APA - Austria Presse Agentur

Coronavirus ist Schlag für freischaffende Künstler

Die durch das Coronavirus notwendigen Absagen in der Kulturbranche haben viele Künstler, Veranstalter und Institutionen hart getroffen.

Ein schwerer Schlag ist die aktuelle Situation auch für freischaffende Musiker, die über kein geregeltes Einkommen verfügen, sondern sich von Auftritt zu Auftritt hanteln. Eine Umfrage erhebt nun Verdienstentgänge sowie persönliche Stimmen aus der Szene.

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Viele würden die Konsequenzen, die aus den Maßnahmen der Bundesregierung erwachsen, als "existenzbedrohend wahrnehmen", wie Dagmar Abfalter vom Institut für Kulturmanagement und Gender Studies an der Musikuni Wien sagt. Sie hat gemeinsam mit ihrer Kollegin Sandra Stini sowie Wolfgang Nagl (younion_Die Daseinsgewerkschaft) die Umfrage gestartet. Seit 12. März werden die Informationen anonymisiert erhoben, bis gestern gab es 151 vollständig ausgefüllte Fragebögen.

Demnach beläuft sich der Einkommensverlust durch die vier gewichtigsten Aufträge bei den Befragten auf gesamt 425.000 Euro, was einem Schnitt von rund 2.815 Euro pro Person entspricht. Das bezieht sich wohlgemerkt auf die Zeit bis 3. April, da der Erlass der Regierung vorerst bis zu diesem Datum gilt. Der Datensatz zeige, "dass es sich bei den entgangenen Verdiensten selten um hoch dotierte Aufträge handelt, ihr Entfall jedoch bereits häufig als existenzbedrohend betrachtet wird", so Abfalter.

Hier noch gar nicht berücksichtigt sind andere Ausfälle etwa bei Unterrichtstätigkeiten oder Absagen, die weiter in die Zukunft reichen. Diese würden die Unsicherheit bei den Betroffenen zusätzlich erhöhen. In einem offenen Teil der Umfrage berichten Musiker in persönlichen Statements von ihrer Situation. Hier heißt es etwa: "Wie ich die Rechnungen der nächsten Monate zahlen werde, weiß ich nicht, Ersparnisse gibt es keine...". In einer anderen Stellungnahme wird beklagt, dass alles "unsicher und unklar" sei - vor allem, was die Dauer der Maßnahmen betrifft. "Wir brauchen Informationen!"

Andere Künstler verweisen darauf, dass sie gerade in der jetzigen Zeit einen Großteil ihres Jahresbudgets erwirtschaften. "Meine Haupteinnahmequelle ist auf unbekannte Zeit auf Standby." Die Lage wird auch als "paralysierend" beschrieben. "Es steht alles still, bis auf die laufenden Rechnungen, auch Steuervorauszahlung... die Konsequenzen werden wir noch viel länger spüren als nur ein paar Wochen oder Monate." Letztlich bedeute die Veranstaltungsflaute für viele, "von der Hand in den Mund" leben zu müssen. Sollte der derzeitige Zustand länger als bis zum 3. April dauern, wollen Abfalter und ihre Kollegen die Umfrage entsprechend adaptieren und weiterführen.

In eine ähnliche Kerbe schlägt unterdessen das European Creative Business Network (ECBN): Hier werden die Auswirkungen für die Kreativbranche auf europäischer Ebene ebenfalls mit einer Umfrage analysiert. Damit soll erhoben werden, wie entsprechende Unterstützungen ausschauen können. Vor allem will sich das ECBN in der Folge auch mit Empfehlungen an die Entscheidungsträger wenden, wie der Krise am Kultursektor zu begegnen ist. Mit einer Veröffentlichung der Ergebnisse könne "in absehbarer Zukunft" gerechnet werden.

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