APA - Austria Presse Agentur

"True Detective" auf Sky: Warm anziehen für die neue Staffel

Blutgetränkter Schnee, melancholische Polizistinnen und ein paar sehr wütende Frauen: In der vierten Staffel von "True Detective" spielt Jodie Foster zum ersten Mal seit dem Oscar-prämierten Film "Das Schweigen der Lämmer" (1991) eine Detektivin, die versucht, ein Verbrechen in Alaska aufzuklären - und das mit einem eiskalten weiblichen Blick. Perfekt für die heimische Großwetterlage.

Es ist fast ein Jahrzehnt her, seit Matthew McConaughey und Woody Harrelson im schwülen Süden Amerikas darüber grübelten, ob die Zeit ein flacher Kreis ist. Die erste Staffel von "True Detective" wurde zum Hit, aber dann verlor die HBO-Serie den Status, den sie einst in der Popkultur hatte. Selbst der großartige, mit einem Oscar ausgezeichnete Mahershala Ali ("Moonlight") konnte das Phänomen nicht zurückbringen. Aber vielleicht kann es Jodie Foster. Sie wird hier von Issa López inszeniert. Serienschöpfer Nic Pizzolatto ist zurückgetreten, und die prämierte, mexikanische Filmemacherin hat das Zepter übernommen. Die Markenzeichen hat sie beibehalten, alles andere aber hat sie glorreich auf den Kopf gestellt.

Das wird gleich von Beginn an klar. Die erste Staffel begann mit einer toten, nackten Frau vor einem Baum kniend. Sie war an einen Ast gefesselt und trug ein Hirschgeweih am Kopf. Jetzt sind es nackte Männer, die wie eine groteske Statue im Eis erfroren sind. "Night Country" ist ein ernst zu nehmender Untertitel. Noch bevor die Figuren anfangen, an der Existenz Gottes zu zweifeln, fühlt sich das neue Kapitel finsterer an, als alles was wir von "True Detective" kennen. Es spielt in der Polarnacht eines arktischen Alaskas und ist sowohl im wörtlichen als auch im übertragenen Sinne dunkel. Die Sonne scheint hier nie. Die Schauspieler zittern vor Kälte und Billie Eilishs eindringlicher Song "Bury a Friend" eröffnet jede Folge.

Die Geschichte beginnt in einer abgelegenen Forschungsstation, die ein wenig wie die Spa-Version des Außenpostens in John Carpenters "The Thing" aussieht (eine VHS-Kopie des Films steht prominent in einem Regal). Die in Island gedrehten Szenen (Kameramann ist der Deutsche Florian Hoffmeister) bieten einige der trostlosesten Winterpanoramen seit besagtem Tiefkühlklassiker aus dem Jahr 1982.

Als die Sonne in "Night Country" zum letzten Mal im Jahr untergeht, bekommt einer der sieben Wissenschafter des Außenpostens einen Anfall. Als Jodie Fosters Polizistin Liz Danvers ein paar Szenen später eintrifft, findet sie die Station verlassen und ohne Anzeichen menschlichen Lebens vor - es sei denn, eine abgetrennte Zunge zählt. Die Anwesenheit der Schauspielerin löst ein angenehmes Déjà-vu-Gefühl aus, aber die Ermittlerin, die sie hier spielt, ist ganz anders als Clarice Starling. Danvers ist zwar klug, aber ruppig und asozial. Sie ist meistens gereizt, manchmal rücksichtslos, und im Verlauf von sechs Folgen werden wir bald erfahren, dass die meisten Frauen in der Stadt gute Gründe haben, sie nicht besonders zu mögen, weil sie mit ihren Ehemännern geschlafen hat.

Ihre Partnerin Evangeline Navarro wird gespielt von der Profiboxerin Kali Reis ("Catch the Fair One"). Der indigene Hintergrund der Schauspielerin verleiht ihrer Rolle mehr politisches Gewicht, erlaubt ihr aber auch, den Mulder für Fosters Scully zu spielen. Jedes Mal, wenn etwas Unerklärliches passiert, bezeichnet Danvers es als "spirituellen Schwachsinn", während Navarro sich nicht so sicher ist, ob die Toten auch wirklich tot bleiben.

Obwohl es sich nicht um eine direkte Fortsetzung handelt, hat Issa López ("Tigers Are Not Afraid") hier etwas geschaffen, das mit der ersten Staffel verwandt ist. Sie zieht an den Fäden, die das Original baumeln ließen, und stellt viele Themen und Schauplätze, die von Machismo geprägt waren, auf den Kopf. Die Markenzeichen sind alle da: Polizisten mit gepeinigter Vergangenheit, bedeutungsschwangere Autofahrten und ein übernatürliches Element. Trotzdem fühlt sich "Night Country" wie die radikale Neuerfindung an, die "True Detective" gebraucht hat.

Sky zeigt die vierte Staffel von "True Detective" ab heute (15. Jänner) zeitgleich zur Weltpremiere in den USA auf abruf. Immer montags steht eine neue Folge zur Verfügung sowie weiterhin alle vorangegangen Staffeln.