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Frauenmorde in Österreich: Wann werden Frauen endlich geschützt?

Neun Femizide seit Beginn des Jahres: Österreich ist trauriger Spitzenreiter und dennoch scheint es, als würde zu wenig getan.

Im Jahr 2021 wurden bis Ende April insgesamt neun Frauen von ihren (Ex-)Partnern getötet – damit ist Österreich das einzige EU-Land, in dem es mehr weibliche als männliche Mordopfer gibt. In Medienberichten werden die Morde oft auch als Femizide bezeichnet, oftmals leider immer noch als “Beziehungsdrama” oder “Eifersuchtstat”, obwohl die Debatte um verharmlosende Begrifflichkeiten in diesem Zusammenhang seit Jahren tobt.

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Ende April entfachte ein Mord in Brigittenau die Debatte um das Thema aufs Neue – mutmaßlich begangen vom “Bierwirt”, was einem den Schreck noch tiefer in die Knochen fahren ließ, da die Öffentlichkeit wusste, dass besagter Mann in der Vergangenheit durch verbale Gewalt gegen Sigi Maurer aufgefallen war.

Aber es war eben “nur” verbale Gewalt, die immer noch viel zu oft verharmlost wird, obwohl sie nichts anderes ist, als ein Ausdruck verinnerlichten Frauenhasses, wie die Journalistin Vanja Nikolic in einem viralen Twitter-Thread zusammenfasste.

Es ist keine Seltenheit, dass die Täter von Frauenmorden den Behörden bereits bekannt sind, dennoch scheinen die Bereitschaft und die Dringlichkeit zu fehlen, endlich die benötigten Ressourcen bereitzustellen, um Frauen zu schützen.

Immer wieder werden Forderungen nach erhöhten Budgets, mehr Personal und mehr Betreuung laut. In der Kriminalitätsstatistik wird trotz der Gewalt gegen Frauen, die sich in Österreich zeigt, nicht nach Geschlecht differenziert – obwohl dies zur Erkennung von problematischen Entwicklungen notwendig wäre, wie Lara Hagen im “Standard” schreibt.

Auch fordert unter anderem der Österreichische Frauenring die Wiederaufnahme von Fallkonferenzen zur Vernetzung von Polizei und Gewaltschutzorganisationen, die im Jahr 2018 von Schwarz-Blau abgeschafft wurden – 2020 wurde die erneute Einführung beschlossen. Passiert ist dies bisher nicht.

Auch wird ein Ausbau der Männerberatung gefordert, um Männern dabei zu helfen, “zu sich selbst zu finden” und so ihr Verhalten zu ändern, wie es vom Dachverband für Männerarbeit auf Ö1 hieß. Ja, der Shareable-Spruch “Don’t protect your daughter, educate your son” macht sich gut auf Instagram, ist ein löblicher und idealistischer Anspruch, ein Ziel auf das wir hinarbeiten sollten. Aber wie realistisch ist er?

Natürlich muss es Anlaufstellen für Männer geben, die sich in Krisen befinden und mit Männlichkeitsbildern kämpfen. Aber wie wahrscheinlich ist es, dass Männer, die in einer patriarchalen Gesellschaft mit toxischem Männlichkeitsbild aufgewachsen sind und dieses so verinnerlicht haben, dass sie bereit sind, (Ex-)Partnerinnen zu ermorden, Hilfe in Anspruch nehmen?

Laut einer Untersuchung aus 2016 denkt jede vierte Person in Österreich, dass Gewalt gegen Frauen “oft durch das Opfer provoziert” wird – und das zeigt mehr als anschaulich, dass es für die Politik an der Zeit ist, etwas gegen diese Denkmuster und Strukturen zu tun, die tief in unserer Gesellschaft verankert sind. Denn wir sehen derzeit nur allzu oft, wozu sie führen. Zu Frauenhass im Netz, im echten Leben, zu sexuellen Übergriffen, zu Morden.

Was es braucht, ist ein Maßnahmenpaket, Bildungsarbeit, die schon bei jungen Menschen ansetzt, ein lauter Aufschrei gegen dieses Mindset, nicht nur punktuell, wenn wir uns auf Social Media schockiert zeigen, bis die nächste Breaking News unsere Timelines flutet.