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Brennende Flaggen und Furcht vor Unruhen in den USA

Angespannte Stimmung in Portland und bei Biden-Anhängern in Washington.

Brennende US-Flaggen, Aufrufe zum Aufstand und Nervosität bei Anhängern der Demokraten: In den USA war die Stimmung am Wahlabend vielerorts angespannt. Während vor dem Weißen Haus in Washington hunderte Unterstützer des demokratischen Präsidentschaftskandidaten Joe Biden bei der Stimmenauszählung mitfieberten, zogen in der seit Wochen von Anti-Rassismus-Protesten erschütterten Westküsten-Metropole Portland teils bewaffnete Aktivisten vor das dortige Gerichtsgebäude.

Die Demonstranten in Portland skandierten Parolen gegen US-Präsident Donald Trump sowie den bei der Kommunalwahl am Dienstag erfolgreichen Bürgermeister Ted Wheeler. Gerüchte über den Ausgang der Präsidentschaftswahl machten die Runde: "Ich habe gehört, es dreht sich jetzt für Trump", sagte Protest-Anführer Ty Ford. "Es wird einen Aufstand geben." Sobald das Wahlergebnis feststehe, werde es "verrückt" werden, prognostizierte er.

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Ein 20-jähriger Demonstrant, der sich "L" nannte, sagte: "Wir mögen keinen der beiden Kandidaten - ich habe, Schande über mich, für Biden gestimmt. Aber sollte Trump für vier weitere Jahre gewählt werden, würden die Leute ausrasten", sagte er.

Ähnlich äußerte sich der 22-jährige Aktivist D.D.: Der Urnengang sei eine Wahl zwischen zwei Übeln. "Aber wir werden uns mit Biden abfinden."

Aktivisten zündeten vor dem Bundesgericht von Oregon zwei US-Flaggen an. Bis in die frühen Morgenstunden am Mittwoch schritt die Polizei nicht ein. Zuvor hatte es einen dreistündigen Demonstrationszug durch das Zentrum von Portland gegeben, an dem sich auch mehrere mit Schuss- und Stichwaffen bewaffnete Aktivisten beteiligten.

Die US-Bundespolizei FBI hatte im Vorfeld der Wahl vor bewaffneten Zusammenstößen zwischen linken und rechten Aktivisten gewarnt. Selbsternannte, rechtsextreme Bürgerwehren wie die "Proud Boys" waren in der Nacht zum Mittwoch jedoch nicht zu sehen.

Demonstrationen der Bewegung "Black Lives Matter" gegen Rassismus und Polizeigewalt in Portland waren in den vergangenen Monaten immer wieder in Gewalt umgeschlagen; rechte Milizen und linke Aktivisten lieferten sich mehrfach Auseinandersetzungen. Trump warf den Behörden in Oregon wiederholt vor, die Lage nicht im Griff zu haben und entsandte gegen deren ausdrücklichen Willen Bundespolizisten nach Portland.

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Auch in der Hauptstadt Washington gingen Trump-Gegner und "Black Lives Matter"-Aktivisten am Wahlabend auf die Straße. Vor dem Weißen Haus versammelten sich Anhänger der Demokraten, um die Prognosen aus einzelnen Bundesstaaten über riesige Bildschirme zu verfolgen.

"Wir wollten Joe Biden und (seine Vize-Kandidatin) Kamala Harris unterstützen, mit der Hoffnung auf eine Feier", sagte die 51-jährige Tammi Girgenti. Doch statt eines Erdrutsch-Sieges für den Demokraten gab es eine Hängepartie. Enttäuscht sei sie über das Ergebnis aus ihrer Heimat Florida: Der Schlüsselstaat ging unerwartet deutlich an Trump. Girgenti gab sich dennoch zuversichtlich: "Mir geht's gut, ein bisschen nervös und besorgt, aber ich denke, am Ende der heutigen Nacht oder morgen oder am Tag danach kann Biden (einen Sieg) erringen."

Hoffnungsvoll zeigte sich auch der 22-jährige Jake, der sich mit Freunden getroffen hatte, um den Wahlausgang zu verfolgen: "Wir sind nicht bester Laune, aber ich weiß, dass die Briefwahl-Stimmen immer etwas später kommen und daher war ich auf eine frühe Trump-Führung eingestellt."

Manche waren von weit angereist, um die historische Wahl in Washington miterleben zu können. Die befreundeten New Yorker Autorinnen Susan Ryan und Lauren Sanders hofften auf eine Siegesfeier. Sanders versicherte: "Wir werden nicht von der Straße gehen, bis wir wissen, dass Donald Trump einen friedlichen Abgang akzeptiert hat."

(Von Andrew Marszal und Issam Ahmed/AFP)