TikToks Bananenfrau isst 40 Bananen pro Woche – ist das gesund?

Screenshot TikTok / @vegan.weil.es.guttut

TikToks vegane "Bananenfrau" isst 40 Bananen pro Woche

Eine Ernährungsberaterin, die 30-40 Bananen in der Woche isst? Macht das überhaupt Sinn?
Dario Bojic

Das persönliche Essverhalten im Internet zu offenbaren, ist immer ein Risiko. Als sehr persönliches Thema ist Ernährung auch eines, bei dem verschiedene Meinungen leicht aufeinanderprallen. Es hilft aber auch vielen da draußen, wenn sie sehen, dass sie mit ihren Sorgen und ihrem Stress rund um das Thema Ernährung nicht alleine sind.

Johanna Friedemann ist bei TikTok als "Bananenfrau" bekannt, weil sie gerne Bananen isst. In vielen ihrer "What I Eat in a Day"-Videos verarbeitet sie einen ganzen Bananenstrauch zu einem Smoothie. Früher litt sie an Übergewicht und beschloss 2018, etwas dagegen zu unternehmen. Heute isst sie "intuitiv" und danach, was sie glücklich macht. Ist das gesund?

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Warum ist Johanna so bekannt?

Johanna isst gerne viel Obst, nehmen wir zum Beispiel eines ihrer Videos, in dem sie zeigt, was sie an einem Tag so isst:

Sie beginnt den Tag mit einem Liter Orangensaft, gefolgt von einer Kaki. Vitamine am frühen Morgen klar. Dann kommt der berüchtigte Bananen-Smoothie: 5 Bananen und Wasser in den Mixer und runter damit. Zur Abwechslung sind auch Himbeeren drin. Gegen Ende des Videos noch 36 Stück Maki mit Paprika, Salat und Gurke klingt doch gesund, oder?

Nicht ganz: Viele Nutzer:innen kritisieren die offensichtlich fehlenden Eiweiße und Fette, die dem Gesundheitsministerium zufolge für eine gesunde und ausgewogene Ernährung unerlässlich sind. Aber noch viel mehr Nutzer:innen stören sich an etwas ganz anderem!

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Ist so viel Fruchtzucker nicht ungesund?

Johanna liebt Kohlenhydrate, sagt sie selbst. Die Mengen an Nudeln, Reis und Obst in ihren Videos sind für manche zu viel. Nach unserer Schätzung hat Johanna in dem obigen Video etwa 1600 kcal zu sich genommen, was für eine nicht-riesige Frau durchaus eine ausreichende Energiezufuhr darstellt. Vor allem für eine Frau, die mit Gewichtsproblemen schwer zu kämpfen hatte, und vielleicht weiter abnehmen möchte (aber nicht muss!).

Allerdings hat sie im Laufe des Tages auch 152 Gramm Zucker und eben kaum Fette oder Eiweiße zu sich genommen. Die WHO empfiehlt laut "AGES", nicht mehr als etwa 10 Prozent des Tagesbedarfs durch freie Zucker zu decken. Das sind für den nicht-existenten 2000 kcal-Durchschnittsmenschen etwa 50 Gramm Süßes pro Tag. Dieses gilt jedoch nur für sogenannte "freie Zucker", also Zuckerzusätze jeglicher Art und auch Fruchtsäfte.

Die WHO-Richtlinie bezieht sich nicht auf den natürlichen, in frischem Obst oder in Milch vorkommenden Zucker, sondern nur auf den freien Zucker aller Zuckerarten.

Obwohl die "Bananenfrau" das WHO-Ziel weit übertrifft und scheinbar Unmengen an Zucker zu sich nimmt, ist sie nicht todkrank und fühlt sich heute 100 Mal wohler in ihrem Körper. Woran liegt das?

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Freier Zucker vs. Obst & Co.

Wenn wir 150 Gramm Rohzucker zu uns nehmen, zum Beispiel in Form von Sirup oder Saft, ist unser Körper überfordert. Es ist zu viel Zucker in zu kurzer Zeit, der Blutzuckerspiegel steigt, wir werden durstig und müde. Nehmen wir die gleiche Menge aber in Form von Obst zu uns, das den Zucker in ein "Paket" aus Nährstoffen, Vitaminen und Ballaststoffen verpackt, wird die Freisetzung des Zuckers im Magen verzögert. Der Blutzuckerspiegel kann so vom Körper reguliert werden.

Das ist bei Obst und Gemüse in Form von Säften und Smoothies nicht der Fall. Der "natürliche Schutz", den uns die Verdauungszeit bietet, geht verloren, der gesamte Zuckergehalt erreicht uns wieder auf einmal.

Johanna als zertifizierte vegane Ernährungsberaterin wird sich dieser Umstände wohl bewusst sein, weshalb sie in der Regel auf zugesetzten Zucker verzichtet, was ihre "Zuckergleichung" vielleicht aufgehen lässt.

Wir haben Johanna um einen Kommentar gebeten, aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels noch keine Antwort erhalten. Jedoch geht sie in einem ihrer Videos besonders auf das Bananen-Thema ein.

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Summa summarum: Es ist definitiv nicht empfehlenswert, Johannas vegane Ernährung nachzuahmen. Johanna hatte in der Vergangenheit Schwierigkeiten, ein gesundes Gewicht zu halten und hat mittlerweile glücklicherweise Wege gefunden, dies in den Griff zu bekommen. Dass diese Wege nicht immer gesund sind ist auch klar, aber eine "perfekte Ernährung für alle" gibt es eben nicht. Sie teilt ihre Videos auf Instagram und TikTok, ruft aber in keinem ihrer Clips zur Nachahmung auf.

Was sie jedoch fordert, ist mehr Obst und Gemüse zu essen, kein Essen zu verschwenden und als Veganerin auch Tierleid zu vermeiden.