k meets Der traurige Gärtner – “Das Zauberwort ist: Machen!”

Der traurige Gärtner spricht mit uns über seine Songs “Ananas” und “Hitzewelle” und sein persönliches Zauberwort. Seine crazy Musikvideos sind immer für eine Überraschung gut und seine Live-Auftritte jetzt schon legendär. Unser Zauberwort ist: Reinschauen!

“Also ich mach halt einfach, das Zauberwort ist wirklich einfach: Machen. Ich hinterfrag das eigentlich nie, machen, machen, machen, einfach raushauen. Und ich bin kein Musiker, ich bin einfach Künstler und mach halt, was ich will und was mir einfällt.”

Fabian Unger alias Der traurige Gärtner macht schon seit einigen Jahren Musik und hat neben seinen verrückten Liedern auch eine ganze Menge an guten Lebensratschlägen parat. Wir haben mit ihm über sein künstlerisches Schaffen, aber auch über den Klimawandel und Ibizagate gesprochen.

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“Meine Superheldenkraft ist, dass ich magische Samen hab, die ich verteil. Und es sind nicht Drogen gemeint. Und auch nicht Ejakulat. Es ist der Samen an Happiness, den ich Leuten in die Seele pflanze.”

k.at: Wie ist der Song “Ananas” entstanden?

DTG: Das Video von der Bingo-Show, in dem eine etwas verwirrte ältere Dame gefragt wurde, wie man ein Paddelboot denn noch nennt, ist ja vor drei bis vier Jahren recht viral gegangen. Sie hat ganz aufgeregt auf den Buzzer gedrückt und sagt: Ananas! Einfach aus dem Nichts sagt sie Ananas.

Und die Moderatorin fragt noch ‘Josefine, wie lautet Ihre Antwort, jetzt ehrlich?’ und Josefine wieder: Ananas! Die Moderatorin dann wieder ‘Na, 1, 2 oder 3?’ und dann hat sie zufällig das Kajak erwischt, das war sehr schön. Da war mir klar: Das gehört auf jeden Fall vertont. Hat sich die Josefine verdient.

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Hast du eine Vision, die du verfolgst?

Also ich mach halt einfach, das Zauberwort ist wirklich einfach: Machen. Ich hinterfrag das eigentlich nie. Grundsätzlich, wenn ich Musik mach, setze ich mich hin, klopf einen Beat rein und mach einen Text dazu – und dann noch ein knackiges Video dazu, im Grunde hab ich einfach Spaß.

Große Vision ist jetzt keine dahinter, auch nicht, dass das unbedingt größer werden muss. Beim Donauinselfest war es zum ersten Mal so, dass der Kern an Leuten zusammengekommen ist, die das feiern, was ich mache, und genau dafür mach ich das alles. Auftritte und danach mit den Leuten reden, Bilder machen und noch eine gute Zeit zu verbringen. Wenn es größer wird, kann man das nicht mehr machen.

Worum geht es in “Hitzewelle”?

Also ich habe “Hitzewelle” im Bungalow in Kroatien geschrieben, wo wir einen Film gedreht haben. “Die letzte Party deines Lebens” hieß der Film. Da habe ich mich in eine Schauspiel-Kollegin verschaut. Und die Kollegin konnte meine Gefühle ihr gegenüber nicht erwidern, weil sie eine sehr professionelle Schauspielerin war und gemeint hat “never fuck the office“ – und ich so zu ihr”bitte fuck the office“. Und ja, “Hitzewelle” beschreibt nicht unbedingt das Wetter, sondern eher das Gefühl in einem drinnen, wenn es in der Brust brennt, wenn ein Gefühl nicht erwidert wird.

Wie würdest du deinen Stil bezeichnen?

Ich würde meine Musik als gemischtes veganes Eis bezeichnen. Also ich mach alles durch von Hip-Hop, Trap, Techno, Goa, High-Tech-Rap bis hin zu Jazzy-Pop. Alles, was grad passt. Alles, was mir grad einfällt. Es ist nämlich so langweilig, immer nur Rock zu machen, oder immer nur Techno. Ist doch mega langweilig. Mir wird schon langweilig, wenn ich zwei Hip-Hop-Lieder produzieren muss. Dann mach ich lieber einen Goa-Track drauf.

Wie bist du auf der “Der traurige Gärtner” gekommen?

Der traurige Gärtner, das hat mit meinen Großeltern zu tun. Die sind leidenschaftliche Gärtner und die wohnen in Eichgraben im Wienerwald. Ich komm immer zu ihnen, Oma kocht und wir spielen gemeinsam Karten, alle glücklich. Einmal war Anfang April ein verspäteter Wintereinbruch und die Stimmung bei ihnen nicht so gut, die waren nicht gut drauf. Ich bin dann draufgekommen, das war wegen dem Schnee, denn davor war schon eine sehr schöne Woche und die haben sich gefreut, dass da die Tomaten, die Zucchini und die Kräuter wachsen, und dann kam nochmal der Schnee. Dann habe ich mir gedacht: “Shit, das sind wohl traurige Gärtner.”

Kannst du von deiner Musik leben?

Also ich kann von der Kunstform Musik nicht leben, ich setz auch nicht den Anspruch, dass die Musik mein Leben finanzieren muss. Das macht alles nur stressig, mein Zwillingsbruder ist Schauspieler, @fabianungerofficial auf Instagram, der finanziert mich auch so ein bisschen mit. Hat eben auch schon in Kinofilmen mitgespielt und alles, bei “Soko Donau”, und moderiert jetzt auch eine Musik-Sendung (“Feng Sushi”). Ja danke, also mein Bruder finanziert mich.

“Die Kunst muss da Verantwortung übernehmen und da aufklären, so wie es war mit Lil Dicky mit “Save the Earth“, nach zwei Stunden sieben Millionen Aufrufe. Wenn das den Mainstream erreicht, also weg von Money, Bitches und Hoes zu “Let’s save the Planet altogether – love peace and happiness, machma was“, dann könnte sich das noch ausgehen, sonst glaub ich, wird das sehr schwer.”

Bist du ein politischer Mensch?

Mich interessiert, was auf der Welt abgeht, und ich versuche auch Teil davon zu sein, dass sich was zum Positiven verändert. Zum Beispiel “Fridays for Future”, das ist halt irgendwie sowas, was ich extrem wichtig finde, einfach die Leute aufwecken und zeigen, was da falsch läuft. Auch, was jeder besser machen könnte, um unseren Planeten länger und schöner bewohnen können. Eigentlich geht es ja ums Überleben, aber das verstehen nur wenige Menschen. Ich versuche halt auch durch meine Kunst die Leute in dem Bereich aufzuklären.

Ich glaube, dass die Kunst so viel Verantwortung übernehmen könnte und sollte in dem Bereich. Es müssen jetzt nicht Songs sein wie “Iss kein Fleisch, flieg nicht mit dem Flieger, nimm den Zug“ oder so, sondern man kann die Kunstform nehmen und hat die Möglichkeit, in Kontakt mit deinen Leuten zu kommen und Instagram zu nutzen, um kleine Messages zu verbreiten. Nicht sagen, wie man es macht, sondern einfach darüber reden.

k.at

Es muss schnell was passieren, weil ich glaub, wir haben schon dermaßen den Arsch offen, ganz ehrlich. Wenn uns der fucking Nordpol wegschmilzt, dann wird’s bei uns aber sowas von zappenduster. Wir reden dann nicht Flüchtlingen in Richtung 80.000, sondern von Millionen, die nicht mehr dort leben können, wo sie davor waren. Und wir lesen jetzt nur in Schlagzeilen seit 2015, wie schlimm die Flüchtlingskrise ist, wenn wir jetzt nix machen, was passiert dann?

“Die Kunst muss da Verantwortung übernehmen und da aufklären, so wie es war mit Lil Dicky mit “Save the Earth“, nach zwei Stunden sieben Millionen Aufrufe. Wenn das den Mainstream erreicht, also weg von Money, Bitches und Hoes zu “Let’s save the Planet altogether – love peace and happiness, machma was“, dann könnte sich das noch ausgehen, sonst glaub ich, wird das sehr schwer.”

Wohin geht deine nächste Reise?

Also ich habe Flugscham, das heißt, ich fliege nicht, weil ich mich irgendwie dafür geniere, dass ich in den Urlaub flieg, eine gute Zeit hab und gleichzeitig allen von oben aufn Schädel scheiß.

Also seit zwei Jahren jetzt, davor auch nur einmal im Jahr geflogen und versuch es zu verhindern, zu vermeiden und fahr halt dann mit dem Zug. Also diesen Sommer versuch ich irgendwie mit dem Zug nach Portugal zu kommen, weil ich Surfen muss, das wird schwierig. Das wird einige Tage dauern, nehme ich an.

Das werde ich probieren, ich werde dann davon berichten und es wird sicher nicht so lustig.

Schnelle Fragerunde zum Abschluss:

 

Vorbilder?

Ich habe keine Vorbilder, es sind mehr so Momentaufnahmen, die Inspiration bringen.

Lieblingsessen?

Ich liebe Spaghetti, Nudeln in allen Formen, Variationen mit allen Soßen. Also vegan obviously, aber Dude, wenn ich die Tomaten mit Pasta seh, ohja, lit.

Kunst?

Do it yourself, Zauberwort “machen” und viel dabei lachen.

Veganismus?

Ich bin Veganist. Haha gibt’s ja nicht! Ich bin Veganer. Sollte sich jeder überlegen und sich damit beschäftigen. Ausstieg aus der Kohle und vegan sein!

k.at

Ibizagate?

Ibizagate – Lieblingsfilm! Und das ganze rechte Pack gehört in den Knast, alles andere ist primär, wie Hans Krankl sagen würde. Hans Krankl, isch liebe dir.

k.at?

k.at? klingt für mich wie Karate! Richtig geiles Zeug.

Das Wort zum Sonntag:

Bevor man jetzt sagt, sei Veganer oder fahr nicht mit dem Auto oder tu Müll trennen, muss man zuerst alles selber machen. Man kann es niemandem sagen, wie es gemacht werden soll. Man muss es vorleben! Ich glaube, das ist wichtig. Nicht nur sudern, sondern machen! Machen, machen machen! Und dann sagen so alle: “Ich als Einzelperson kann nichts machen.” Das stimmt aber nicht!

Wer regelt den Markt? Die Nachfrage regelt den Markt. Es liegt an jeder einzelnen Person, dass sich was ändert! Und starten am besten jetzt! Oder nein, das muss jeder für sich selber wissen!

 

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