Dating-Burnout: Deshalb habe ich meine Apps gelöscht

Kinga Cichewicz / Unsplash

Keinen Bock auf Liebe: Hilfe, ich habe ein Dating-Burnout!

Keine Lust mehr auf Swipen und Verabredungen. Ich hab die Nase voll. Könnte das an einem Dating-Burnout liegen?

"Here we go again", murmle ich, während ich meine Sneakers anziehe. Ein letzter Blick in den Spiegel, meine Tasche ist gepackt, der Treffpunkt ausgemacht. Es ist mein zweites Date in einer Woche – der Klassiker: "Was trinken gehen".

"Mal sehen, wer wen diesmal abserviert", texte ich meinem besten Freund, der aufgeregter ist als ich, weil ich auf ein Date gehe. Wobei "Date" auch eine Fehlbezeichnung ist. Nachdem ich über eineinhalb Jahre lang auf Dating-Apps unterwegs war, habe ich aufgehört, meine Treffen mit potenziellen Partnern als solche zu bezeichnen. Ich denke, dass ich mir damit selbst den "Druck" herausnehmen wollte, doch hat es mir wirklich was gebracht? 

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Unkontrolliertes Swipen war mein Overkill

Kurze Zeit später sitze mitsamt Aperol mit meinem Match J. in einer Bar und merke noch nach einer Stunde: "Des vibet ned". Ich beende nach einer Stunde das Treffen wieder – es war nett, wie viele andere Verabredungen zuvor, doch das war's auch schon. 

Daten war in letzter Zeit mehr ein Hobby für mich statt ein aufregendes Ereignis und es ist alarmierend, so etwas zu behaupten. Auf Verabredungen zu gehen, sollte eigentlich Spaß machen, man sollte aufgeregt und nervös sein, bevor man eine neue Person trifft und sie kennenlernt. Und obwohl ich meine FreundInnen mit meinen Storys immer sehr unterhalte, habe ich von dieser Euphorie in letzter Zeit einfach nichts mehr gespürt. 

Ich habe jedes Mal versucht, mich bei den Treffen absolut auf mein Match zu konzentrieren, ihm eine Chance zu geben und mich darauf einzulassen. Doch häufig war es oftmals ein Fehlgriff, der von beiden Seiten so wahrgenommen wurde. Durch die Übersättigung des Dating-Marktes ist es unglaublich schwierig, interessant zu bleiben. Dass man plötzlich als Match gelöscht wird oder nach nur einem Date nie wieder etwas vom Gegenüber hört, ist leider Usus. 

Daten auf dem Fließband war die Devise, denn wer nicht sofort überzeugt, wird abserviert.

Ein Match auf den Apps zu bekommen, war für mich schon schwer genug – denn das unkontrollierte Swipen hat bei mir Überhand gewonnen. Ein Match musste für mich das "Gewisse etwas" haben, das mir sofort ins Auge springt. Was unfair ist. Denn ein paar Sekunden sind einfach nicht genug, um jemanden zu überzeugen oder genug von sich selbst preiszugeben. 

Ich denke, dass ich oft potenzielle Partner nach links gewischt (also abgelehnt) habe, die es vermutlich absolut wert gewesen wären, sie kennenzulernen. Doch durch die Nutzung von mehrere Dating-Apps und der dadurch einkehrenden "Betriebsblindheit" habe ich manchmal wild herumgewischt, ohne mir die Profile der Singles wirklich anzusehen. 

Dabei sollte eines klar sein: NutzerInnen auf Dating-Apps sind so viel mehr als nur ein paar Fotos und Floskeln in ihren Online-Profilen.

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Leide ich unter Dating-Burnout? 

Swipen wurde zur Routine, Texten zu einer Bürde und viele Dates führten von einer Ernüchterung zur nächsten. Also fasste ich mir endlich ein Herz und löschte sämtliche Apps von meinem Handy. Anfangs dachte ich mir, dass mir die Anwendungen fehlen werden, doch bereits nach einem Tag merkte ich, dass es mir einen gewissen Ballast genommen hatte. Ich habe nicht mehr das Bedürfnis, herumzuswipen, inhaltslose Floskeln zu texten oder Verabredungen auszumachen. 

Doch obwohl ich nun frei von Dating-Apps bin, fühle ich mich unglaublich müde. Habe ich etwa einen Dating-Burnout? 

Das Phänomen ist weiter verbreitet als gedacht, die Dating-App Bumble hat sogar die Option, dass man sein Profil kurzzeitig "pausiert", wenn man von einem Dating-Burnout betroffen ist. Die Frustration, keine/n potenzielle/n ParnterIn zu finden, kann auf Dauer sehr demotivierend und enttäuschend sein.

Ein (Dating-)Burnout äußert sich laut "Metro" nicht nur körperlich, sondern auch geistig. Man fühlt sich gereizt, gestresst und ausgelaugt. Das kann auch durch die übermäßige Nutzung von Apps herbeigeführt werden. 

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Laut der Arbeits- und Mental-Health-Expertin Paula Allen könnten folgende Anzeichen darauf hindeuten, dass du in ein "Dating-Burnout" schlitterst: 

  • Du fühlst dich ständig müde, egal wie viel du schläfst
  • Du denkst und sprichst zynisch über dein Liebesleben (und über dich selbst)
  • Du bist ungeduldig (beispielsweise in Bezug auf deine Matches, Dates oder Erwartungen)
  • Du vergisst häufig Dinge
  • Du hast eine negative Einstellung 
  • Selbst kleine Entscheidungen überfordern dich 
  • Du kannst dich nicht richtig entspannen

Wer sich laut der Expertin so bei seinen Verabredungen fühlt, sollte über sein Dating-Verhalten nachdenken. "Erwartungen sind die Wurzel aller Frustrationen. Wenn du also flexibel an Verabredungen herangehen kannst, wirst du erfolgreicher sein", erklärte Allen, die gegenüber "Metro" betonte, dass man seine Grenzen kennen sollte. "Du musst die PartnerInnensuche nicht zu einem Job machen. Wenn du weißt, dass es dir Spaß macht, die App für kürzere Zeiträume zu nutzen, dann nimm dir 15 Minuten pro Tag und hör danach wieder auf."

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Dating-Pause ... und nun? 

Nachdem einige Anzeichen des Dating-Burnouts auf mich zutreffen, bin ich mir sicher, dass ich mit der Löschung der Liebes-Apps den richtigen Schritt getan habe. Denn es ist nicht nur mir selbst, sondern auch meinen Matches gegenüber unfair, wenn ich nicht ganz bei der Sache bin. Ich gröhle "Me, Myself and I" zum 32 Mal bei einem Glas Rosé in meiner Küche und frage mich: "Was mache ich jetzt?"

Dating nimmt mehr Zeit in Anspruch, als man glaubt und ohne stetiges Swipen oder Bereitmachen für Verabredungen hat man doch tatsächlich die Möglichkeit, einige andere Dinge zu tun. Life-Coach Carmen Parks verriet gegenüber "Bustle", dass man die "gewonnene" Zeit für neue Aktivitäten nutzen kann.

Die Expertin rät: 

  • Lerne jeden Tag etwas Neues
  • Führ dich selbst auf ein (Dinner-)Date aus
  • Meditiere
  • Etabliere eine neue Morgenroutine 
  • Verreise allein oder mit einem/einer FreundIn 

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Für immer Single? 

Im Endeffekt muss ich mir eingestehen, dass es nichts Verwerfliches ist, Single und "inaktiv" zu sein. Ich muss mich nicht zu Dates schleppen, nur weil ich allein bin (wohlgemerkt: allein bedeutet nicht automatisch "einsam"!). Und es ist auch vollkommen okay, wenn ich im Moment keine Lust darauf habe. Ich werde mich jetzt einfach auf mich selbst konzentrieren, mich selbst zu Verabredungen ausführen und die coolste Gentlewoman sein, die es gibt. 

Ich will besonders Online-Dating nicht in den Dreck ziehen, weil es viele Möglichkeiten schafft, Menschen außerhalb der gewohnten sozialen "Bubble" kennenzulernen. Und einige Verabredungen, die ich hatte, möchte ich einfach nicht missen. Dennoch ist das Gefühl des "Austauschbarseins" nicht gerade angenehm und so wundert es mich nicht, dass man nach einiger Zeit einfach "abstumpft". 

Ich bin mir sicher, dass wir alle eine/n Seelenverwandte da draußen haben und früher oder später werden wir ihn/sie auch finden. Man sollte dabei vor allem eines nicht vergessen: eine Liebesbeziehung ist definitiv eine Bereicherung, aber keine Notwendigkeit!

Wer weiß, vielleicht werde ich in Zukunft wirklich im Real Life jemanden kennenlernen. Möglicherweise sollte ich auch einfach mal den süßen IT-Typen in meinem Büro ansprechen ... ganz ohne Bildschirm vor meiner Nase. 

Wer Selbstmordgedanken hat oder an Depressionen leidet, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits ein einzelnes Gespräch. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich rund um die Uhr kostenlos unter der Rufnummer 142 an die Telefonseelsorge wenden. Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt ÄrztInnen, Beratungsstellen oder Kliniken. www.suizid-praevention.gv.at