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So ist es, zu Corona-Zeiten als LehrerIn zu arbeiten

Wer den Lehrberuf ernst nimmt, weiß, wie fordernd er oftmals sein kann. Dies speziell zu Coronazeiten!

Unser Redakteur Chris Hahn hat Deutsch und Musik auf Lehramt studiert und war selbst zwei Jahre lang Lehrer an einem Gymnasium. In diesem Artikel bricht er eine Lanze für seine ehemaligen KollegInnen, speziell während Coronazeiten.

Über LehrerInnen berichtet der Volksmund gerne, sie hätten ein gemütliches Leben – ein sicherer BeamtInnen-Job, Unterrichtsende zumeist am frühen Nachmittag, enorme Arbeitsersparnis, wenn man einmal Unterrichtsmaterialien angesammelt und Planungen erstellt hat ... und natürlich allem voran das große Ausmaß an Ferien! Auf etliche KollegInnen mag dieses Vorurteil durchaus zutreffen. Für alle anderen möchte ich aber an dieser Stelle eine Lanze brechen.

Der Lehrberuf, mit Hingabe und Verantwortung ausgeführt, ist mitnichten ein Zuckerschlecken! Schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie wurde der Mehraufwand abseits der Schule und hinter den Kulissen von außen gerne übersehen. Es wäre schon längst an der Zeit, LehrerInnen, die nicht nur den Beruf ausüben, sondern allem voran die Berufung leben, wieder mit mehr Demut und Respekt zu begegnen.

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Egal ob in der Volks-, Mittel- oder allgemeinbildenden höheren Schule – der Beurteilungs- und Leistungsdruck, dem LehrerInnen ausgesetzt sind, ist ihnen ein ständiger Wegbegleiter. Für jene Lehrende, die den Spagat zwischen sinnvoller Pädagogik und individueller Förderung schaffen wollen, endet der Unterricht folglich nicht nach der letzten Schulstunde.

Oftmals beginnt die harte Arbeit erst in den eigenen vier Wänden, etwa dann, wenn man sich zu Hause an das konzentrierte, empathische Korrigieren von Haus-, Schularbeiten oder Tests macht. An Unterrichtsvor- und -nachbereitungen. Und auch die regelmäßige Auseinandersetzung mit der Lebensrealität der Schützlinge erfordert Zeit. Wer seinen/ihren Job richtig macht, der/die nimmt sie sich, um einen möglichst modernen, zeitgemäßen Unterricht gestalten zu können.

Speziell im Volksschulbereich ist es heute üblich, per Kommunikations-Apps wie "SchoolFox" für Eltern und Direktion erreichbar zu sein. Allein diese ständige Abrufbereitschaft ist signifikant für die "24/7-Profession LehrerIn". Wer also dem "häuplschen" Irrtum erliegt, LehrerInnen schieben ab 14 Uhr eine ruhige Kugel, der/die irrt gewaltig.

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Corona-Detonation

Rückblickend kann man sagen, dass im Schulkontext jeder Lockdown sprichwörtlich fünf vor zwölf angekündigt wurde. LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen wurden vor vollendete Tatsachen gestellt. Es blieb keine Zeit für vernünftige Vorbereitungen und Planungen. LehrerInnen hatten ununterbrochen mit Neuerungen zu kämpfen, bekamen seitens der Leitung oftmals keine gesicherten Informationen und waren einer erheblichen Zusatzbelastung durch ständiges Studieren von Erlässen und Vorgaben, die nicht für sie aufbereitet wurden, ausgesetzt.

Von null auf hundert standen auf beiden Seiten viele ohne vernünftiges Equipment für Homeschooling da. Aus meinem eigenen (erweiterten) Umfeld kann ich sagen, dass LehrerInnen weder mit Diensthandys noch Laptops, Tablets und dergleichen ausgestattet wurden – jene Dinge, die man in den allermeisten Berufen zur Verfügung gestellt bekommt, wo derartige Ausrüstung Voraussetzung ist. Auch von entsprechenden Zuschüssen für Strom, Internet, Papier, Druck- und Schreibmaterialien hat kein/e LehrerIn aus meiner durchaus weitreichenden Bubble berichtet. Ebenso wenig von einem Budget für Zoom-Lizenzen, die einen flüssigeren Unterricht ermöglicht hätten, der nicht alle 40 Minuten unterbrochen wird.

Der Lockdown-Alltag der LehrerInnen geschah vielerorts auf eigene Kosten, war stressig und geprägt von E-Mail-, "Schoolfox"- und SMS-Chaos sowie dem Unmut der Eltern, der LehrerInnen schon immer direkt traf. Ein Phänomen, das sich seit Ausbruch der Corona-Pandemie denkbar verschlimmert hat.

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Corona-Eskalation

Erklär-Videos auf YouTube, Video-Konferenzen, Einführung der Kinder in Fernunterricht via diverser Plattformen – nur ein Ausschnitt aus dem Homeschooling-Alltag, den meiner Erfahrung nach viele LehrerInnen während der Hochphase zu bewältigen hatten. Speziell beim Unterrichten von Volksschulkindern war es nahezu unmöglich, sie alle aus der Ferne und über den Bildschirm im Auge zu behalten und vernünftig zu überwachen – ein Problem, das der Natur der Sache entwächst.

Manche Kinder verfolgten angesichts schlechter technischer Ausstattung oder mangels elterlicher Kümmerung den Unterricht monatelang nur über das Handy. Für viele berufstätige Eltern war die Unterstützung ihrer Kinder im Homeschooling schlichtweg nicht zu schaffen.

Nicht weiter verwunderlich also, dass sich die Schere zwischen vermeintlich "guten" und "schlechten" SchülerInnen weiter gespreizt hat. Denn auch während der Pandemie schreit unser Schulsystem lauthals nach Leistungsbeurteilung! Dass sich dies durchaus auf die Psyche jener LehrerInnen schlagen kann, denen das Seelenheil ihrer Schützlinge ein besonderes Anliegen ist, bedarf keiner näheren Erläuterung. 

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Back to School

Seitdem (fürs Erste) wieder alle in die Schulen zurückgekehrt sind, ist auch dort der Mehraufwand für LehrerInnen beträchtlich gestiegen. Vor allem das ständige Abwälzen gesundheitsbehördlicher Entscheidungen wird für viele von ihnen zur Belastung werden. Manche Eltern nehmen zudem ihre Verantwortung für das Testen ihrer Kinder nicht wahr, was dazu führt, dass Tests in der Schule gemacht werden müssen.

Wo Kinder während ihrer Homeschooling-Zeit keine Unterstützung von zu Hause erfahren haben, muss in der Schule nachgearbeitet werden. Der Service an den Eltern hingegen ist, Feedback-Rufen aus LehrerInnen-Kreisen zufolge, gestiegen. Nicht nur puncto Lernberatung, sondern auch in Sachen Unterrichts-Transparenz. In anderen Bereichen wiederum müssen Eltern allerdings vermehrt an ihre Pflichten erinnert werden. Denn auch wenn Bildung vorrangig in der Schule stattfindet, ist sie nicht ihre alleinige Angelegenheit.