Hand, Waschmaschine oder Zahnbürste? Erstes Mal Selbstbefriedigung

Erstes Mal Masturbation: Erfahrungen mit Selbstbefriedigung
ungeniert
Die "Ungeniert"-Autor:innen schreiben über ihre ersten Onanier-Erfahrungen – und wie sie bis heute mit Scham und Schuldgefühlen kämpfen.

Um das Thema Sex und Lust zu enttabuisieren, haben wir das neue Format "ungeniert  Lippenbekenntnisse der Redaktion" ins Leben gerufen. Dieses soll einen informativen 'Safe Space' zur Aufklärung bieten. Es erscheint zweimal monatlich auf k.at.

Masturbationsunfall durch elektrische Zahnbürste

Meine ersten Erfahrungen mit dem Erkunden meiner Geschlechtsteile starteten früh. Ich weiß nur, dass ich noch in der Grundschule war, als ich mich beim Besuch einer Schulfreundin in ihrem Zimmer untenrum entkleidete. Sie tat es ebenso. Zu ihrer Barbie-Ausstattung zählte auch eine Art Zauberstab, auf dessen Kopf eine pinke Rosenblüte aus Plastik thronte. Meine Freundin griff den kleinen Stab und wir rieben die Rose abwechselnd bei der jeweils anderen am Kitzler. Eh ganz normal, oder?

Die "richtige" Selbstbefriedigung inklusive Orgasmen ließ auch nicht lange auf sich warten. Ich schätze mal, ich war etwa elf Jahre alt, als ich Hand an meiner Vulva anlegte und wild herumwischte. Schnell wurde mir klar: Da muss noch mehr gehen! Denn meine Finger wurden rasch müde und der erhoffte Höhepunkt trat erst nach längerer Rubbelei ein. Das war mir echt zu mühsam. Da mir zu dieser Zeit Vibratoren oder Dildos noch nicht wirklich ein Begriff waren, musste ich kreativ werden.

Was bewegt sich schnell, kann man easy ein- und ausschalten und lässt aufgrund des vertrauten Geräusches etwas Harmloses vermuten? Richtig, eine elektrische Zahnbürste. Und weil ich den Bürstenkopf nicht direkt an meine Klitoris halten wollte – wäre ja doch etwas unhygienisch gewesen, hätte ich mir am Abend damit wieder die Zähne geputzt – nahm ich den Aufsatz ab und hielt mir direkt den dünnen Metallstiel an meine Perle. Klingt dumm und schmerzhaft. War es leider auch. Oft befand ich dermaßen in Ekstase, dass ich erst nach der Masturbation bemerkt habe, dass ich am Kitzler blutete. Autsch!

Das erste Mal auf Tuchfühlung gehen

Etwa mit zwölf oder dreizehn Jahren verspürte ich zum ersten Mal ein angenehmes Gefühl, als mein Genitalbereich unbeabsichtigt heftiger Reibung ausgesetzt war. Ich war schon immer sehr neugierig, jedoch war diese Zone, und alles was darin nicht mit der Verdauung zu tun hatte, tabu. Es wurde in unserer Familie nie auch nur ein Wort darüber verloren, jedoch wusste man schon das eine oder andere von den älteren Freund:innen. Jedenfalls sollte meine Reise auf der Suche nach meiner sexuellen Identität hier beginnen.

Es ist schon ein komisches Gefühl gewesen, dieser erste Orgasmus. Die begrenze Privatsphäre, wenn man sich ein Zimmer teilt, lässt nicht viele Optionen zum Onanieren. Wenn es jedoch welche gab, habe ich diese voll ausgenutzt. Die ersten Male waren eine neue Welt, die sich mir eröffnete, eine sexuelle Safari eben. Ich weiß noch genau, dass ich beim ersten Mal voller Scham war, weil ich dachte Sexualität und Lust sind etwas Falsches, Verbotenes oder Sündhaftes.

Jedoch merkte ich auch relativ bald, dass hier ein relativ hohes Suchtpotenzial herrscht. Befriedigung und Ekstase – auf Knopfdruck? Gefährlich. Für jemanden in jungen Jahren ein Ventil, um Frust abzulassen, vielleicht aber auch um sich besser kennenzulernen. Viele sexuelle Vorlieben, die sich in der Anfangszeit manifestierten, sind bis heute noch vorhanden und stellen irgendwo wahrscheinlich auch das dar, was ich in meinen Partner:innen suche.

Orgasmen im Schleudergang

Als ich das erste Mal so lange in meinem Intimbereich "herum massierte", war ich circa zehn oder elf Jahre alt. Ich kann mich erinnern, dass ich dabei immer ein extrem schlechtes Gewissen hatte und ich mir immer wieder geschworen hatte, dass ich damit aufhören werde und "das gute Gefühl" einfach vergessen muss. Erst Jahre später wurde mir klar, dass dieses Feeling ein Orgasmus war. 

Trotz meiner Gewissensbisse war meine Neugier und das Verlangen nach dem nächsten "High" viel zu groß, um damit aufzuhören. Ich kann mich erinnern, dass ich mich auch besonders gern auf die laufende Waschmaschine gesetzt hatte, um meine Lust zu stillen. Ich hatte dabei jedoch gar keine Ahnung, dass ich mich in dem Moment selbst befriedige. 

Knapp 20 Jahre später muss ich immer noch lachen, wenn ich daran zurückdenke – das erklärt nun auch, warum ich mir Sex auf der Waschmaschine im Schleudergang immer so geil vorgestellt hatte, weil ich es mit meinem ersten sexuellen "Awakening" verbinde. Dies steht bis dato noch auf meiner Sex-Bucket-List. 

Eines ist jedoch klar: Das schlechte Gewissen war absolut umsonst. Heute genieße ich das "gute Gefühl" nach jeder Masturbationssession und lieg danach häufig kichernd im Bett. 

Scham und gesellschaftliche Programmierung

Wenn ich daran denke, wie ich vor vielen, vielen Jahren Masturbation für mich entdeckt habe, erinnere ich mich vor allem an Scham. Was für mich mit Kissen und Reibung passierte, musste immer streng geheimgehalten werden. Ich war gesellschaftlich so stark programmiert, dass ich das alles als etwas Negatives und "Schmutziges" ansah – also etwas, das man vertuschen und am besten erst gar nicht praktizieren sollte. Und so kam es dann auch: Nach einigen positiven orgasmischen Erfahrungen hörte ich aus Scham komplett auf mich selbst zu befriedigen und legte jahrelang keine Hand mehr an.

Erst als erwachsene Frau habe ich mich eingehend damit beschäftigt, dass Masturbation  auch ein Akt der Selbstliebe ist, der Platz in meinem Leben einnehmen sollte und enttabuisiert werden muss. Ich merke, wie schwerwiegend die soziale Programmierung auf mich eingewirkt hat – selbst beim Schreiben dieser Zeilen treibt es mir die Schamesröte ins Gesicht. Ich habe wohl noch einen längeren Weg vor mir, bis ich mich mit diesem Thema und mir selbst versöhnt habe.

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