APA - Austria Presse Agentur

"Oh la la - Wer ahnt denn sowas?": Eine französische Familienkomödie

Das Kinoland Frankreich hat zwei Gesichter. Das eine zeigt sich auf Filmfestspielen weltweit und betört mit Problemfilmen, charmanten Starauftritten und gewagten Experimenten. Das andere zeigt sich vor allem in den Cineplexxen des Landes und bringt die breite Bevölkerung in Komödien wie "Willkommen bei den Sch'tis", "Asterix" oder "Monsieur Claude" zum Lachen. Darsteller Christian Clavier begegnet man nun wieder in "Oh la la - Wer ahnt denn sowas?".

Regisseur und Drehbuchautor Julien Hervé hat bei dieser Art von breitenwirksamen Komödien bereits in mehrfachen Funktionen mitgewirkt und nun erstmals einen Alleingang gewagt. Zunächst sieht es nach einem banalen Clash zweier unterschiedlicher Klassen aus. Christian Clavier und Marianne Denicourt sind das adelige Paar Frederic und Catherine Bouvier-Sauvage, die auf einem imposanten Schloss mit reichlich Grundbesitz residieren. Erstmals empfangen sie die Familie des Freundes ihrer Tochter Alice (Julien Pestel und Chloé Coulloud), den Peugeot-Händler Gerard Martin (Didier Bourdon) und seine Frau Nicole (Sylvie Testud) zum Kennenlernen.

Wie leicht vorhersehbar, wechselt die zunächst vorhandene allseitige Bemühung, die Standesunterschiede zu überwinden, allmählich gegen offene Ablehnung, speziell, als das junge Paar den Eltern seine Heiratspläne eröffnet. Ein Arbeitersohn anstatt eines Adeligen? Diese Wahl der Tochter kann ein Familienpatriarch, der die Wurzeln seines Stammbaums im Mittelalter verankert sieht, nur missbilligen. Das Schema der gegenseitigen Beleidigungen und Angerührtheiten ist allerdings bald durchgespielt.

Doch der Film heißt im französischen Original nicht umsonst "Cocorico - On ne choisit pas ses Ancêtres" (also quasi "Kikeriki - Man kann sich seine Vorfahren nicht aussuchen"). Mit einem Überraschungsgeschenk an die Eltern bringt Hervé ein neues Blatt ins Spiel. Genauer gesagt: vier Blätter, auf denen Laborergebnisse verzeichnet sind. Das künftige Brautpaar hat heimlich DNA-Tests in Auftrag gegeben, die mehr über die Abstammung ihrer Eltern verraten sollen. Die Erwartungen erfüllt kein einziger der Tests, und wo bisher mit dem Bihänder gekämpft wurde, werden nun die Steinzeitkeulen ausgepackt. Denn speziell die beiden Familienväter sind nicht nur Chauvinisten der alten Schule, sondern haben diebische Freude, ihrem jeweiligen Kontrahenten ordentlich eins auszuwischen.

Spott und Hohn wird nun kübelweise vergossen, und plötzlich hat man sich nicht nur mit innerfranzösischen Klassenunterschieden, sondern mit völlig anderen Kulturen auseinanderzusetzen. Der einen ist laut DNA die portugiesische Putzfrau näher als ihr lieb ist, der andere ist gar mit dem vermeintlichen Erzfeind verwandt. Indianisches Blut und ein Schuss englischer Hochadel ist ebenfalls in dem Abstammungscocktail zu finden, den Julien Hervé da gemixt hat.

Ist das politisch korrekt? Keineswegs. Ist das lustig? In Maßen. Ist das unterhaltsam? Ja, zugegeben, über weite Strecken, denn die Darsteller spielen noch die platteste Wendung mit größter Professionalität durch. Dabei vier gänzlich unterschiedliche Zugängen zu Humor vorgeführt zu bekommen, ist vielleicht der größte Reiz des Films. Den denkbar größten Kontrast zum Pointenabräumer Christian Clavier bietet dabei Sylvie Testud, die vor 15 Jahren in Jessica Hausners "Lourdes" beeindruckte. Sie beweist, dass man auch in eher derben Komödien mit feinem, sparsam eingesetzten Humor punkten kann.