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Sexismus bei Fahrstunden? Eine Fahrlehrerin gibt Tipps

Was tun bei unangenehmen Situationen in Fahrstunden? Und wieso ist der Beruf "Fahrlehrer" noch immer männlich konnotiert? Eine Fahrlehrerin im Interview.

Ich kann mich noch gut an meine allererste Fahrstunde erinnern – wohl auch, weil ich den Führerschein verhältnismäßig "spät" gemacht habe. Neben dem wohl üblichen Nervenflattern und Stress ist mir besonders eine Frage des Fahrlehrers in Erinnerung geblieben: "Na, dein Freund hat dir wohl noch nicht viel gezeigt?"

Wohl gemerkt hatte ich meinen Freund mit keinem Wort davor dem Lehrer gegenüber erwähnt, ich wäre nicht einmal auf die Idee gekommen. Meine schlagfertige Antwort auf seine Frage damals lautete: "Ähm ... nein." Ich hatte mir nicht viel bei seinem Kommentar gedacht. Wohl auch aufgrund bereits genannter Stresssituation als absolute Fahranfängerin.

Erst jetzt, lange Zeit später, denke ich mir, dass sein Sager in einer Fahrstunde eigentlich nichts verloren hatte. Und der Fahrlehrer damit vielleicht nur "abchecken" wollte, ob ich denn einen Freund habe.

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Bitte nicht falsch verstehen, ich will den Beruf des Fahrlehrers hier nicht unangenehm verallgemeinern. Ich habe bald darauf die Fahrschule schließlich gewechselt und einen wirklich netten und einfühlsamen neuen Lehrer bekommen, mit dem ich gerne meine Stunden gemacht habe.

Eine Wiener Fahrlehrerin im Gespräch

Aber solche Geschichten wie die meine kommen noch immer vor. Ich habe mich mit Fahrlehrerin Barbara Schwara, Inhaberin der Fahrschule Michelbeuern, über das Thema unterhalten. Wir sprachen über Mängel in der FahrlehrerInnen-Ausbilung, warum der Beruf noch immer so "männlich" konnotiert ist, was man in solchen unangenehmen Situationen tun kann und was den Beruf für sie schön und erfüllend macht.

Ihre Fahrschule ist auf "WiedereinsteigerInnen" spezialisiert, die sich unter anderem nach "traumatischen Erfahrungen" nicht mehr fahren trauen. Von welcher Art von Erfahrungen sprechen wir hier?

WiedereinsteigerInnen sind Leute, die den Führerschein zwar gemacht haben, aber danach lange nicht mehr gefahren sind. Traumatische Erfahrungen können zum Beispiel Unfälle gewesen sein. Ich hatte mal eine Person in der Fahrschule, die auf der Autobahn von einem Lkw angefahren wurde. Eine andere Person wiederum litt an Burn-Out und hat regelrechte Panikattacken beim Autofahren bekommen. Wir versuchen, das Vertrauen neu zu schaffen und die Angst zu nehmen.

Sind eher Männer oder Frauen solche WiedereinsteigerInnen, oder ganz gemischt?

Es sind vor allem Frauen.

Woran könnte das liegen?

Ich glaube, dass Männer tendenziell doch risikobereiter sind. Bei ihnen ist die Hemmschwelle geringer, auch nach langer Pause einfach mal ins Auto zu steigen und es zu probieren. Frauen sind oft vorsichtiger – was ja gut ist!

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Ihre Fahrschule hat ein Angebot namens "Drive & Relax" mit speziellen Entspannungstechniken – was genau ist das?

Ich bin auch Shiatsu-Praktikerin und biete diese spezielle Art der Massagetechnik auf Wunsch in Fahrstunden an. Und ja, auch dieses Angebot wird vor allem von Frauen genutzt. Meiner Erfahrung nach gehen Frauen eben eher zur Massage als Männer oder nutzen generell stärker Angebote für körperliches Wohlbefinden, wie Spa und Ähnliches.

Habt ihr sonst noch spezielle Kurse von Frauen für Frauen?

Wir würden es anbieten auf Nachfrage, das Bewusstsein dafür scheint aber noch nicht wirklich da zu sein. Gerade Jugendliche gehen in die Fahrschule und setzen sich eben einfach in den Kurs. Sie nehmen halt das, was da ist, weil sie es schnell hinter sich bringen wollen. Oft kommt erst im Nachhinein der Gedanke auf, dass man eigentlich gerne von Frauen unterrichtet worden wäre.

Die "männerdominierte Welt" ist gerade in Fahrschulen noch ein Thema, daher ist es für die meisten eben "ganz normal", dass sie mit einem männlichen Fahrlehrer fahren, denn das "gehört halt dazu". Dieses Bild ist noch sehr stark da.

Wie ist denn das Gefälle in Ihrer Schule, haben Sie auch mehr männliche Fahrlehrer?

Auch bei uns sind es mehr Männer. Es ist nach wie vor schwierig, Fahrlehrerinnen zu bekommen. Der "technische Aspekt" des Berufs scheint noch immer abzuschrecken.

Wie könnte man den Beruf für Frauen attraktiver machen?

Das machen wir mit diesem Interview gerade: An die Öffentlichkeit gehen und darüber sprechen! (lacht) Es ist leider in vielen Berufsgruppen nicht einfach. Auch das Thema Nachtfahrten macht es schwieriger: Wir müssen dafür später am Abend anfangen, im Sommer gehen diese Stunden sogar bis 22 Uhr. Gerade für Mütter ist das mühsam – wobei hier natürlich die Frage nach Gleichberichtigung in der Familie ins Spiel kommt. Fakt ist, dass es eben kein Job ist, der jeden Tag pünktlich um 16 Uhr aufhört.

Wir haben bei uns in der Redaktion Geschichten über unsere Fahrschulzeit ausgetauscht – und ein paar Kolleginnen haben leider doch von unangenehmen Situationen mit männlichen Fahrlehrern erzählt. Stichwort Sexismus und Machosprüche bei Fahrstunden – wie oft kommt so etwas heute noch vor?

Ich glaube, dass das leider immer wieder vorkommt. Womit wir wieder beim Thema "Bewusstsein" wären: Gerade Jugendliche denken über manche Situationen nicht weiter nach. Oft kommen sie erst Jahre später bei solchen Geschichten darauf, dass gewisse Dinge nicht in Ordnung waren. Gerade von Wiedereinsteigerinnen höre ich solche Berichte leider öfters. Während der Ausbildung jedoch kommen nur wenige wirklich auf die Fahrschulen zu, wenn es ein Problem gab – eben weil sie in dem Moment denken, das wäre "normal". Und erst später, wenn man vielleicht erwachsener geworden ist, fragt man sich: "Warum habe ich mir das gefallen lassen?"

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Was kann eine Fahrschülerin / ein Fahrschüler machen, wenn sie oder er sich in so einer unangenehmen Situation wiederfindet und etwas dagegen unternehmen möchte?

Gleich etwas sagen, am besten beim Büro der Fahrschule beziehungsweise direkt zur jeweiligen Leitung gehen. Dann wird man das zusammen klären müssen. Das Wichtigste ist, dass sie sich zu Wort melden, denn sonst kann man auch nichts tun.

Werden Fahrlehrer (speziell männliche) für den Umgang mit Frauen und gerade mit jungen Schülerinnen besonders geschult beziehungsweise mehr sensibilisiert als früher?

Leider nein. Dabei wäre das ein sehr wichtiges Thema. Es sind schließlich Lehrer, aber trotzdem gibt es sehr wenig pädagogische Inhalte in der Ausbildung. Auch die Frage der Diversität wird nicht behandelt. Dass hierbei ein Wandel geschieht, wäre wirklich wichtig. Leider wurde bislang nichts getan, damit sich etwas ändert.

Was ist für Sie persönlich das Schönste am Beruf der Fahrlehrerin?

Mir liegen besonders die WiedereinsteigerInnen am Herzen. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man ihnen die Sicherheit beim Fahren zurückgeben kann – und dafür auch ihre Dankbarkeit erfährt. Auch die vertraute Atmosphäre im Auto ist für mich etwas Schönes, man kann dabei eine starke Bindung aufbauen, was die Arbeit wirklich erfüllend machen kann.