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EVP-Chef Weber über Ukraine-Krieg: "Ein Kampf der Wertesysteme"

Manfred Weber, Fraktionschef von Europas Volkspartei, warnt davor, bei China dieselben Fehler wie bei Russland zu machen. Und er fordert eine Beitrittsperspektive der Ukraine in die Europäische Union.

Er war Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei für den Job des EU-Kommissionspräsidenten und führt als Fraktionschef die EVP im EU-Parlament. Mit dem KURIER sprach Manfred Weber über die Rolle der Christdemokraten in Europa, seinen Freund Sebastian Kurz und was er von ÖVP-Chef Karl Nehammer erwartet.

KURIER: Herr Weber, die EVP stellt nur noch in acht von 27 EU-Ländern den Regierungschef. Kann man als Fraktionschef mit so einer Quote zufrieden sein?

Manfred Weber: Es gibt nichts zu beschönigen: Wir sind in der Defensive. Und am meisten schmerzt, dass wir auch in Deutschland nicht mehr den Kanzler stellen. Aber trotz allem ist die Europäische Volkspartei die größte Parteienfamilie des Kontinents. Gegen uns geht in der EU nichts.

Was unterscheidet sie denn noch von anderen konservativen oder wirtschaftsliberalen Parteien?

Ich definiere Christdemokratie und die Volkspartei als eine breit angelegte Partei, zu der das Konservative, das christliche Denken, das Liberale und das Soziale dazugehören. Das sind unsere vier Pfeiler. Die Haupt-DNA eines bürgerlichen Politikers ist das Brückenbauen – und auch hier sind wir in der Defensive. Warum? Weil wir in einer Zeit der Polarisierung leben, in der – auch aufgrund der Logik in den sozialen Medien – Schwarz und Weiß stärker wahrgenommen werden als unser Weg des Ausgleichs. Dennoch glaube ich fest daran, dass unsere Haltung, das Brückenbauen, die Zukunft darstellt. Die Gesellschaften brauchen Zusammenhalt.

Früher einmal haben Sie die Migrationsfrage als "größte Wunde Europas" bezeichnet. Gilt das jetzt für den Ukraine-Krieg?