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Romance Gap: Wie gleichberechtigt ist das Daten wirklich?

Die Romance Gap: Inwiefern ist Dating gleichberechtigt? Diese Klischees hindern uns daran, aufrichtig zu daten.

Auf so vielen Ebenen streben wir eine Gleichberechtigung von Frau und Mann an: egal, ob es um die Bezahlung im Job oder den Schutz vor (sexualisierter) Gewalt geht. Angelehnt an den Gender Pay Gap, die auf die Lücken in der Gleichberechtigung von Mann und Frau bei der Bezahlung hinweist, hat die Online-Dating-Plattform Bumble eine Umfrage zur Romance Gap durchgeführt.

Dabei hat das Unternehmen festgestellt, dass wir ebenso wie in anderen Bereichen, auch beim Daten noch einen weiten Weg vor uns haben, bis wir dort veraltetes Denken zurückgelassen haben und uns wahrlich gleichberechtigt begegnen können.

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Was ist die Romance Gap? 

Bumble definiert die Romance Gap folgenermaßen: "Die Ungleichheit der Erwartungen an das Verhalten der verschiedenen Geschlechter im Dating und in Beziehungen." 

Warum ist es überhaupt notwendig die Romance Gap zu untersuchen? "Wie die Gender Pay Gap oder das Ungleichgewicht bei der Inanspruchnahme von Elternzeit hat der Romance Gap enorme Auswirkungen, denn Dating und Beziehungen sind ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Während sich im beruflichen Umfeld schon einiges getan hat, werden geschlechtsspezifische Dynamiken beim Daten und in Beziehungen weiterhin nicht nur hingenommen, sondern sogar erwartet", so Bumble zu den Hintergründen der Studie. 

Die Umfrage wurde 2022 von YouGov, einem britischen Markt- und Meinungsforschungsinstituts, in mehreren Europäischen Ländern (Deutschland, Niederlande, Irland, Frankreich, Großbritannien) durchgeführt. Insgesamt nahmen an 6770 Erwachsene daran teil. Die Zahlen können als repräsentativ für das jeweilige Land angesehen werden. 

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1. Klischee: Der Mann soll mehr verdienen als die Frau 

Beim Dating nehmen viele Beteiligte, wohl durch die Gesellschaft, an, dass vom Mann erwartet wird, dass er mehr verdienen muss als die Frau – obwohl sie selbst gar nicht unbedingt diese Erwartungshaltung an ihren Partner haben. Laut der Umfrage glauben nur 5 %, dass von Frauen erwartet wird, mehr zu verdienen. 

2. Klischee: Der Mann muss die Initiative ergreifen 

Da fängt es ja schon an: Bereits gleich zu Beginn werden höhere Erwartungen an den Mann gestellt, denn er ist natürlich derjenige der den ersten Schritt macht. Egal, ob es um das Fragen nach einem Date, den ersten Kuss oder das Anschreiben beim Online-Dating geht. Außerdem: Wie oft habt ihr es schon erlebt, dass eine Frau einen Mann auf der Straße angesprochen hat? Wohl eher weniger. 

Auch die Ergebnisse der Studie belegen das, dass beim Dating die PartnerInnen unterschiedliche Erwartungshaltungen bezüglich des ersten Schritts haben:  

  • 52 % der Befragten geben an, von Männern zu erwarten, dass sie die Initiative ergreifen.
  • Nur 8 % erwarten das von einer Frau.

Der Punkt, dass Männer die Initiative ergreifen sollen, ist vor allem verwirrend, wenn man beachtet, dass diese wiederum keine Gefühle zeigen sollen, wie Klischee Nummer Drei zeigt.

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3. Klischee: Männer dürfen keine Gefühle zeigen 

Wir sind uns wohl alle einig, dass Gefühle ein schwieriges Thema in der Gesellschaft, gerade bei Männern, sind. Da ist es kein Wunder, dass sie auch beim Dating kontrovers diskutiert werden, denn niemand will verletzt werden oder zu viele oder zu wenige Emotionen zeigen. Es ist eine schmale Gratwanderung. Doch muss es so sein? 

  • Unter den Datenden gilt:

    • 44% bestätigen, dass Frauen beim Daten vermeiden sollten, verzweifelt zu wirken.

    • 30 % der Befragten geben an, dass Männer nicht zu interessiert, anhänglich oder verzweifelt erscheinen sollten. 

  • Der gesellschaftliche Druck macht sich aber auch bemerkbar: 29% der Befragten geben weiters an, dass die Gesellschaft von Männern erwartet, beim Daten oder in einer Beziehung so zu wirken, als wäre ihnen das alles nicht wichtig.

Nochmal zurück zum Widerspruch für Männer: Sie dürfen einerseits nicht zu viel Interesse oder Gefühle zeigen. Andererseits sollen sie aber sehr wohl den ersten Schritt machen, was dann ja wiederum Interesse suggeriert. Kommt ihr noch mit? 

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Gravierende Auswirkungen auf das Dating 

Welche Auswirkungen haben die verschiedenen Geschlechterrollen auf unser Dating-Leben? Die oben genannten Klischees führen dazu, dass man nicht man selbst ist, sondern eine Rolle spielt, man unterschiedliche Erwartungen an die Geschlechter hat und das Dating-Leben dadurch nicht gleichberechtigt ist. 

  • Etwa die Hälfte (52 %) der Befragten geben an, dass geschlechtsspezifische Rollen unser Verhalten so beeinflussen, sodass wir uns verstellen. 
  • 33 % der Frauen haben bereits ihr Verhalten angepasst, damit sich das Gegenüber bei einem Date oder in einer Beziehung überlegen oder wohler fühlt. 
  • Fast die Hälfte der Befragten (47 %) gibt an, dass die Geschlechterrollen und entsprechende Verhaltensmuster das Daten und romantische Beziehungen schwieriger und anstrengender machen.
  • 47% sind der Ansicht, dass es durch die Geschlechterrollen schwieriger ist, gleichberechtigte Beziehungen aufzubauen.
  • 74% geben an, dass es in romantischen Beziehungen generell noch immer unterschiedliche Erwartungen und erwartete Verhaltensweisen gibt, die vom Geschlecht abhängen.