Vocelka-Duo mit historischem Krimi "Der Bezoar"

Prag im ausklingenden 16. Jahrhundert ist Schauplatz des Romans
Als Historiker prägte Karl Vocelka jahrzehntelang die Geschichtsforschung in Österreich. Als Krimiautor debütierte der heute 76-Jährige 2022 mit "Der Dozent und der Tod", einem in den 1980er-Jahren angesiedelten "Labyrinth von Sex, Lügen und Intrigen in der akademischen Welt". Gemeinsam mit seiner Frau, der Historikerin Michaela Vocelka, entführt er nun im neuen Roman "Der Bezoar" ins Prag am Ende des 16. Jahrhunderts.

"Ein Kriminalfall am Hof Rudolfs II." (so der Untertitel des Buches) beschäftigt in einer Zeit gesellschaftlicher und politischer Umbrüche einen jungen Beamten aus Aussee, der in die "Stadt der 100 Türme" gereist ist und eines Tages eine Leiche auf der Straße findet. Inspiriert wurde das schreibende Ehepaar offenbar unter anderem vom Gemälde "Kaiser Rudolf II. bei seinem Alchymisten" von Wenzel von Brozik, das am Umschlag auch abgebildet ist.

Alchemie spielt in der Geschichte eine bedeutende Rolle. Dass die Vorgänge am kaiserlichen Hof akkurat beschrieben sind, versteht sich von selbst, hat Karl Vocelka doch über Rudolf II. habilitiert und noch ein weiteres Buch über ihn geschrieben. Nun also spielt der im ausklingenden 16. Jahrhundert regierende König von Böhmen in einem weiteren Werk des Wiener Historikers eine tragende Rolle - in einem Werk, das dieser diesmal nicht alleine, sondern mit seiner Gattin verfasst hat.

Der mysteriöse Mordfall in der tschechischen Hauptstadt, um den es in "Der Bezoar" geht, zieht Spuren bis nach Konstantinopel. Wie der junge, aus Aussee über mehrere Tage mit einem Pferdegespann an den Hof Rudolfs II. gereiste Salinenbeamte Matthias Gaiswinkler feststellt, hat der Fall auch einiges mit Alchemisten zu tun - und die Spur führt letztlich zum Bezoar, einem geheimnisumwitterten, kostbaren Stein.

Wenn ein emeritierter Universitätsprofessor der Geschichte zugleich Krimi-Fan ist und selbst einen solchen verfasst, so entsteht zwangsläufig eine Mischform aus historischer Faktenbeschreibung und Fiktion. Diesen Spagat erklärt das Ehepaar Vocelka zum Abschluss des Buchs in einem Nachwort unter dem Motto "Eine Reise zwischen historischer Realität und schöpferischem Schreiben".

(S E R V I C E - Michaela und Karl Vocelka: "Der Bezoar. Ein Kriminalfall am Hof Rudolfs II.", Ueberreuter-Verlag, 280 Seiten, 18,00 Euro, E-Book 9,99 Euro)

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