Screenshot: daserste.de

Shitstorm: Talkrunden wollen Rassismus diskutieren – ohne Schwarze Menschen

Sowohl "Maischberger" als auch "Der Spiegel" veranstalten Talkrunden zu #BlackLivesMatter – und laden dafür nur Weiße Studiogäste ein.

Die ARD-Talksendung "maischberger. die woche" gerät aktuell ins Kreuzfeuer der Kritik, nachdem bekanntgegeben wurde, dass man in der kommenden Ausgabe unter anderem über die "Black Lives Matter"-Proteste in den USA sprechen wolle. Eingeladen hat man dafür fünf vermeintliche ExpertInnen: Terra-X-Moderator Dirk Steffens, Virologin Helga Rübsamen-Schaeff, Bundesaußenminister Heiko Maas, ARD-Börsenexpertin Anja Kohl, "FOCUS"-Kolumnist Jan Fleischhauer – allesamt Weiße Menschen.

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Die Auswahl der Studiogäste sorgte schnell für einen Shitstorm auf Twitter. Der Autor Stephan Anpalagan etwa schreibt: "Finden Sie es denn gar nicht komisch, wenn ausgerechnet 6 weiße Menschen vor einem Millionenpublik über Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze diskutieren? Exakt das ist nämlich Teil des gesamten Problems."

Ein herablassender Tweet aus der "maischberger"-Redaktion, der auf die negative Kritik reagieren sollte, machte die Situation nicht gerade besser: Wie immer wolle man in der kommenden Sendung die wichtigsten Themen der Woche besprechen, neben den Unruhen in den USA zählen dazu aber auch die Entwicklungen in der Coronakrise und die Fortschritte in der Impfstoffentwicklung, heißt es darin. "Lasst uns doch alle erst mal die Sendung anschauen und anschließend gerne weiterdiskutieren. Machen wir das so?", twittert die Redaktion abschließend, gefolgt von einem zwinkernden Emoji.

Die aufgebrachten Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Neben der Aufforderung, endlich mit betroffenen Menschen zu reden, anstatt über sie, kritisierten viele Twitter-UserInnen die mitschwingende Botschaft, Schwarze Menschen könnten sich nur zu Themen wie Rassismus, nicht aber etwa zum Coronavirus äußern.

Inzwischen wurde sogar eine Petition ins Leben gerufen, die die Sendung dazu aufruft, neue Gäste einzuladen. "Streicht die Gästeliste und macht diesen Fehler wieder gut, indem ihr jenen eine Stimme gebt, die in euren Talkshows über Rassismus sprechen sollten!", heißt es in der Petition, die aktuell knapp über 2.500 Unterschriften zählt.

Inzwischen zeigt man sich einsichtig: Auf Twitter wurde bekanntgegeben, dass eine afro-amerikanische Germanistikprofessorin aus North Carolina an der Talkrunde teilnehmen werde.

"maischberger. die woche" ist allerdings nicht die einzige deutsche Talkrunde, die offenbar kein Problem darin sieht, die aktuellen Ereignisse in den USA zu besprechen, ohne dafür einen Schwarzen Menschen zu Wort kommen zu lassen: Auch "Der Spiegel" hatte eine Diskussionsrunde zum Thema geplant und dafür vier Weiße Männer eingeladen. Nach heftiger Kritik konnte man kurzfristig noch Autor Stephan Anpalagan dafür gewinnen, die Runde um eine Schwarze Stimme zu ergänzen.

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