k meets den Wiener Weihnachtsmann

Günter Aichinger arbeitet seit 31 Jahren als Weihnachtsmann und Nikolaus. Was er dabei alles erlebt hat, erzählt er uns sehr ausführlich in einem Interview.

Grüß Gott, mein Name ist Günter Aichinger. Ich bin 71 Jahre alt und lebe mein Hobby als Weihnachtsmann, Nikolaus, Väterchen Frost seit nun 31 Jahren aus.

k.at: Wie bist du auf die Idee gekommen?

Weihnachtsmann: Ich komme aus Oberösterreich aus einer kleinen Gemeinde. Da war das gang und gäbe, dass der Weihnachtsmann oder auch der Nikolaus zu den Familien gekommen ist. Ich bin dann nach Wien gezogen und es hat sich nichts getan in punkto Weihnachtsmann und Nikolaus. Da hat ein Getränkegroßhändler einen Weihnachtsmann gesucht.

Ich habe damals noch keinen Bart gehabt, aber hab mich beworben und die haben dann gesagt: “Ja, Sie gefallen uns! Sie machen das!” Dann habe ich einen künstlichen Bart draufgekriegt und es war schönes Wetter. Da bin ich dann drei Wochen durch Wien marschiert und habe Geschenke von diesem Großhändler verteilt. Irgendwie hat mir das gefallen. Es war einfach lieb mit den Leuten. Das war der Anfang.

Welche Befriedigung geben dir deine Auftritte?

Also mir persönlich gefällt das Leuchten der Kinderaugen, wenn sie sehen: “Wah, der Weihnachtsmann oder der Nikolaus ist da!”.

Fällt dir ein lustiger Auftritt ein?

Eine Frau hat drei Kinder und meint: “Naja, es sollt halt ein bissl was Ausgefallenes sein. Es kommen Deutsche, eine Familie kommt mit zwei Kindern. Also so ungefähr acht Kinder werden es sein. Wir feiern zuhause und so weiter und so fort.” Dann sag ich: “Ja, es gibt eine Möglichkeit. Ich rufe Sie an, wenn ich vor Ort bin. Sie machen mit der ganzen Kinderschar, die Damen und Herren, eine Reise, einen Spaziergang, und wenn ich fertig bin, rufe ich Sie an und Sie kommen dann rein.” Dann sagt sie: “Und was machen Sie?” “Lassen Sie sich überraschen.”

Also sie sind dann fortgegangen und ich habe den Schlüssel gehabt. Drinnen stand ein riesiger Christbaum, wunderschön. Und die Geschenke lagen rundherum. Ich habe mich dann unter den Christbaum reingelegt und habe geschlafen. Das war einfach der Hammer! Die Kinder sind reingekommen: “Bist du narrisch! Da liegt der Weihnachtsmann und schläft.” Dann haben sie mich aufgeweckt, dann haben wir Geschenke ausgeteilt und gespielt. Das war wunderschön, muss ich sagen.

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Wie machst du das mit deinem Bart?

Mein Bart ist ja ein Vollbart und seit ungefähr 28 Jahren ist das eine Tradition, dass ich mir den Bart ab Mai wachsen lasse. Da wird nichts mehr abgeschnippelt, außer vielleicht oben ein bissl. Früher war er grau, schwarz-grau-weiß.

Da gibt es dann einen wunderbaren Spray, den sprüht man drauf, dann ist er weiß. Und wenn man fertig ist, dann fährt man nach Hause, duscht sich und der Bart ist wieder der alte. Das ist ein Ritual, mir den Bart wachsen zu lassen.

Verdienst du Geld mit deinen Auftritten?

Was verdien ich? Es ein bissl was. Wir sind da nicht so, dass wir einen hohen Preis verlangen. Das kann sich jeder leisten und teilweise machen wir es gratis. Das höre ich dann schon raus bei den Familien.

Und eins muss ich dann schon sagen: Alle, die da bei mit mir machen, die älteren Männer, wir geben die Hälfte der Einnahmen der Gruft. Die Gruft braucht’s und jedes Jahr ist einer von uns am Punschstand, um mit den Leuten zu reden und Fotos zu machen. Das gehört dazu.

Was war dein verrücktestes Erlebnis?

Wenn man das 31 Jahre macht als Weihnachtsmann und Nikolaus, dann gibt es die verschiedensten Erlebnisse. Eines der verrücktesten war, als mich ein Prominenter angerufen hat – also nicht er, sondern sein Manager. Er sagt: “Ich habe Ihre Homepage gesehen, Sie fahren mit jedem Fahrzeug?” Ich sag: “Ja.” Dann wollte er mich von 18:00 bis 7:00 Uhr in der Früh buchen. Da war ich doch sehr überrascht. Aber dann habe ich ihm schon gesagt, dass das schon bissl was kosten wird, aber ich wusste noch nicht, was ich dann machen muss. Das Geld war dann kein Problem.

Dann meinte der Manager, ich sollte mein schönstes Weihnachtsmannkostüm anziehen und mit einem Taxi zu einer bestimmten Adresse fahren. Dort stand dann ein Auto, mit dem ich die Herrschaften im ersten Bezirk abholen sollte. Dort angekommen bekam ich einen Autoschlüssel und ums Eck stand eine riesige Hummer Stretchlimousine. Ich habe dann testweise einige Runden in der Nähe dort gedreht. Schließlich bin ich in den 1. Bezirk reingefahren und ruf an. Dann ist der Promi mit seinen Gästen gekommen und alle sind eingestiegen. Dann sind noch Essen und Getränke geliefert worden. Und dieser Promi, der gut Deutsch kann, kommt vor und sagt: “Sie fahren jetzt egal wohin, das Auto muss immer in Bewegung sein. Und wenn wir zurückwollen oder irgendwo auf eine Raststätte oder so, dann sagen wir es Ihnen.”

Ich bin dann durch Wien gefahren. Ich bin dann in Stockerau auf die Autobahn raufgefahren und wieder runter. Dann hab ich eine Runde gedreht, dann wieder rauf auf die Autobahn bis Wiener Neustadt. Dort bin ich dann wieder runtergefahren und wieder retour, schön langsam. Was hinten im Auto passiert ist, das weiß ich nicht, weil das sieht man nicht.

Und so circa um 23:30 Uhr läutet das Telefon vorne im Auto. Ich heb ab: “Herr Aichinger, bitte zurück an den Start. Wir machen einen Personenwechsel.” Also bin ich wieder in den ersten Bezirk reingefahren. Leute sind ausgestiegen, neue Leute sind eingestiegen. Und ich bin dann weitergefahren, und dann kam der lustige Teil. Nach 500 Metern überholt mich die Polizei und stoppt mich bei der Staatsoper. Ich denke mir, das wird jetzt eine Gaudi. Dann steigen drei Polizisten aus und kommen her. Die Seitenscheibe war verdunkelt und sie klopfen an die Scheibe. Ich lasse die Scheibe runter. Alle drei schauen rein und schauen mich an. Jeder schaut sich gegenseitig an, dann schauen alle wieder rein. Dann sagt einer: “Was machen Sie da?” Und ich antworte: “Das ist eine depperte Frage! Autofahren tu ich.” Dann haben sie gefragt, warum ich denn ein Weihnachtsmanngewand anhätte. Ich erklärte ihnen dann, dass es ein Auftrag ist. Sie wollten wissen, wer der Kunde hinten wäre, aber ich habe es nicht verraten.

Dann bin ich weitergefahren und um 6 Uhr in der Früh hat das Telefon vorne wieder geläutet. Ich sollte zurück an den Start fahren. Die Tour war fertig. Die Leute sind ausgestiegen. Der Promi kam dann nach vorne, zahlt und fragt mich, ob ich ihn erkannt hätte. Ich verneinte und er sagte: “Hinten sind noch 5, 6 Bier, Sekt ist eingekühlt und Brötchen sind noch circa 10, 15 da. Ich würde sagen, machen Sie sich mit der Familie einen schönen Tag und bringen Sie das Auto morgen wieder zurück.” Das haben wir natürlich genossen.

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Hat sich das Verhalten der Kinder und ihrer Eltern in den letzten 30 Jahren verändert?

Es hat sich irrsinnig verändert innerhalb von 30 Jahren. Also meine ersten Jahre war es so: Man hatte als Nikolaus einen roten Sack mit Nüssen, Mandarinen, Nikolausschokolade und die Kinder waren begeistert.

Aber das hat sich immer mehr gesteigert und jetzt muss ich sagen, dass das mehr eine Konsumgesellschaft ist. Ich geh oft als Nikolaus oder Weihnachtsmann mit einem riesigen Sack rein und dann sind aber sicherlich noch zehn Packerl zusätzlich im Wohnzimmer. Da ist dann wirklich alles dabei vom Handy bis zum Laptop, wo ich mir als normalsterblicher Weihnachtsmann denke: Was kriegen die Kinder da alles am 24. vom Christkind? Das ist für mich unverantwortlich.

Was war eine wirklich negative, unangenehme Erfahrung?

Ich könnte jetzt ein negatives Erlebnis erzählen, wo ich am 24.12 als Weihnachtsmann war. Die Frau hat angerufen und hat für 18:30 Uhr einen Weihnachtsmann bestellt. Passt, ich war dort. Ich habe dann angeläutet und sie hat mich gebeten 15 oder 20 Minuten später wiederzukommen, weil ihr Mann noch nicht da war. Ich habe mich dann wieder ins Auto gesetzt und gewartet. Nach 20 Minuten habe ich sie dann angerufen um nachzufragen, was jetzt ist, weil ich noch einen Folgeauftrag hatte. Ihr Mann war noch nicht da, aber wir sind dann trotzdem gestartet. Ich habe alle Geschenke in meinen Sack gepackt und angeläutet. Die Kinder haben aufgemacht und sich sehr gefreut.

Ich bin dann reingegangen, habe mit den Kindern gesprochen und angefangen die Geschenke auszuteilen. In dem Moment ging die Tür auf und der Vater kam rein. Und er war blunzenfett. Er hat dann mit seiner Frau zum Schreien angefangen, dann hat er die Kinder zusammengeschrien. Und ich stand als Weihnachtsmann irgendwie dazwischen. Dann habe ich die Kinder mit ihren Geschenken ins Kinderzimmer gebracht. Das war dann super, die Kinder haben sich gefreut und ausgepackt. Dann ist die Frau gekommen und hat sich für ihren Mann entschuldigt. Ich habe dann gesagt: “Sie können nichts dafür, wenn Sie einen Trottel haben. Ich sag es, wie es ist!” Keine Minute später kommt er wieder herein und schreit mit ihr und den Kindern. Und da war so eine kleine Wohnwand und bin auf den Herrn zugegangen, hab ihn mit der Krawatte genommen und ihn hinter diesen Verbau gezogen. Und ich hab ihm gesagt: “Ich weiß genau, wer du bist, und wenn ich dieses Gewand nicht anhätte, dann würde ich dir eine schießen.” Ich bin dann wieder zu den Kindern raus und er hat nichts mehr gesagt. Das war ein besserer Politiker aus Wien.

Gab es schöne und berührende Erlebnisse?

Eine Familie hat angerufen, also die Frau. Sie hat drei Kinder und sie will einen Nikolaus. Dann haben wir was ausgemacht und ich sag ihr den Preis: 50 Euro. Die Hälfte des Geldes wird dann immer an die Gruft gespendet. Für sie hat das gepasst und ich bin als Nikolaus hin und läute.

Bist du deppert, ein Wahnsinn. Ein Riesenraum mit einer kleinen Küchenzeile an der Wand. Oben stand eine Mikrowelle. Da waren zwei Kastl und vier Betten und hinten war ein alter Schiebeschrank. Auf der anderen Seite waren ein Tisch, zwei Sessel und eine Bank. Es war nicht sehr einladend. Ich hab gesehen, dass die Eltern keinen Job haben und die Familie nicht viel Geld hat. Ich habe dann meine Show mit den Kindern gemacht. Es war super und am Schluss wollte sie mir das Geld geben. Aber ich habe dann gesagt: “Behalten Sie den Fünfziger, das macht mich fertig, wenn ich sowas sehe.”

Damals habe ich bei einer großen Firma gearbeitet und hatte einen großen Bus zur Verfügung. Ich bin dann mit einem Freund in den 19. Bezirk raufgefahren, wo die ganzen Villen stehen, und habe angeläutet. Dort habe ich dann Möbelspenden gesammelt für diese Leute. Wir haben sehr viel zusammenbekommen und die waren echt überrascht.

Wo wohnt der Weihnachtsmann?

Der Weihnachtsmann wohnt im schönen Wien im zehnten Bezirk. Ich liebe Wien. Er hat eine wunderliebe, schöne, kleine Gemeindewohnung und liebt die Wohnung. Ich sage einfach: Wien ist die schönste Stadt.

Ist der Weihnachtsmann reich?

Das wäre sehr cool, wenn der Weihnachtsmann reich wäre, dann würde ich mir vielleicht eine Penthouse-Wohnung kaufen. Aber nur vielleicht, denn unsere Wohnung ist super. Aber ich bin nicht reich, ich habe eine kleine Pension und auch meine Frau hat eine Pension. Wir kommen wunderbar aus.

Wo ist dein Weihnachtsschlitten?

Ich sag immer, ich habe einen Schlitten. Der ist super, ein Haufen Packerl hinten drauf, aber Kinder, schaut’s mal raus! Schneit es? Ah, da komme ich auch mit der U-Bahn oder mit der Straßenbahn. Wenn es kalt ist und Schnee ist, dann komme ich mit dem großen Schlitten.

Welchen Tipp gibt der Weihnachtsmann den Menschen dieses Jahr?

Mein Wunsch ist Frieden. Viel mehr auf die Kinder eingehen, das ist auch sehr wichtig. Das Wichtigste ist Frieden und dass nicht so viel gestritten wird. Das ist das Schönste, das es gibt.

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