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Die Corona-Krise bringt Millennials dazu, wieder mehr zu telefonieren

Die Gen Y nutzt das Smartphone für viele Sachen – selten aber zum Telefonieren.

Skype-, Zoom-, WhatsApp-, Snapchat- oder FaceTime-Videoanrufe haben in den letzten Wochen immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dank dieser Technologie ist es überhaupt möglich, dass viele von uns von zuhause aus arbeiten oder ihre Familien und FreundInnen trotz Social Distancing sehen können. Laut österreichischen Mobilfunkanbieter und Telekomanbieter erlebt nun auch das traditionelle Telefonieren wieder eine Renaissance. Selbst Millennials, die eher auf WhatsApp zurückgreifen, würden aktuell immer öfter telefonieren, wie "Der Standard" berichtet.

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Dass das nicht immer so war, bezeugen nicht nur etliche Memes, Artikel oder Anekdoten – schließlich hat die telefonscheue Gen Y das Ghosten erfunden –, auch Studien belegen diese Aversion: Laut einer Umfrage, an der 1200 US-AmerikanerInnen im Alter zwischen 22 und 37 Jahren teilgenommen haben, gaben 81 Prozent der Befragten an, dass sie häufig Angst haben, am Telefon zu sprechen. Für 75 Prozent sind Anrufe eine Zeitverschwendung, 64 Prozent sagten, dass sie keine Lust hätten, sich Sorgen anderer am Handy anzuhören oder Bitten nachkommen zu müssen.

Das Telefonieren erfordert auch jede Menge Geschick: Man muss den richtigen Einstieg ins Gespräch finden, auf verbale Feinheiten des anderen achten, da man keine Emotionen im Gesicht ablesen kann und einen günstigen Zeitpunkt zum Verabschieden finden muss. All diese Dinge lassen sich im geschriebenen Wort vermeiden. Das Telefonieren an sich hat bereits eine negative Konnotation, da fast alle unangenehmen oder ernsten Gespräche meist mit einem Anruf abgewickelt werden – Jobabsagen, Arzttermine oder Anrufe von BankmitarbeiterInnen. Diese Anrufe werden meistens nie im Vorhinein angekündigt, sie sind wie Überfälle, die einen unvorbereitet treffen.  

Doch die symbiotische Beziehung zwischen Millennials und der Telefonie scheint durch die globale Pandemie etwas aus dem Gleichgewicht geraten zu sein. Selbst die Anrufe, mit denen wir nie rechnen würden oder die wir ungern entgegennehmen, sind in der Isolation ein willkommener Moment der Verbindung und Ablenkung. Video-Chats sind zwar schön und gut, sie stellen jedoch für viele, vor allem ältere Menschen, eine technische Herausforderung dar. Auch wenn das Telefonieren für viele eine Überwindung ist, ist jetzt vermutlich die richtige Zeit, jemandem die Worte "I just called to say I love you" in den Hörer zu singen.

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