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DaBaby: Nach homophoben HIV/AIDS-Aussagen sucht er nun Beratung

Auf einem Konzert äußerte sich Rapper DaBaby homophob in Bezug auf HIV/AIDS. Eine Entschuldigung hat er später wieder gelöscht.

Rapper DaBaby ist hierzulande in erster Linie durch seine Zusammenarbeit mit Dua Lipa bekannt. "Levitating", ihr gemeinsamer Song, hält sich seit Monaten in den Top 10 der US-amerikanischen Charts und ist dort schon jetzt einer der größten Hits des Jahrzehnts. Den Erfolg trübt nun ein Skandal: DaBaby macht mit homophoben Aussagen von sich reden, in denen er das Stigma rund um HIV/AIDS als Homosexuellen-Krankheit bestärkt.

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Wie ein Twitter-Video zeigt, hat der Rapper während eines Konzerts folgende Worte an sein Publikum gerichtet: "Wenn ihr heute nicht mit HIV, AIDS oder einer dieser tödlichen, sexuell übertragbaren Krankheiten, an denen ihr in zwei oder drei Wochen sterben werdet, hergekommen seid, dann hebt euer Handy hoch. (...) Männer, wenn ihr keine Schwänze auf dem Parkplatz lutscht, hebt euer Handy hoch."

Die Aussagen sorgten vor allem innerhalb der queeren Community für viel Kritik. Dua Lipa teilte auf Instagram ein Statement, in dem sie Stellung zu den Aussagen bezieht: "Ich bin überrascht und entsetzt über die Kommentare von DaBaby. Ich erkenne darin nicht die Person, mit der ich zusammengearbeitet habe. Ich weiß, dass meine Fans wissen, wo mein Herz liegt und dass ich zu 100 Prozent hinter der LGBTQ-Community stehe. Wir müssen zusammenkommen, um das Stigma und die Ignoranz rund um HIV/AIDS zu bekämpfen."

Auch Demi Lovato teilte ein Posting auf Instagram, das DaBabys Aussagen gilt. Lovato betont darin, dass HIV/AIDS keine "schwule Krankheit" ist. Jahrzehntelang sei HIV/AIDS als Ausrede genutzt worden, um negative und gefährliche Vorurteile gegenüber queeren Menschen aufrechtzuerhalten, so Lovato. "Wir müssen das Stigma rund um HIV/AIDS zerstören. Aber das werden wir nicht schaffen, solange heterosexuelle Menschen glauben, es hätte nichts mit ihnen zu tun."

DaBaby veröffentlicht Statement

Auf Twitter nimmt DaBaby nun Bezug auf seine Äußerungen und den darauffolgenden Shitstorm: "Alle, die jemals von AIDS/HIV betroffen waren, haben das Recht, verärgert zu sein. Was ich sagte, war unsensibel. Obwohl ich nicht die Absicht hatte, jemanden zu beleidigen. Also entschuldige ich mich." 

Wie "Radar Online" berichtet, sprach der Rapper den Vorfall auch in seiner Instagram-Story an. Dort soll er eine bizarre Rechtfertigung für seine Aussagen vorgelegt haben: "Ich sagte: 'Wenn ihr keine Schwänze auf dem Parkplatz lutscht, hebt euer Handy hoch.' Und alle Handys gingen nach oben – egal, ob schwul oder hetero –, wisst ihr warum? Weil sogar meine schwulen Fans kein verdammtes AIDS haben. (...) Meine schwulen Fans passen auf sich auf. Sie sind keine ekligen schwulen N*****, wisst ihr, was ich meine? Sie sind keine Straßen-Junkies."

Anders wie von DaBaby dargestellt, muss man weder schwul noch ein Junkie sein, um sich mit HIV zu infizieren. In Österreich werden jährlich laut Gesundheitsministerium an die 500 Neuinfektionen mit dem HI-Virus diagnostiziert. Die wirksamste Methode, um sich vor einer sexuellen Übertragung zu schützen, ist nach wie vor die Verwendung eines Kondoms. 

Madonna schießt auf Instagram gegen DaBaby

Sogar die Queen of Pop höchstpersönlich teilte inzwischen einen offenen Brief an DaBaby auf Instagram. Die Kommentare dürften bei ihr einen Nerv getroffen haben: Madonna setzt sich bereits seit Ende der 80er Jahre offen für die Bekämpfung von HIV und AIDS ein.

Auf ihrem Instagram-Account schreibt Madonna: "Wenn du hasserfüllte Bemerkungen gegenüber der LGBTQ+-Community über HIV/AIDS machen willst, kenn deine Fakten: Nach Jahrzehnten harter wissenschaftlicher Forschung gibt es inzwischen lebensrettende Medikamente für Kinder, die mit HIV geboren wurden, für Menschen, die sich durch Bluttransfusionen, schmutzige Nadeln oder den Austausch von Körperflüssigkeiten mit HIV infizieren. Diese neuen antiretroviralen Behandlungen können eine Person mit AIDS für den Rest ihres Lebens am Leben erhalten!"

DaBaby zeigt sich indessen weiterhin unbeeindruckt von all der Kritik. In seiner Instagram-Story schreibt er, all jene, die nun ihre Stimme gegen ihn erheben, würden lediglich mit dem Strom schwimmen. Man könne Fans nicht dazu beeinflussen, sich nun von ihm abzuwenden, weil er nun mal "der Einfluss" sei. "Sie hören auf das, was ich sage, nicht was ihr sagt."

Miley Cyrus will DaBaby aufklären

Nachdem zahlreiche Festivals DaBaby von ihrem Line-up entfernten, äußert sich nun auch Miley Cyrus zu der Situation. Als stolzes Mitglied der LGBTQIA+-Community habe sie einen Großteil ihres Lebens der Liebe, Akzeptanz und Aufgeschlossenheit gewidmet, so die Sängerin auf Instagram. Cyrus spricht sich außerdem gegen Cancel Culture aus: "Es ist einfacher, jemanden zu canceln, als Vergebung und Mitgefühl in uns selbst zu finden oder sich die Zeit zu nehmen, Herz und Verstand zu ändern." Für Spaltung sei kein Platz, wenn man Fortschritt sehen wolle, erklärt Cyrus.

In der zugehörigen Caption richtet Miley Cyrus direkt das Wort an Rapper DaBaby. Er solle seine DMs checken. "Ich würde liebend gerne mit dir reden und sehen, wie wir voneinander lernen und dazu beitragen können, eine gerechtere und verständnisvollere Zukunft zu gestalten!"

 

DaBaby löscht Entschuldigung

Nachdem auf dem Instagram-Account von DaBaby schließlich doch noch ein einsichtiges Statement veröffentlicht wurde, scheint der Rapper diese Worte nun wohl wieder zurücknehmen zu wollen. In dem Posting hieß es, er wolle sich bei der LGBTQ+-Community für seine "verletzenden" Kommentare entschuldigen. Er sei "falsch informiert" gewesen und wisse nun, dass es wichtig sei, sich diesbezüglich weiterzubilden.

Der Schaden war jedoch bereits angerichtet – und das Statement schien nicht mehr zu helfen. Nun scheint DaBaby zurückzurudern: Das langwierige Entschuldigungs-Posting wurde inzwischen wieder von seinem Instagram-Account entfernt. Der Rapper hat sich bislang nicht weiter dazu geäußert.

Hilfestellung von HIV-Organisationen

Wie "Just Jared" berichtet, scheint DaBaby nun doch Einsicht zu zeigen: Nach dem immensen Backlash habe der Rapper in den letzten Tagen mit mehreren Organisationen Gespräche geführt, um sich über HIV und das Leben mit dem Virus aufklären zu lassen. Das Meeting sei virtuell abgehalten worden, heißt es.