"What a Feeling": Zwischen Kulturen und Konventionen

Peters spielt die von ihrem Mann verlassene Ärztin Marie Theres
Eine frisch von ihrem Mann verlassene Ärztin trifft auf eine promiskuitive lesbische Iranerin: Mit "What A Feeling" legt die österreichische Regisseurin Kat Rohrer eine Komödie vor, in der das scheinbar in geordneten Verhältnissen dahingleitende Leben einer Wiener Upper-Class-Familie gehörig durcheinandergewirbelt und kulturelle Unterschiede aus anderen Blickwinkeln beleuchtet werden. Am Freitag startet der Film in den heimischen Kinos.

Es könnte so schön sein: Beide haben gute Jobs, die Tochter wird gerade erwachsen und abends trifft man sich mit Freunden im Nobelrestaurant. Doch für Marie Theres (Caroline Peters) verändert sich alles, als ihr Mann nach einem Retreat im Wald beschließt, nicht nur seinen Job in einer Kanzlei hinzuschmeißen, sondern auch seine Frau zu verlassen. Aus allen Wolken gefallen gibt sich Marie Theres dem Weißwein hin und landet zu später Stunde in einer Lesbenbar, in der sie auf die selbstbewusste Fa (Proschat Madani) trifft. Wie (und mit wem) sie nach Hause gekommen ist, weiß sie am nächsten Tag bei ihrem Dienstantritt im Krankenhaus nicht mehr - bis ihr dort ausgerechnet Fa über den Weg läuft, die ihre aus dem Iran stammende Mutter nach einem Schwächeanfall dort behandeln lässt.

Die Anziehung zwischen der Ärztin und der Tischlerin, die parallel mehrere Affären mit Frauen führt und immer dann davonläuft, wenn es ernst zu werden droht, ist von Anfang an zu spüren. Doch zunächst kämpfen beide - wenn auch aus unterschiedlichen Gründen - dagegen an. Parallel spannt Kat Rohrer das jeweilige kulturelle Umfeld der beiden Frauen auf: Während Marie Theres mit ihren kichernden, betont hetero gepolten Freundinnen im Luxus-Spa in der Moorwanne sitzt, sorgen sich Fa und ihre Geschwister um ihre Mutter, die mit den Kindern in den 1970er Jahren alleinerziehend nach Wien gekommen ist und die bei Familienfeiern krampfhaft versucht, ihre Tochter mit einem Mann zu verkuppeln. Denn dass Fa auf Frauen steht, hat die sonst so selbstbewusste Frau ihrer Mutter verheimlicht.

Was folgt, ist ein liebevolles Porträt zweier Frauen in ihren beginnenden 50ern, die ihren Fokus jeweils noch einmal gehörig verschieben. Dank der Chemie zwischen Peters und Madani gelingt es, die inneren Konflikte der beiden sichtbar zu machen - peinliche Tanzeinlagen im Club und erotische Begegnungen inklusive. Bis in die Nebenrollen hinein zeichnet Rohrer ein Abbild zweier Welten, die nur selten aufeinandertreffen: Der MeToo-anfällige Oberarzt (Joseph Lorenz), die biestige Krankenschwester (Petra Morzé) und der von der Midlife-Crisis gebeutelte Ehemann (Heikko Deutschmann) auf der einen Seite, die migrantische Großfamilie (u.a. Anton Noori als bäriger Bruder und Nicole Ansari-Cox als unnahbare Schwester) samt unausgesprochener Tabus auf der anderen Seite.

Im Gewand der Komödie erzählt die Regisseurin dabei auch von den Herausforderungen der Integration und der Überwindung kultureller wie sozialer Unterschiede. Und so ist "What a Feeling" ein sehenswerter Film, der durchaus dazu geeignet scheint, über eigene Vorstellungen und Vorurteile nachzudenken.

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