APA - Austria Presse Agentur

Marvin Kren serviert mit Netflix-Serie "Crooks" harten Stoff

Was so ein kleines Ding nicht alles anrichten kann: Eine antike Goldmünze, geraubt aus einem Berliner Museum, sorgt in der neuen Netflix-Serie "Crooks" ab 4. April dafür, dass sich gleich mehrere Gangsterbanden quer über Europa hinweg bekriegen. Mittendrin: der ehemalige Safeknacker Charly (Frederick Lau) sowie Unterweltfahrer Joseph (Christoph Krutzler). Serienschöpfer Marvin Kren schickt sein ungleiches Duo auf eine harte Tour.

Dabei scheint zunächst alles so idyllisch: Charly hat eine Haftstrafe verbüßt und mit seinem alten Leben eigentlich abgeschlossen. Gemeinsam mit Partnerin Samira (Svenja Jung) und deren Sohn Jonas will er viel lieber seine neu gefundene Ruhe genießen. Blöd nur, dass ihn die Vergangenheit einholt. Ein alter Bekannter hat es auf eine Goldmünze abgesehen, die sich in einem Tresor des mächtigen Al Walid Clans in Berlin befindet. Seine Finger im Spiel hat auch die Wiener Gangsterfamilie Bachofner, für die der gutmütige, aber durchaus schlagfertige Joseph als Fahrer arbeitet. Er soll nach absolviertem Coup das wertvolle Objekt nach Wien bringen. Nur geht dabei einiges schief.

Kren hat sich für die achtteilige Miniserie von Claude Sautets Film "Der Panther wird gehetzt" inspirieren lassen. Da wie dort wird die Geschichte einer unwahrscheinlich anmutenden Partnerschaft erzählt. Denn durch Charlys Beteiligung am Diebstahl, bei dem ein Mitglied des Al Walid Clans ums Leben kommt, rückt auch seine junge Familie in den Fokus der Verbrecher. Um sie in Sicherheit zu bringen, lässt er sich auf einen Handel mit den Wienern ein, wofür er aber Josephs Hilfe benötigt - wovon dieser zunächst alles andere als begeistert ist. Mit dem Piefke zusammenarbeiten? Dafür scheinen die Welten der beiden Männer dann doch zu verschieden.

Wobei, so ganz stimmt es nicht: Berlin und Wien werden hier zwar in schillernden Bildern gezeigt, aber die Metropolen offenbaren auch etliche Abgründe. In "Crooks" geht es nämlich ordentlich zur Sache, denn die Gangster lassen sich nicht lange bitten. Während die Al Walids mit ihrer hierarchisch durchstrukturierten Organisation von Anfang an bedrohlich wirken und schnell zu den Waffen greifen, ist es in Wien wiederum ein mit viel Lokalkolorit gewürztes Milieu, das sich in luxuriösen, aber schummrigen Bordellen ebenso entfaltet wie im Herrschaftssitz des Anführers, der von allen nur der Große genannt wird.

All das braucht sich im internationalen Vergleich keineswegs zu verstecken. Kren, der gemeinsam mit Cüneyt Kaya auch für die Regie verantwortlich zeichnet, nutzt seine verschachtelte Erzählweise, um beständig Spannung und eine Drohkulisse aufzubauen. Eine semihumoristische Gangsterballade darf man sich keineswegs erwarten. Nein, wenn hier zugelangt wird, dann ordentlich, wie gleich zu Beginn auch Krutzler beweisen darf. Als schließlich alle Banden, Clans und Gruppierungen aufeinander Jagd machen, rückt mit Marseille nicht nur ein dritter Schauplatz ins Blickfeld, sondern wird es auch so richtig blutig.

Davon abgesehen beweist Kren ein sehr gutes Händchen für die Ausgestaltung seiner Figuren. Da sind natürlich Charly und Joseph zu nennen, die sich zwangsläufig zusammenraufen müssen und trotzdem stets authentisch in ihren jeweiligen Milieus verwurzelt bleiben. Aber aber auch der Rest kann durchwegs punkten, sei es ein in seiner Wiener Direktheit wie immer brillanter Georg Friedrich als Gangster Zwanziger oder Kida Khodr Ramadan, der als Charlys alter Kumpel Rami zwischen die Fronten gerät. Eines steht jedenfalls fest: Ganz ohne Schrammen und Kratzer kommt hier sowieso niemand davon.

(Von Christoph Griessner/APA)