APA - Austria Presse Agentur

Monarchie-Fans warteten tagelang auf die Prüfung

"God Save the King!" rufen die Menschen, als die vergoldete Kutsche mit dem Königspaar vorüberrollt, und ein Meer von Armen reckt sich ihm entgegen. Hartgesottene Monarchie-Fans haben schon seit Tagen entlang der Prozessionsstrecke vom Buckingham-Palast zur Westminster Abbey kampiert, um sich einen Platz in der vordersten Reihe mit unverstelltem Blick zu sichern. Nun sind sie seit der Früh auf den Beinen, um die Krönung von König Charles III. und Königin Camilla zu feiern.

"Wir sind hier seit fünf Uhr früh", sagt Alison Marschall, während sie auf ihrem Handy stolz ein Video zeigt, das sie von der vorbeirollenden Königskutsche gemacht hat. Auch die 55-jährige Caryl Hall und ihre beiden halbwüchsigen Kinder sind schon seit Stunden auf den Beinen.

"Es war schwer, die Teenager wachzubekommen, aber das hier ist Teil der Geschichte, wir wissen nicht, ob wir nochmal eine Krönung zu sehen bekommen werden", sagt die in die britische Flagge gehüllte und mit einer Plastikkrone auf dem Kopf geschmückte Hall, während sie von einem Hocker aus Ausschau hält.

Dave Giddings ist mitsamt Ehefrau und Sohn aus Schottland angereist. "Es geht um unsere Zukunft. Es ist eine wichtige Sache", sagt der 41-Jährige, der ebenfalls eine Plastikkrone auf dem Kopf trägt und dazu eine Union-Jack-Sonnenbrille.

Der Union Jack, die britische Flagge, ist überall zu sehen - von Fahnen und Wimpeln über T-Shirts; besonders eingefleischte Fans haben sich ihr Gesicht damit bemalt. Dabei lassen sich die Feiernden auch vom typisch britischen trüben Regenwetter die Laune nicht vermiesen.

Die 72-jährige Hillary und ihre 47 Jahre alte Tochter Jo sind mit dem Frühzug nach London gefahren, um sich den Menschenmassen anzuschließen. "Er wird nie wie die Königin sein, aber er ist unser König, und heute wollen wir einfach feiern", sagt die Rentnerin über Charles III.

Viele Feiernde sind von weither angereist, um dabei zu sein, wie Christine Wilen aus dem kanadischen Niagara Falls. "Ich habe die Reise wegen der Krönung gemacht", sagt die 55-jährige, die sich in den Farben der kanadischen Flagge rot und weiß angezogen hat. "Ich bin total aufgeregt hier zu sein, Teil der Geschichte zu sein", erklärt sie. "Ich war schon immer Monarchistin."

Doch nicht allen ist an diesem Tag nach feiern zumute. Jüngste Umfragen deuten auf eine nachlassende Zustimmung der Briten zur Monarchie. Und so werden am Trafalgar Square gelbe Plakate mit dem Slogan "Nicht mein König" hochgehalten. Die Polizei nimmt mehrere Mitglieder der Antimonarchie-Gruppe Republic fest. Die Krönungsfeier soll nicht gestört werden.