Polnischer Filmemacher zeigte in Cannes Putin-Biopic mit KI

Was wohl der echte Putin davon hält?
Am Ende stirbt Putin. "Es sollte ein Happy End sein", sagte der polnische Filmemacher Patryk Vega, der am Rand des Filmfestivals von Cannes seine Film-Biografie über den russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgestellt hat. Da der echte Putin nicht verfügbar war, hat ihn Vega mit Hilfe von KI als Deep Fake auftreten lassen - eine Technologie, die in der Filmwelt viele fasziniert, aber auch abschreckt, weil sie um Jobs und die Authentizität der Filme fürchten.

Zunächst habe er seine Filmfigur mit Hilfe realer Aufnahmen von Putin kreieren wollen, erzählte der Pole, der bisher vor allem Gangsterfilme gedreht hat. Doch die Qualität sei für eine große Leinwand nicht gut genug gewesen. Künstliche Intelligenz (KI) "muss gefüttert werden. Es braucht 20.000 Bilder in hoher Auflösung, damit es funktioniert." Stattdessen habe er eine neue Technologie entwickelt, die einem realen Schauspieler mit derselben Statur wie Putin mit Hilfe von KI dessen Gesicht verschafft.

Der Effekt ist verblüffend. Im Film ist Putin zu sehen, wie man ihn kennt - in Diktatorenpose, an barocken Schreibtischen, aber auch wie er Klavier spielt und sich im Krankenbett in die Hose gemacht hat. "Ich wollte in den Kopf von Putin hineinkriechen", betonte Vega. Sein Film sei eine Art "Gebrauchsanleitung" für den russischen Präsidenten. "Putin ist nicht verrückt. Aber bei ihm dreht sich alles um sein Ego", meint der Regisseur, der kurz nach Beginn des Ukraine-Kriegs die Idee zu dem Film hatte. Das Ergebnis ist eine Mischung aus politischem Thriller und psychologischem Porträt des russischen Machthabers, das etwa 60 Jahre seines Lebens umfasst.

Die von ihm entwickelte KI-Technologie will Vega künftig auch anderen Produzenten anbieten, um etwa Szenen mit Statisten zu generieren. "Sie können mir eine leere Straße schicken, und ich schaffe ihnen eine Menschenmenge", erklärte er. Die Figuren seien komplett künstlich, daher gebe es keine Problem mit Bildrechten, und es sei deutlich billiger als ein Dreh mit zahlreichen Statisten.

Genau dies macht vielen Beschäftigten in der Filmwelt Angst. Bei dem massiven Streik in Hollywood im vergangenen Jahr ging es nicht zuletzt um die Frage, welche Folgen es hat, wenn Drehbuchautoren, Synchronsprecher und letztlich auch Schauspieler zunehmend durch intelligente Software ersetzt werden können. Im Dezember kam es zu einer Einigung, die ein Mitspracherecht von Darstellern vorsieht, wenn deren digitale Klone benutzt werden sollen. Der Einsatz von KI-Avataren soll außerdem vergütet werden.

Längst ist es möglich, Schauspieler künstlich zu verjüngen, wie etwa Harrison Ford in "Indiana Jones", Filmkulissen künstlich zu erschaffen oder den kommerziellen Erfolg eines Filmes je nach Besetzung zu berechnen. "Wir sehen KI als ein Hilfsmittel, das die Kreativität fördert und neue Jobs schafft", sagte Charles Rivkin, Chef von Motion Picture Association, dem Verband der großen US-Filmproduktionsgesellschaften, dem Magazin "The Hollywood Reporter".

Ob der gefakte Putin das Publikum überzeugt, wird sich demnächst zeigen. Der Film wurde nach Angaben des Vertriebs bereits in mehr als 50 Länder verkauft. Weltweiter Kinostart ist am 26. September.

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