APA - Austria Presse Agentur

"Priscilla": Selbstfindungstrip in den Fängen des "King"

Wie lebt es sich als Frau an der Seite des "King of Rock 'n' Roll"? Priscilla Presley hat darauf eine Antwort. Mehr als ein Jahrzehnt war sie in einer Beziehung mit Elvis. Ihre Erfahrungen brachte sie in den 80er-Jahren in "Elvis and Me" zu Papier. Regisseurin Sofia Coppola ("Lost in Translation") hat die Memoiren ausgegraben und mit Sinn für leise Zwischentöne in einen Film gegossen. Der Selbstfindungstrip ist ab Donnerstag im Kino zu sehen.

Soldatentochter Priscilla (Cailee Spaeny) ist mit ihrer Lebenssituation gar nicht zufrieden - und Soldat Elvis (Jacob Elordi) ist auch unglücklich. Beide sind in Deutschland und sehnen sich in die USA zurück. Gegenseitig geben sie sich in der Fremde Halt, doch der Start verläuft etwas holprig. So stempelt Elvis, der das Erwachsenenalter längst erreicht hat, die 14-Jährige bei einer Party als "Baby" ab. Elvis-Fan Priscilla hat daraufhin kaum Hoffnung, jemals wieder vom "King" zu hören. Doch dürfte sie in ihm etwas berührt haben, lädt er sie schließlich bald wieder ein.

Die Eltern von Priscilla sind angesichts des Altersunterschieds wenig überraschend höchst skeptisch. Doch Elvis wirft sich ins Zeug, spricht beim Vater der Teenagerin vor und gelobt, nur Gutes im Schilde zu führen. So richtig warm werden die Eltern nie mit der Vorstellung, ihre Tochter an der Seite von Elvis zu wissen. Sie erlauben ihr letztlich aber sogar, noch vor Abschluss der Schule, zu ihm nach Memphis zu ziehen.

Dort angelangt lernt Priscilla den Alltag kennen: Elvis ist oft und lange unterwegs. Auf Tournee oder bei Filmdrehs möchte er sie nicht dabei haben. Das sei nichts für sie, stellt er klar. Was er dort so treibt, erfährt Priscilla über die Klatschpresse, während sie mit einem kleinen Hund, schicken Kleidern und einer Schusswaffe abgespeist, einsam durch große, teppichbezogene Räumlichkeiten wandelt. Arbeiten soll sie in den Augen Elvis' nicht. Karriere oder er. Auch ein eigenwilliger Heiratsantrag des Stars, der mehr einer Feststellung als einer Frage gleicht, und die spätere Geburt eines gemeinsamen Kindes können letztlich nichts daran ändern, dass Priscilla langsam aber doch zu sich und ihren Bedürfnissen findet.

Coppola beweist mit "Priscilla" einmal mehr, dass sie nicht nur ein Interesse an ungewöhnlichen bis komplexen Beziehungen zwischen Mann und Frau hat, sondern diese auch nuanciert in Szene setzen kann. Tatkräftige Unterstützung leistet ihr dabei Cailee Spaeny. Die Mittzwanzigerin wurde für ihre Darbietung bei den Filmfestspielen Venedig als beste Schauspielerin ausgezeichnet. Durchaus zu Recht möchte man meinen, wenn man sich etwa ihre funkelnden Augen nach dem ersten Kuss mit Elvis vergegenwärtigt, die nach mehreren Zwischenfällen zusehends einem skeptischen und letztlich leeren Blick weichen.

Auf große Kniffe verzichtet Coppola. Am auffälligsten ist noch ein gewisser Fokus auf Zwischenräume, der etwa große Ereignisse wie die Heirat und Geburt unbebildert lässt. Letztlich erzählt Coppola aber geradlinig davon, wie Elvis langsam zu seiner eigenen Karikatur verkommt, während Priscilla aus ihrem aufputschmittelgeschwängerten Leben als emotionales Auffangbecken des "King" erwacht. Schmuck, Kleider und sporadische Liebesbekundungen sind eben nicht alles - auch wenn sie von einem Star kommen. Eine nette Geschichte, schnörkellos und mit feinem Spiel auf die Leinwand gebracht.