k meets Luisa – “Mein Leben als Escort-Girl” Teil 2/3

Luisa ist 25 Jahre alt, Studentin und arbeitet als High-Class-Escort-Girl in Wien. Im zweiten Teil erzählt sie, wie ihre Treffen mit Männern ablaufen und was ihr verrücktestes Date war.

k.at: Wer sind deine Kunden?

Luisa: Die Männer, die ich treffe, sind ganz verschieden. Ich habe sehr junge Männer im Alter von 20 bis 28, die einfach mehr Erfahrungen sammeln wollen, die sicherer werden wollen. Die vielleicht davor nicht so viel Kontakt mit dem anderen Geschlecht hatten. Dann habe ich Familienväter, die einfach mal ausbrechen wollen, die in dem Moment nicht Familienvater sein wollen. Dann habe ich viele Geschäftsleute, die vielleicht auf der Durchreise sind, oder die einfach ein paar Tage in Wien verweilen und sich nach körperlicher Nähe oder einem Gesprächspartner sehnen. In der Zeit als Escort habe ich oft mitbekommen, wie viel Einsamkeit es da draußen eigentlich gibt. 

Wie legst du fest, ob du ein Date eingehst?

Ich traue mich zu behaupten, dass ich in den letzten Jahren durch das Escorten eine sehr gute Menschenkenntnis entwickelt habe und anhand des Schreibstils erkennen kann, ob ich mit jemandem dann real kompatibel bin oder nicht. Das fängt an, wie mich jemand anschreibt, wie lange er mich bei sich haben möchte, welche konkreten sexuellen Wünsche er mir mitteilt und ja, welchen Respekt er mir entgegenbringt. Also man kann da oft sehr viel zwischen den Zeilen herauslesen, natürlich habe ich mich auch hin und wieder getäuscht und habe dann vor Ort festgestellt, dass es nicht passt. Aber ich habe mir, bevor ich damit begonnen habe, geschworen, dass ich nie etwas tun würde, was ich bereuen würde – nur des Geldes wegen.

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Wie machst du dir deine Dates aus?

Da ich als independent Escort arbeite, bin ich auf mich selbst gestellt. Das heißt, ich vereinbare die Dates, ich habe niemanden im Hintergrund, der das für mich vereinbart, der für mich die Männer aussucht, der mir mitteilt, wo ich hinkommen muss, wie lange, welche Wünsche der Kunde hat. Ich mache mir meine Dates selber aus, und zwar über Plattformen, es gibt ja mittlerweile einige, auf denen man sich anmelden kann und wo man dann so eine Art Inserat schalten kann. 

Was war dein verrücktestes Date?

Das verrückteste Date war, dass ich während einem Date mit einem Mann – wir haben uns in einer Bar getroffen – und dort hat er mir dann erzählt, dass sich in dem Lokal auch einige Arbeitskollegen befinden und ob ich die Challenge annehmen würde, seinen Arbeitskollegen aufzureißen, und ich habe angenommen. Schlussendlich sind wir dann zu dritt im Hotelzimmer gelandet und haben dort die Nacht verbracht. 

Was war dein schlimmstes Date?

Das schlimmste Date war kein Date, wo jemand meine Grenzen überschritten hat, sondern als mir ein Mann zum ersten Mal in seinem Leben gestanden hat, dass er als Kind sexuell missbraucht wurde. Das war für mich das schlimmste Date.

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Hat sich schon mal ein Kunde in dich verliebt?

Es ist mir einmal bewusst aufgefallen, dass ich die Art und Weise, wie mich ein Mann behandelt hat, sehr stark verändert hat. Wir haben uns mehrmals getroffen und er hatte immer mehr Interesse an meiner privaten Person, an meinem Privatleben. Hat auch davon gesprochen, wie gern er nicht mit mir wegfahren würde, wenn er das Geld hätte, würde er mit mir ein Wochenende verbringen wollen. Natürlich hat sich das auch beim sexuellen Akt widergespiegelt, dass er wahnsinnig zärtlich war, dass er sehr oft und sehr viel meine Nähe gesucht hat. Die Streicheleinheiten waren sehr ausgeprägt und sobald ich das merke, ziehe ich mich sehr zurück und breche auch meistens den Kontakt ab, weil ich einfach nicht möchte, dass gewisse Dinge miteinander verschwimmen, dass Luisa mit meiner privaten Person verschwimmt. Ich möchte das nach wie vor sehr stark abgrenzen.

Hast du dich schon mal in einen Kunden verliebt?

Natürlich bin ich nicht gefeit davor, mich in einen Mann zu verlieben, den ich als Luisa treffe, und es ist durchaus schon vorgekommen, dass ich während dem Date gemerkt habe, dass ich für diesen Mann mehr empfinden könnte, dass ich ihn wahnsinnig interessant finde und es schade finde, dass ich ihn über diesen Weg kennengelernt habe und nicht in einer Bar oder im Supermarkt.

Welche Nachteile hat deine Escort-Tätigkeit?

Meine persönlich größte Schwierigkeit sehe ich darin, dass ich das natürlich vor vielen geheim halten muss.Dass ich sozusagen ein Doppelleben führe. Ich habe zwar einen Freundeskreis – und darüber bin ich sehr glücklich – denen ich mich öffnen kann und die darüber Bescheid wissen, was ich mache. Wenn ich sage, ich bin abends bei einem Date wissen sie, was das bedeutet, dass ich kein Tinder-Date habe, sondern mich mit einem unbekanntem Mann in einer Hotelbar oder gleich auf einem Zimmer treffe. Und dann gibt es halt einen Freundeskreis, der das nicht weiß, dem ich das nicht zumuten kann. Weil ich natürlich weiß, dass jeder seine moralischen Grenzen hat und nicht jeder diesem Thema so offen und liberal gegenübersteht. Und ich möchte diese Freunde aber nicht verlieren. Deswegen behalte ich es für mich. 

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