"Joyland": Eine Geschichte aus einer nahen Ferne

Die Joyland-Belegschaft in Cannes
Es mag für viele Menschen der erste pakistanische Spielfilm sein, den sie sehen werden - und es ist einer, der so gar nicht dem Klischee-Bild entspricht: "Joyland". In seinem Debütfilm etabliert sich der 32-jährige Saim Sadiq gleichsam als pakistanischer Pedro Almodovar und erzählt eine bittersüße, unkonventionelle Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Transgemeinschaft der Hijra.

"Joyland" war in Cannes der erste pakistanische Spielfilm überhaupt, der für das dortige Filmfestival ausgewählt wurde und gewann den Jurypreis in der Sektion Un Certain Regard. Und das zu Recht, schildert Sadiq doch souverän eine vermeintlich fremde Welt für westliche Zuschaueraugen, die aber letztlich in ihrem Kern ganz nah erscheint.

Hauptcharakter ist der etwas verschlurfte Tagträumer Haider (Ali Junejo), der aufgrund seiner Arbeitslosigkeit für den Haushalt seiner Großfamilie zuständig ist und sich um seine kleinen Nichten kümmert, während seine Frau Mumtaz (Rasti Farooq) als Kosmetikerin erfolgreich ist.

Die Beziehung der beiden ist liebevoll, und doch stehen beide klar unter der Knute des Patriarchen Rana Amanullah (Salman Peerzada), der damit zu kämpfen hat, als Oberhaupt der Familie im Rollstuhl zu sitzen. Haiders älterer Bruder Saleem (Sohail Sameer) ist das Idealbild eines Mannes in dieser Familie, während der Jüngere eher als Versager gesehen wird, der sich von seiner Frau aushalten lassen muss.

Um den steten Vorhaltungen zu entgehen, nimmt Haider heimlich und zuerst widerwillig einen unkonventionellen Job an, um Geld zu verdienen: Er wird Backgroundtänzer in der Truppe der transsexuellen Tänzerin Biba (Alina Khan). Ist Haider anfänglich unsicher und zurückhaltend ob der schnippischen, toughen Biba, dauert es nicht lange, bis er sich in deren unkonventionellen Charakter verliebt. Und so steht Haider alsbald vor einem moralischen Dilemma.

Saim Sadiq gelingt dabei, kulturelle Eigenheiten und Beziehungen unverfälscht zu erzählen und deren Dynamiken zugleich für ein dieser Kultur fernes Publikum verständlich zu halten. Die Sehnsüchte, Wünsche und Hoffnungen der einzelnen Protagonisten liegen viel näher als der oberflächliche Blick vermeint. Ungeachtet aller Dramatik gelingt Sadiq zugleich, seiner Geschichte eine Humorebene einzuwirken, wenn etwa Haider im Auftrag seiner Chefin mit einer monumentalen Biba-Pappfigur auf dem Moped durchs nächtliche Lahore fährt. Und nicht zuletzt hat Sadiq der charismatischen Schauspielerin Alina Khan eine Paraderolle auf den Leib geschrieben.

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