Adam Driver ("Marriage Story") mit seinem wortspieligen Namen spielt den italienischen Autobauer Enzo Ferrari, einen Mann mit silbergrauen Haaren und einem dicken Bauch, dessen sexy Renntage vorbei sind. Der neue Film von Michael Mann, sein erster seit dem Flop "Blackhat" vor acht Jahren, beginnt im Jahr 1957, zehn Jahre nach der Gründung der Marke Ferrari. Enzo ist der Rennkönig von Modena und die Leute lieben ihn, aber seine Autofabrik steht vor der Pleite, und sein Rennstall verliert gegen seinen Erzrivalen Maserati.

Das wird nie deutlicher, als wenn das Ferrari-Team herrlich nervös auf den Bänken in der Kirche herumrutscht und sich anhören muss, wie Maserati den Geschwindigkeitsrekord im nahe gelegenen Autodromo di Modena bricht. Um im Geschäft zu bleiben, muss Enzo mehr Autos an Reiche verkaufen, aber um das zu tun, muss er die Mille Miglia gewinnen, das inzwischen aufgelöste, legendäre Straßenrennen. Die Tode seiner Fahrer haben ihm bereits den bösen Spitznamen "Witwenmacher" eingebracht. Vor jedem Rennen werden Abschiedsbriefe an die Frauen geschrieben. "Wir alle wissen, dass es unsere tödliche Leidenschaft, unsere schreckliche Freude ist", sagt er, bevor er seine Männer auf dem Altar des Renngottes opfert.

Die "schreckliche Freude" von Michael Mann ist es, Antihelden stylisch in Szene zu setzen. Es ist daher sehr eigenartig, dass sich der Regisseur von Hollywoodfilmen wie "Heat" und "Miami Vice" dazu entschlossen hat, den Löwenanteil der Filmlaufzeit Enzos privatem Melodram zu widmen. Enzo trauert um seinen Sohn, der im Alter von nur 24 Jahren an Muskelschwund starb. Seine Ehe mit Laura (Penélope Cruz), die auch seine Geschäftspartnerin ist, hat sich gravierend verschlechtert. Er stiehlt sich gerne aus ihrer Wohnung und besucht die Landvilla, die er mit seiner heimlichen Geliebten Lina (Shailene Woodley) und dem unehelichen Sohn teilt, von dem Laura nichts weiß.

In einem Meer beeindruckender Nebenrollen, zu denen unter anderem ein wasserstoffblonder Patrick Dempsey ("Grey's Anatomy") und Jack O'Connell ("Unbroken") gehören, ist es die großartige Penélope Cruz, die alle fast völlig in den Schatten stellt. Müde von einem Leben, das von einem Auto bestimmt wird, spielt sie eine Frau, mit der man sich wirklich nicht anlegen will. Großartig ist die Szene, in der sie auf Enzo mit einer Waffe schießt - und absichtlich daneben zielt.

Adam Driver, der seinen karikaturenhaften Akzent aus Ridley Scotts "House of Gucci" wieder aufleben lässt (die meisten Hauptdarsteller hier sind keine Italiener), und eindeutig zu jung ist, um einen fast 60 Jahre alten Ferrari zu spielen, ist hin- und hergerissen zwischen den beiden Frauen, die um die Aufmerksamkeit des "Commendatore" buhlen. Das Liebesdreieck ist nur halb so interessant, wie das, was auf der Rennstrecke passiert. Das kann Michael Mann wie kein anderer.

Die Mille-Miglia-Strecke wurde in all ihrer Pracht der 1950er Jahre nachgebildet und führt durch die Eingeweide Italiens, als es weder für die Fahrer noch für die jubelnde Menschenmenge hinter den Strohballen Sicherheit gab. Hier fliegen die Fahrer wie Vögel durch die Luft. Die dramatischen Szenen und das Mann'sche Sounddesign, das man im Bauch spürt, haben genug Treibstoff, um den Puls in die Höhe zu treiben, aber der Rest von "Ferrari" lässt das Rennherz eher kalt.

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