Pornos schauen in Beziehung? Vorsicht vor negativen Auswirkungen!

Pornos schauen, wenn man in einer Beziehung ist: Welche Auswirkungen hat das?
Pornos schauen, wenn man in einer Beziehung ist? Wieso nicht, oder? Doch Studien warnen vor möglichen negativen Auswirkungen.

Heutzutage sind Pornofilme nur einen Klick entfernt. Frei zugängliche, kostenlose Plattformen bieten visuelle Reize für sämtliche Fantasien und Fetische. Auf etlichen Internetseiten kann sich der Appetit geholt und der "sexuelle Hunger" gestillt werden. Die einen machen's als Single, die anderen gemeinsam mit dem/der Partner:in, und manche machen's heimlich, wenn sie in einer Beziehung sind: Pornos schauen.

Doch welche Auswirkungen hat der Pornokonsum auf die Qualität der Beziehung? Das haben Studien näher beleuchtet und überraschende Ergebnisse geliefert. 

Pornos schaden Beziehung

Für die Studie befragte ein Forscher:innenteam an der Brigham Young University in Utah 3.500 US-Amerikaner:innen zum Thema Pornokonsum. Dabei wurden die Pornos in die beiden Kategorien "Mainstream" sowie "aggressiv" eingeteilt. Es stellte sich heraus, dass das Schauen von pornografischem Material sowohl bei Männern als auch bei Frauen negative Auswirkungen auf die Partnerschaft haben kann, insbesondere die Beziehungsstabilität würde darunter leiden. Brian Willoughby, Mitautor der Studie, erklärt, dass religiöse Personen stärker betroffen sind, weil sie einen moralischen inneren Konflikt beim Pornokonsum haben können.

Anfänglich vermutete das Forscher:innenteam, dass vor allem aggressive Pornografie einen negativen Einfluss haben könnte, doch das wurde widerlegt: "Es ist nicht nur aggressive Pornografie, die zu negativen Ergebnissen führt. [...] Jeglicher Pornokonsum oder eine Zunahme der Pornografie war immer mit einer geringeren Stabilität und Zufriedenheit in der Beziehung verbunden", so Willoughby. In seinen Augen stellt der Konsum von Pornofilmen ein Risikofaktor für Partnerschaften dar. 

Zusammenhang von Unzufriedenheit und Pornokonsum

Ähnliche Auswirkungen konnten auch die US-amerikanischen Kommunikationsforscher Colin Hesse und Kory Floyd in einer Untersuchung, welche 2019 im "Journal of Social and Personal Relationships" veröffentlicht wurde, nachweisen. 357 Personen im Alter zwischen 20 und 73 Jahren, die in einer Partnerschaft leben, haben sie hierfür befragt. Durchschnittlich schauten die Befragten an 1,4 Tagen pro Woche Pornofilme. Und wie sich herausstellte, standen Pornokonsum und Unzufriedenheit in der Beziehung in engem Zusammenhang. Zudem gab es Hinweise darauf, dass das Schauen von Pornos als eine Art Ersatz für mangelnde Zuneigung genutzt werden kann. 

Die Dosis macht das Gift

Dass dies aber nicht einfach so pauschalisiert werden kann, bestätigen zwei Experten. Der deutsche Paartherapeut Rüdiger Wacker erklärt gegenüber "Welt", dass zwar Unzufriedenheit in der Partnerschaft dazu führen kann, diese mit dem Schauen von Erotikfilmen kompensieren zu wollen, und Pornokonsum deutlich machen kann, was einem in der Beziehung fehlt, jedoch können Sexstreifen auch einen positiven Einfluss auf das gemeinsame Liebesleben haben: "Die Dosis macht das Gift. Pornografie kann, wie viele Mittel, die in großer Menge süchtig machen, auch einfach nur als Stimulanz eingesetzt werden", betont Wacker. 

Auch der deutsche Sexualtherapeut Volker van den Boom weist auf die Ambivalenz des Pornokonsums hin. Im Interview mit "InStyle" erklärt er: "Pornos können das Aus für eine Beziehung bedeuten, die kleinen Filmchen können eine Partnerschaft allerdings auch beflügeln. Wichtig ist alleine die Kommunikation. Wenn beide Spaß an Pornos haben, dann kann das gemeinsame Porno-Schauen der Partnerschaft durchaus einen Kick geben."

Wir können festhalten: Pornokonsum in einer Partnerschaft ist nicht per se schlecht. Ist die Beziehung stabil und findet eine offene Kommunikation statt, so kann das Schauen von erotischen Filmen das Sexleben durchaus anheizen, sofern beide dem etwas abgewinnen können. 

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