Österreicher Joe Tödtling ist ein echter "Fall Guy"

++ HANDOUT ++ Joe Tödtling übernimmt für Stars die Stunts
Im aktuellen Blockbuster "The Fall Guy", Remake der TV-Serie "Ein Colt für alle Fälle", steht ein Stuntman im Mittelpunkt. Der Steirer Joe Tödtling ist im Gegensatz zu Hauptdarsteller Ryan Gosling tatsächlich einer, der sich als Double über Stiegen stürzt oder Faustschläge einsteckt. "Wenn ich mich anzünde, muss ich mit Brandblasen rechnen. Wenn ich mich mit dem Auto überschlage, muss ich damit rechnen, dass es weh tut", sagt das 44-jährige Kraftpaket im APA-Interview.

Das Risiko ist dem Steirer also bewusst. "Gebrochen habe ich mir noch nichts", fügt er rasch hinzu. Mit 21 Jahren, nach einer Zeit beim Heer und einer Pilotenausbildung, beschloss Tödtling spontan, Stuntman zu werden. Mittlerweile drehte er mit Hollywoodstars und hält Guinness-Rekorde als "brennender Mann". Demnächst will der Sohn eines Fahrdienstleiters und einer Gastwirtin mit Kollegen einige weitere Weltrekorde brechen. "Meine Idee: Selbst im Vollbrand ein brennendes Auto zu schieben. Das wird lustig", grinst Tödtling. Wie kommt man auf so was? "Es klingt vielleicht blöd, aber ich habe schon als Kind gerne mit dem Feuer gespielt und gezündelt - nicht so zur Freude meiner Eltern."

Um seinen Berufstraum zu verwirklichen, begab sich der gelernte Rauchfangkehrer nach Amerika, um die Stuntschule von Kim Kahana zu besuchen. Der Ex-Marine war unter anderem 30 Jahre fixes Stuntdouble von Charles Bronson. "Den halben Vormittag stand Marines-Workout am Stundenplan, dann Basics wie Rollen, Fighten und richtig stürzen. Am Nachmittag wurden Stunts gemacht." Der erste große Film, an dem Tödtling mitwirkte, war "The Monuments Men" mit George Clooney, erzählt er. "Da ist richtig Action gedreht worden. Aber im Film sieht man davon überhaupt nichts."

Man sei immer enttäuscht, wenn es Actionszenen nicht in einen fertigen Film schaffen, gesteht der Stuntman. "Aber das ist oft der Fall. Wenn es eine Vorgabe hinsichtlich der Länge des Films gibt, fallen Actionszenen weg. Nicht die Action erzählt die Geschichte, sondern die Schauspieler mit den Dialogen. Die Action peppt alles auf."

Stunts seien "natürlich sehr anstrengend und benötigen eine Vorbereitungszeit, man muss körperlich fit sein", betont Tödtling. "Aber es ist auch sehr viel Warten dabei. Gehen wir mal von einem Fight aus: Es muss ausschauen, als ob der Schauspieler selbst die Fäuste sprechen lässt. Er soll sich allerdings nicht verletzen und am nächsten Tag wieder vor der Kamera stehen. Das Double sitzt beim Dreh daneben, schaut sich an, was der Schauspieler macht - und springt ein, wenn es brenzlig wird."

Als Stuntman sei es seine Aufgabe, den jeweiligen Schauspieler "zu kopieren", so der Steirer. Derzeit doubelt er Benicio del Toro in einem Film unter der Regie von Wes Anderson in Babelsberg mit Stars wie Tom Hanks, Scarlett Johansson und Benedict Cumberbatch. "Ich muss seine Bewegungen eins zu eins nachmachen, genau studieren, wie er geht, wie er sich am Kopf kratzt - das muss alles ident sein." Mit seiner Größe von 1,90 Metern und seiner kräftigen Statur ist er der ideale "Ersatz" für del Toro, "Till Schweiger könnte ich nicht doubeln", nickt Tödtling.

Die Stars seien grundsätzlich dankbar für seine Arbeit: "Sie verkaufen das gerne so, als würden sie alles selbst machen. Aber im Endeffekt geht ohne Stuntleute nichts. Auch Tom Cruise springt nicht irgendwo runter, bevor das nicht irgendwer probiert und getestet hat. So ein Stunt wird wochenlang vorbereitet und trainiert. Wenn es sicher ist und man weiß, wie man den Stunt durchführen muss, dann macht ihn Tom Cruise. Beachtlich ist das natürlich trotzdem."

Tödtling arbeitet auch als Stuntkoordinator, der die Action plant, alles vorbereitet, das Team zusammenstellt und am Set die Kontrolle übernimmt. Mit seiner Stunt-Factory bietet er seine Dienste nicht nur für Film und Fernsehen, sondern auch für Shows an. Außerdem ist er Schauspieler: "Ich versuch's zumindest", lacht er. "Den Aggressor kann ich gut spielen."

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