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Die Probleme unseres Schulsystems: Eine Kritik aus Lehrersicht

Unser Schulsystem kränkelt an allen Ecken und Enden. Ein ehemaliger Lehrer nimmt für euch den Patienten unter die Lupe.

Unser Redakteur Chris Hahn hat Deutsch und Musik auf Lehramt studiert und war selbst zwei Jahre lang Lehrer an einem Gymnasium. Über seine Erfahrungen und warum er dem Schulsystem den Rücken gekehrt hat, berichtet er in diesem Artikel.

Fail-Faktor Lehrende

Als Teenager war meine Schulzeit durchzogen von Angst und Selbstzweifeln. Demütigungen seitens meiner LehrerInnen standen an der Tagesordnung – mit ewiggestrigen Standarddiffamierungen und vermeintlich hippen Onelinern, mit denen sie so "cool" sein wollten wie ihre minderjährigen Schützlinge. Kränkungen, ausgesprochen und praktiziert von genau jenen Personen, die Heranreifenden Werte wie Anstand, Rechtschaffenheit, Fairness, Toleranz, Empathie und Aufrichtigkeit vermitteln sollen.

Täglich musste ich erleben, wie der Löwenanteil genau dieser Menschen absolut gar nichts von Kinder- und Jugendpsychologie verstand und leider auch keine Ambitionen aufwies, an diesem Zustand etwas zu ändern. Ein tragisches Paradoxon, das sich bis heute nicht geändert hat, das ich viele Jahre nach meinem Schülerdasein auch von der anderen Seite des Lehrertisches beobachten konnte.

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Dabei ist es für mich eine indiskutable Grundvoraussetzung, dass Lehrende Personen sein müssen, bei denen sich SchülerInnen wertgeschätzt und verstanden fühlen. Und gab es bereits zu meiner Schulzeit noch eine unfassbar hohe Zahl an Unterrichtenden, die nur allzu oft für die Zerstörung potenzieller Karrieren oder lebenslange Ängste und Aversionen verantwortlich zeichneten, so scheint diese unveränderte Tatsache angesichts wachsender alltäglicher Belastungen und Herausforderungen heute umso trauriger.

LehrerIn zu sein ist weniger eine Frage der Profession, als vielmehr eine Frage der Passion. Das Berufsbild fordert Menschen, die zuallererst das Wohl und das Vorankommen der SchülerInnen im Fokus haben. Dann lange nichts. Dann alles andere. Menschen, die sich im Namen ihrer Schützlinge etwas trauen, für sie aufstehen, über den Tellerrand blicken und sie in eine proaktive, gestalterische Zukunft begleiten. Keine Alltagsautomaten, die zugunsten des Hauskredits, der Leasingrate fürs Auto oder der heiligen Sommerferien dort den Mund halten, wo sie eigentlich anderer Meinung wären.

Mir persönlich war als Lehrer die Arbeit mit den SchülerInnen stets Ehre und Privileg. Anders als mit meinen KollegInnen, von denen ich das rückblickend nur sehr vereinzelt behaupten kann. Der Großteil des Lehrkörpers an meinem Gymnasium bestand leider aus Personen, die jede Innovation sofort im Keim erstickten, die ihre jahrzehntelang warmgepupste Komfortzone in Gefahr hätte bringen können.

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Eine Haltung, die von Dienstjahr zu Dienstjahr aggressiver wurde. Hausübungen, Schularbeiten, Unterrichtsvorbereitungen, Arbeitsblätter, Ablaufkonzepte und dergleichen wurden in den ersten Dienstjahren ausgearbeitet und seither wenig bis gar nicht adaptiert. "Jeder zusätzliche Handgriff ist ein Handgriff zu viel" schien eine Maxime zu sein.

Ich möchte aber nicht unfair sein. Denn es gibt durchaus Gründe, warum so manche/r KollegIn einen Mehraufwand in Kauf nimmt. Ein besonders starkes Motiv ist der persönliche Geltungsdrang. Da werden dann schon mal gerne spezielle Aktionen für Schulfeste oder ganze Theater- und Musicalvorführungen auf die Beine gestellt. Selbst in Schulen, die sonst nicht einmal einen Musiksaal vorzuweisen haben, wie etwa jene, in der ich unterrichtet habe.

Unterm Strich lässt sich sagen, dass sich der Pensionsbezug nach Beendigung eines LehrerInnen-Lebens an den Dienstjahren misst, somit unabhängig davon ist, ob man sich für seine SchülerInnen abgestrampelt oder einfach nur Dienst nach Vorschrift verrichtet hat. Und das ist für viele LehrerInnen sehr, sehr praktisch.

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Fail-Faktor Institution

Die Schule sollte ein Ort sein, auf den sich junge Menschen freuen. Ein Ort, wo sie Neues erfahren, der sie bereichert, der ihren natürlichen Wissensdurst stillt, antreibt und aufrechterhält. Denn der Drang nach Erkenntnis liegt in der menschlichen Natur, speziell im Naturell von Kindern und Jugendlichen, die hinterfragen und die Welt und das Leben verstehen wollen. Weil aber das Leben in der Schule immer noch ein blinder Passagier ist, tritt sie diese natürliche Neugierde in den meisten Fällen konsequent in die Tonne.

Hier liegt der erste Hund begraben. Denn nicht nur die Hormone schießen wie Billardkugeln durch die Körper unserer Kinder. Auch die Instinkte pochen auf ihr Recht und sind in den allermeisten Fällen sehr intensiv ausgeprägt. Mitunter dafür, was man im Leben braucht und was nicht.

Die oft gestellten Fragen nach dem Warum und Wozu sind daher mehr als gerechtfertigt und jede/r Lehrbeauftragte, der oder die seinen beziehungsweise ihren SchülerInnen darauf keine vernünftige Antwort geben kann oder will, nimmt seinen/ihren Auftrag nicht wahr! Kinder fühlen, ob etwas relevant ist oder nicht und ob das vermeintliche Wissen, das man an sie heranträgt Wert hat. Schon Viktor Frankl stellte fest: "Wer ein Warum hat, erträgt fast jedes Wie."

Aus dem "ich muss" ein "ich darf" zu machen – das sollte das Credo der Schule sein! Ziemlich sicher hätte das auch einen positiven Effekt auf den immer weiter ansteigenden Nachhilfe-Bedarf – nämlich im Sinne von Rückläufigkeit. Die Schule des einundzwanzigsten Jahrhunderts wäre verpflichtet, Ansätze und Strategien zu liefern, wie es gelingen könnte, die Welt zum Positiven zu verändern! Denn es werden die Folgegenerationen sein, die den Klimakarren aus dem Dreck werden ziehen müssen. Die endlich tatsächlich Werte wie Anstand, Rechtschaffenheit, Fairness, Toleranz, Empathie und Aufrichtigkeit werden leben müssen, weil die Menschheit sonst an ihrer (treib)hausgemachten Arroganz erstickt.

Das Gymnasium wäre eigentlich ein optimaler Ort, um diese Werte zu vermitteln. Dort treten Menschen immerhin als Kinder ein und verlassen die Einrichtung als Erwachsene. Ein Raum mit massivem Potenzial also, das leider, wie ich aus Erfahrung sagen kann, nicht ansatzweise ausgeschöpft wird.

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Fail-Faktor Lernpsychologie

Die Psychologie des Lernens ist heutzutage ein gut erforschtes Gebiet. Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Sechsjährige sich im Schnitt 15 Minuten konzentrieren können, Neunjährige 20 Minuten und Elfjährige in etwa eine halbe Stunde. Dennoch folgen auf 50 Minuten Mathematik immer noch 50 Minuten Englisch und darauf weitere 50 Minuten Biologie. Oftmals ohne dezidierte Pausen zwischen den Fächern. Eine hirn- und kindgerechte Adaptierung des Unterrichts nach lernpsychologischen Erkenntnissen ist also auch heute noch Fehlanzeige.

Wider besseres Wissen werden unsere Kinder immer noch in Bänke verfrachtet, wo sie stundenlang hocken müssen und in einer 50-Minuten-Taktung mit "Stoff" verschiedenster Bereiche vollgestopft werden. Dieser wird zu einem gewissen Zeitpunkt abgeprüft – da muss er dann sitzen, da wird er bewertet. Was anschließend hängen bleibt oder nicht, ist sekundär.

Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang auch schon der deutsche Philosoph Richard David Precht stellt, ist, wie viel als wirklich verstandenes Wissen, als durchdachtes und auch abrufbares Wissen übrigbleibt und damit Teil des eigenen Lebens wird, wenn das Schulsystem auf kurzfristiges Merken und "Bulimielernen" ausgelegt ist?

Die logische Schlussfolgerung ist denkbar einfach. Wenn wertvolles Wissen verinnerlicht werden soll, muss das Niveau gehoben werden. Wenn das Niveau gehoben werden soll, muss die Menge des Stoffs reduziert werden. Mehr Qualität bei weniger Quantität, mehr Nachhaltigkeit statt Kurzfristigkeit. Dann wäre auch gewährleistet, dass das Lernen tatsächlich zu mehr Lebensqualität beiträgt, nicht zu weniger!

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Denn allzu oft sagen Kinder ihre Teilnahme an Freizeitaktivitäten, an Treffen und Feiern ab oder hören auf, ein Musikinstrument zu erlernen oder einen Sport zu betreiben, weil es sich mit der Schule nicht vereinbaren lässt. Hier könnte man die Frage aufwerfen, ob die Schule abseits der Schule überhaupt etwas verloren hat.

Es ist eine unfassbare Traurigkeit, eine sportliche Aktivität einzustellen. Bewegung formt den Geist. Beim Sport werden Attribute wie Fairness und Gerechtigkeit erlernt. Das wäre noch halbwegs erträglich, würde die Schule diesen Verlust kompensieren. Doch wenn man sich die Entwicklung des Lehrplans über die vergangenen Jahre und Jahrzehnte hinweg ansieht, wird ersichtlich, wie Sportstunden zugunsten vermeintlich wichtigerer Fächer gestrichen werden. Genauso wie alles Musische sukzessive im Hintergrund verschwindet.

Ein weiterer anti-pädagogischer Evergreen: die Notengebung! Was wäre das gute, alte, verkrustete Schulsystem nur ohne sie? Noten! Diese lästigen Biester, die genau eines tun – eine punktuelle Leistung innerhalb einer bestimmten Zeit beurteilen. Allein das spricht dem Notengeben jegliche Sinnhaftigkeit ab. Was man damit aber gut erreichen kann, ist ein sich dauerhaft etablierendes negatives Selbstverständnis bei jenen Pubertierenden, die das "Nicht Genügend" irgendwann auch fürs eigene Spiegelbild übernehmen.

Vernünftiger wäre es zu akzeptieren, dass sich die Begabungen eines Menschen nicht abschließend beurteilen lassen, wenn er oder sie gerade einmal zehn Jahre alt ist oder in der Pubertät steckt. Lernerfolg hängt massiv vom Hormonhaushalt ab. Depressionstendenzen im Übrigen auch …

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Fail-Faktor Lehrinhalte

Von Humboldt stammt der Satz: "Alles Lernen steht im Dienst der Ausformung und Reifung der Persönlichkeit." Auf unsere SchülerInnen übertragen, bedeutet das, zu lernen wie man Verantwortung für sich und für andere übernimmt. Wie man sich in einer Gemeinschaft einbringt und mitwirkt, sich dabei auch über den eigenen Horizont hinauswagt.

Wie man Persönlichkeit entwickelt und sich so gut wie möglich in der Welt zurechtfindet und sie schützt, bessere Selbstkontrolle erarbeitet, sich besser motiviert, gesünder leben kann, etc. Das sollte im Fokus der Schule liegen! Eine vernünftige Antwort auf die Frage zu finden, welche Rolle man in der Gesellschaft spielen möchte.

Es ist tragisch genug, wenn dem PISA-Wahnsinn Folge geleistet wird, der in erster Linie mathematische und naturwissenschaftliche Kompetenzen misst, jedoch nicht wie musikalisch, sportlich, historisch gebildet oder politisch informiert junge Menschen sind. Komplett missachtet bleiben die sozialen Kompetenzen, die sogenannte Herzensbildung, die Fähigkeit zur Selbstkritik sowie die Persönlichkeit in ihrer Gesamtheit und das Selbstbewusstsein.

Ebenfalls Attribute wie Kommunikationsfähigkeit, Kooperation, Konfliktlösung, Führung, Durchsetzung, Selbstkompetenz, Lernkompetenz, kreative Kompetenz, Innovationskompetenz, verbale sowie nonverbale Sprachkompetenz. Wesentlich wichtiger als die Theorie der Grammatik ist nämlich, sich in der Praxis variantenreich und elegant ausdrücken zu können. Reden zu können ist eine der wichtigsten Fähigkeiten im Leben.

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Vielleicht ist es vermessen zu behaupten, dass in einer Zeit, in der das Verfügungswissen meist nur einen Smartphonewisch entfernt liegt, der Fokus umso mehr auf dem Erwerb des Orientierungswissens liegen müsste. Unbestritten ist es aber an der Zeit, dass die Schule ihren Auftrag wahrnimmt, den künftigen Generationen ihren Weg in ein erfülltes Sozial- und Berufsleben zu ebnen.

Ein Stichwort wäre hier der sogenannte "Quartäre Sektor", in dem die meisten unserer gegenwärtigen SchülerInnen zukünftig Berufe ausüben werden, die heute in dieser Form noch gar nicht existieren. Wie ernsthaft kann das gegenwärtige Schulsystem, das noch immer zu einem Großteil im letzten Jahrhundert festhängt, behaupten, dass es auf eine solche Zukunft vorbereitet?

"Digitale Bildung" nennt sich das "Halbfach", das sich in den vergangenen Jahren mit ein paar lachhaften Zusatzstunden zwischen die Haupt- und Nebenfächer geschummelt hat. Viel lachhafter offenbart sich hier die Expertise der meisten LehrerInnen, deren Weiterbildungsdrang auch auf diesem Sektor schwer zu wünschen übriglässt.

Da wird auf Teufel komm raus versucht, den Programmen PowerPoint und Excel noch die letzten offenen Geheimnisse zu entlocken, während die SchülerInnen unter der Bank die sozialen Netzwerke auf ihren Smartphones bedienen. Zumindest wahrt man den Schein, dem Bildungsauftrag nachzukommen und dabei noch modernen Anforderungen Genüge zu tun. Natürlich nicht zu vergessen – der weitere Bewertungsparameter für die Statistik!

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Ein persönliches Resümee

Ich bin heute nicht mehr verwundert darüber, dass engagierte LehrerInnen mit Weltgestaltungsenergie nach zwei, fünf oder zehn Jahren Dienst nach Vorschrift verrichten. Denn seit Bestehen der allgemeinen Schulpflicht hat sich nichts Maßgebliches geändert.

Nach wie vor muss der "Stoff" in einem gewissen Zeitraum durchgeboxt werden. Lehrende stehen unter Druck – in vielen Fällen ausgehend vom System und unmittelbaren KollegInnen – übertragen diesen auf ihre SchülerInnen, und bei 20 bis 25 Kindern pro Klasse bleiben die Individualität und in logischer Konsequenz auch immer wieder einzelne Charaktere auf der Strecke.

Die Schule ist nach wie vor ein Ort, an dem ein fragwürdiges Kontingent abgearbeitet wird und das Kind als Individuum gar nicht richtig vorkommt (mit ein paar wenigen Ausnahmen, die bereits der finanzkapitalistisch orientierten Massenkompatibilität entsprechen). Kinder und Jugendliche nach ihren Begabungen individuell zu fördern und das konventionelle Schulsystem schließen einander aus.

Am Ende meiner Reflexions-Reise durch unser Schulsystem möchte ich noch eine Anekdote aus meinem Lehreralltag erzählen, die mir heute noch Kopfzerbrechen bereitet:

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Es war zu Schuljahresbeginn, als die Direktorin dazu aufrief, Punkt 07:30 Uhr im Lehrerzimmer zu erscheinen, um über die Aufstiegsklausel dreier SchülerInnen abzustimmen. Tatsächlich handelte es sich um keine geringere Entscheidung als die, ob diese drei Jugendlichen ein Schuljahr wiederholen müssen, oder mit einem "Nicht Genügend" im Zeugnis dennoch mit ihrer gewohnten Klassengemeinschaft in die nächsthöhere Schulstufe aufsteigen dürfen. Bei der Entscheidungsfindung hatten die KlassenlehrerInnen darüber abzustimmen, doch zuvor musste noch geklärt werden, ob die Kinder sogenannte "Leistungsreserven" haben.

Hat ein/e SchülerIn lediglich einen Fünfer im Zeugnis, ansonsten aber nur Noten von Eins bis Drei, kann sofort abgestimmt werden. Hat er oder sie neben seinem "Nicht Genügend" jedoch einen oder mehrere Vierer, so müssen in den Vierer-Fächern Leistungsreserven nachweisbar sein. Diese bestehen dann, wenn bei Tests, Schularbeiten und anderen bewertbaren Leistungen Einzelbeurteilungen von Eins bis Drei zu finden sind. Ein Vierer-Fach, dessen Endnote sich nur aus Vierern und Fünfern zusammensetzt, hat keine Leistungsreserven vorzuweisen.

Es war 07:40 Uhr. Die Englischlehrerin fehlte. Ganz zum Missfallen der Direktorin, deren Toleranz für Unpünktlichkeit in etwa so groß war wie für Tattoos.

"Gut, dann stimmen wir jetzt ohne sie ab!", entschied sie. Gesagt, getan. Ein Schüler war noch übrig. Zwei Vierer-Fächer mit Leistungsreserven, und bis auf zwei Ausnahmen waren sich alle KlassenlehrerInnen über den Aufstieg des Jugendlichen in die siebente Klasse einig. Mehrheitsentscheidung. Ich atmete für den Schüler auf. Doch dann, 07:42 Uhr – die Türe ging auf und die Englischlehrerin trat ein.

Direktorin: "07:30 Uhr haben wir gesagt.”

Englischlehrerin: "Ja, ich weiß."

Es blieb bei dieser knappen Antwort. Keine Erklärung, keine Rechtfertigung.

Direktorin: "Wir haben ja noch anderes auch zu tun! Wie is das jetzt mit dem Mustermann? Hat der Leistungsreserven bei dir, jo oder na?”

Englischlehrerin: "Naja, wennst mich jetzt so gach fragst, eher na."

Gach? Davon konnte bei weitem keine Rede sein. Doch das Schicksal des jungen Mannes war besiegelt. Ein Schuljahr wiederholen. Raus aus der Klassengemeinschaft, rein in eine neue. Während der Pubertät, aktuell noch unwissend um eine Entscheidung bangend, die im wahrsten Sinne des Wortes zwischen Tür und Angel gefällt wurde – unmotiviert und respektlos.

"Wenn das mein Kind gewesen wäre und ich draufkommen würde, wie das abgelaufen ist, würde ich euch die Bude anzünden", schoss ein älterer Kollege bei der Konferenz am Nachmittag noch nach. Endlich jemand, der den Mund aufmachte! Endlich jemand, der sich traute!

"Ja. Deshalb bestehe ich auf die Verschwiegenheit aller Kollegen", war die unmittelbare Antwort der Direktorin.

Nächster Programmpunkt. Die Sache war abgehakt. Das Schulsystem hatte wieder einmal ganze Arbeit geleistet.