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Romantischer "Dry Spell": Lange Zeit nicht daten, na und?

Du möchtest einfach nicht mehr daten, egal, wie lange oder kurz diese Phase sein mag? Normalisieren wir romantische "Dry Spells"!

Und, was tut sich so in der Liebe? Eine unverfängliche Frage, die manche vielleicht aber triggern könnte. Ist man mit seinem Beziehungsstatus nämlich unglücklich, verdeutlicht dies ein "Manko", das man laut Gesellschaft dringend ausgleichen sollte. Denn wer sich ein oder mehrere Jahre vom Dating-Markt fernhält, der verstaubt, oder? Weshalb wird es als ungewöhnlich angesehen, sich komplett aus der Partnersuche zurückzuziehen?

Eventuell ist es nämlich sogar förderlich, gar keinen Beziehungsstatus zu haben und sich auch nicht mit der Frage danach auseinanderzusetzen – also die gesellschaftliche Ansprüche gekonnt zu ignorieren und einen sogenannten "Dry Spell" zu genießen.

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Was bedeutet "Dry Spell"

Wie das "Cambridge Dictionary" definiert, ist ein sogenannter "Dry Spell" eine Trockenphase, also eine Zeit, in der wenig Aktivität herrscht. "Urban Dictionary" erklärt die popkulturelle Bedeutung des Begriffs: "Eine Periode, die üblicherweise länger als kürzer dauert, in der man ohne etwas auskommt. Sei es Sex, Drogen, etc." Ein romantischer "Dry Spell" ist demnach die Abstinenz von allem, was mit Beziehungen, Flirten oder erotischen Gefühlen zu tun hat.

Frage nach dem Beziehungsstatus

Speziell junge Frauen werden auch im Jahr 2022 noch immer gerne nach dem eigenen Beziehungsstatus befragt. Nicht nur Familie, sondern auch entfernte Bekannte und FreundInnen interessieren sich dafür, in welcher Relation sie zu einem/einer potenziellen PartnerIn stehen. Schließlich gibt es in unserer Gesellschaft wenige Frauenbilder, die komplett losgelöst von Männern definiert werden – in der Vergangenheit stand die Frau, oft in einem (finanziellen) Abhängigkeitsverhältnis zum Mann, wie etwa der "Kurier" schreibt. Das berühmteste Bild, das entkoppelt vom Mann existiert, ist vielleicht der Archetyp der Hexe. Doch auch diese wurde schlussendlich ob ihrer Kraft und potenziellen Bedrohlichkeit verfolgt. Eine Frau, die an ihrer Seite kein/e PartnerIn hat? Fast undenkbar!

Billie Eilish singt in ihrem Song "Future" etwa: "Ich weiß, ich bin jetzt angeblich einsam. Ich weiß, ich bin jetzt angeblich unglücklich. Ohne jemanden. Aber bin ich nicht auch jemand?"

Ich bin auch jemand

Wäre es nicht sinnvoll, den üblichen Beziehungsstatus wie verheiratet, Single, in einer Beziehung, um einen Status zu erweitern? Nämlich: sologamisch. Was laut "SN" bedeutet, dass man mit sich selbst in einer glücklichen Beziehung ist. Oder vielleicht lautet die Antwort auch einfach: Gar kein Status! Man muss sich dazu auch nicht erst selbst heiraten, wie die Influencerin Cris Galêra, damit es zählt. Was laut den "Salzburger Nachrichten" 2017 ein Trend war, könnte irgendwann so weit in der Mitte der Gesellschaft ankommen, dass niemand mehr danach fragt, wie die PartnerInnensuche läuft. Weil es einfach egal ist, ob und welche Beziehung man führt.

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Femcel und Granny-Core

Wer sich aktiv gegen Dating entscheidet, lebt eventuell ein wenig zurückgezogener. Oder, wie unsere Autorin hier beschreibt, kann sich selbst Zeit nehmen, um vergangene Beziehungen aufzuarbeiten. In Folge verschwendet man auch weniger Kraft, hinter vermeintlich schillernden Subjekten herzulaufen.

Zwei popkulturelle Begriffe kommen uns rund um romantische "Dry Spells" in den Sinn: Femcels und Granny-Core. "Femcels" sind, wie berichtet, Frauen, die sich wie das männliche Pendant "Incels" in einem unfreiwilligen Zölibat befinden. Jedoch gibt es dabei auch die Abspaltung von Frauen, die sich aus vollster Überzeugung von PartnerInnen fernhalten. Also lieber zuhause in ihrem (unaufgeräumten) Zimmer bleiben und jeglicher Romantik entsagen. Granny-Core wiederum ist eher eine Ästhetik, die sich laut "aesthetics" mit dem Großmutter-Lifestyle auseinandersetzt: Gemütlich Tee trinken, stricken und zum Kaffeeklatsch mit FreundInnen? Gerne!

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Phase oder Lifestyle?

Aber sind diese willentlichen, romantischen "Dry Spells" nur Phasen, oder ist man doch irgendwann wieder bereit für eine Beziehung? Weisen lange Abschnitte des Single-Daseins darauf hin, dass man sich aus Angst vor Verletzung emotional verschließt? Laut "Psychologie Heute" kommt das vor allem bei bindungsängstlichen und bindungsvermeidenden Menschen häufig vor.

Was einem selbst gut tut, ist manchmal schwer zu erkennen. Sogenannte Selbsterkenntnis ist laut "Spektrum" die Voraussetzung für Identität: "In der Psychologie ist Selbsterkenntnis ein genuines, zentrales Anliegen (...) mit dem Ziel, Antworten auf die Fragen zu bekommen: Wie bin ich? Wer bin ich?"

Ist man also massive/r Tinder-NutzerIn, weil es einem tatsächlich Spaß macht? Oder, weil man sich lieber von einer inneren Leere ablenken will? Umgekehrt: Halte ich mir Romantik vom Leib, um mich selbst zu schützen?

Die Antwort lautet: Intuition

Nach einer Studie, veröffentlicht in der "Wirtschaftswoche", vertrauen 30 Prozent hochrangiger ManagerInnen voll auf ihre Intuition, wenn es um wirklich wichtige Unternehmensentscheidungen geht. Deshalb ist es bestimmt keine schlechte Idee, die eigene innere Stimme zu stärken, um zu hören, was sie spricht. Romantische Entscheidungen, die mit der Intuition im Einklang sind, wirken vielleicht nachhaltiger als impulsive Handlungen aus gekränktem Ego. Aber wie findet man den Draht zur inneren Stimme?

Die Self-Learning Plattform "Skillshare" hat dafür einige Tipps zusammengetragen:

  • Meditation: Den Lärm des Alltags wegschieben und die innere Stimme verstehen.
  • Instinkten folgen: Das nagende Bauchgefühl nicht ignorieren, sondern danach handeln
  • Mehr Zeit in der Natur verbringen: Fernab von Stress kommt die Intuition hervor
  • Tagebuch schreiben: sogenanntes "Journaling" hilft dabei, Dinge aufs Papier zu bringen, die uns noch nicht bewusst sind.

Mit diesen Tipps lernt man sich selbst vielleicht besser kennen und weiß auch, ob man eine romantische Pause braucht, oder bereit ist, wieder in die Vollen zu gehen. Bis dahin, normalisieren wir bitte persönliche Entscheidungen rund um Beziehungsdefinitionen und kümmern uns lieber um unser eigenes Glück. Denn dessen SchmiedIn sind wir ja bekanntlich selbst.