APA - Austria Presse Agentur

"Geliebte Köchin": Juliette Binoche als Küchenfee

Mit "Geliebte Köchin" über einen berühmten Feinschmecker beweist Tran Anh Hung wieder, dass er ein Meister der Bilder ist. Ein visueller Hochgenuss mit Juliette Binoche, dem es inhaltlich aber etwas an Würze fehlt. Die filmische Verkostung beginnt am 9. Februar in den heimischen Kinos.

Steinbutt in Milchsud, Kalbshaxe mit Minze und Thymian: In den Pfannen und Töpfen der großen Landküche des berühmten Feinschmeckers Dodin-Bouffant brutzelt und gart es. Mehr als 20 Minuten dauert die nahezu dialogfreie Eröffnungsszene, in der die Kamera buchstäblich in Töpfe blickt, um das Dünsten des Gemüses zu beobachten, und den Figuren folgt, wie sie Kräuter hacken, Fisch ausnehmen, Fleisch garen.

Solche köstlichen und langen Kochszenen gibt es in "Geliebte Köchin" viele. Mit seinem jüngsten Film mit Binoche und Benoît Magimel macht Tran Anh Hung seinem Titel als Meister der Bilder wieder alle Ehre. Bereits mit "Der Duft der grünen Papaya" eroberte der französisch-vietnamesische Regisseur mit seiner Ästhetik das Publikum.

Der Film über die außergewöhnliche Köchin Eugènie (Binoche) und den leidenschaftlichen Gourmet Dodin-Bouffant (Magimel) wurde in Cannes mit dem Preis für die beste Regie ausgezeichnet. Die Geschichte über Kulinarik und Liebe geht für Frankreich auch ins Rennen um einen Oscar als bester fremdsprachiger Film.

Der Film basiert auf dem Buch "La Vie et la passion de Dodin-Bouffant, gourmet" des französisch-schweizerischen Schriftstellers und Mitbegründers der Akademie des Gastronoms Marcel Rouff aus dem Jahr 1924. Der Roman spielt im Frankreich des 19. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte von Eugénie, die seit 20 Jahren für den Starfeinschmecker als Köchin arbeitet.

Er kreiert die Gerichte, sie setzt sie meisterhaft um. Zusammen schaffen sie einzigartige Speisen, die Gäste aus aller Welt anlocken. Doch die beiden teilen nicht nur ihre kulinarische Leidenschaft. Sie teilen auch Leben und Bett. Dodin will sie heiraten, Eugénie jedoch ist mit der Situation, so wie sie ist, sehr zufrieden.

Mit "Geliebte Köchin" hat Tran Anh Hung nicht nur eine Ode an die französische Küche gedreht, sondern auch eine bewegende Liebesgeschichte. Binoche und Magimel gelingt es hervorragend, durch den kleinsten Blick, das leichteste Lächeln, die stille Verbindung zwischen dem Paar zum Ausdruck zu bringen.

Die Geschichte der "Food-Filme" ist lang, aber selten sahen Speisen wohl so wohlschmeckend aus wie hier. Man hat den Eindruck, den Duft des Gebäcks und gegarten Fleischs zu riechen. Jede Einstellung, jede Szene wird zu einem Gemälde, einem Mahlzeitstillleben. Ein Genre, das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts seine Blütezeit erlebte. Der 61-jährige Regisseur versteht das Kochen als Kunst. Mit seinen ästhetischen Darstellungen der Speisen appelliert er an unsere Sinnesfreuden. "Geliebte Köchin" ist eine visuelle Gaumenfreude, die einen Schuss mehr Handlung vertragen hätte.