Temu könnte in Österreich richtig durchstarten.

Sophie Unger

Onlinehändler Temu startet in Österreich und könnte Amazon übertreffen

Ein neuer Stern erstrahlt am Onlineversand-Himmel: Temu startet in Österreich. Doch ist das Unternehmen besser als Amazon?
Sophie Unger

AliExpress, Wish & Co. waren gestern: Mit Temu macht ein neuer, chinesischer Onlinehändler auf sich aufmerksam und liefert seit Kurzem bereits nach Österreich. Die Produkte sind billiger als bei Amazon, teilweise wird Ware sogar einfach hergeschenkt. Doch wie kann so ein Konzept überhaupt funktionieren  und geht das alles mit rechten Dingen zu? Wir haben uns das genauer angeschaut.

Wer steckt hinter Temu?

Der Onlinehändler Temu hat zwar seinen Sitz in den USA, gehört aber zum chinesischen E-Commerce-Giganten Pinduoduo (PDD), welcher vor allem durch seine Gruppenkäufen bekannt geworden ist und große Erfolge an der Börse notiert. Temu kann man über die Website, aber vor allem über die dazugehörige App aufrufen. Von Kopfhörern über Kleidung bis hin zu Haushaltsgeräten und Spielzeug zu kaufen gibt es fast alles.

Warum ist Temu gerade so erfolgreich?

Die Strategie von Temu scheint recht einfach durchdacht: Billiger sein als alle anderen Wettbewerber. Das ist bereits beim Download der App mit dem Slogan "Shoppe wie ein Milliardär" klar ersichtlich. Besagte Kopfhörer gibt's um 4 Euro, während Abendkleider und Schuhe bereits um unter 10 Euro erworben werden können. Als zusätzliches Schnäppchen stellt sich auch die Lieferung heraus. Diese und auch das Retournieren sind nämlich kostenlos. 

Online-Marketing-Maßnahmen pushen Erfolg

Und nicht nur das: Auch das E-Commerce-Game ist hier extrem strong. Denn Kund:innen bekommen, wenn sie Bekannte und Verwandte zum Download der App animieren, zusätzliche Rabatte, sodass man die Ware oft einfach gratis erhält in jedem Fall sind die Produkte aber bis zu 90 Prozent billiger als auf anderen Plattformen erhältlich. Das führte dazu, dass die App in den USA die meisten Downloads im letzten Quartal von 2022 verzeichnete. Der Erfolg liegt auf der Hand: mit steigender Inflation und weltweiten Krisen müssen zahlreiche Menschen mehr auf ihr Börserl schauen da kommt solch ein Anbieter wohl gerade recht.

Auch die Zusammenarbeit mit Influencer:innen auf TikTok wird stark fokussiert. Wie ehrlich dann deren Bewertungen der Produkte sind, ist natürlich fraglich.

Ist Temu vertrauenswürdig?

Billig ist schön und gut, doch ist der Onlineshop vertrauenswürdig? Auf Lieferebene gibt es hier von Nutzer:innen ein klares "Ja". Die Produkte kommen innerhalb von wenigen Tagen auch wirklich bei ihnen an. In Hinblick auf Qualität bestehen jedoch große Zweifel. "Man bekommt halt das, wofür man bezahlt", hieß es etwa auf gutefragen.net. Sprich: Top-Qualität ist nicht unbedingt drin. 

Warum sind die Temu-Produkte so billig?

Das führt uns zur nächsten Frage: "Wie kann das so billig sein?". Laut offiziellen Angaben nutzt man das Logistik- und Produzenten-Netzwerk der milliardenschweren Muttergesellschaft, was zu Einsparungen bei Personal und Zwischenhändlern führt. Das sogenannte "Dropshipping" macht die Produkte somit nicht unique, da sie alle aus ein und derselben Fabrik stammen. Wer also ein Einzelstück sucht, ist hier fehl am Platz.

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Wie steht es um die Arbeitsbedingungen?

Wie auch bei anderen Online-Versandhäusern fragt man sich, wie es bei Temu etwa um die Arbeitsbedingungen steht. Aufgrund des erst kürzlich hingelegten Starts kann man dazu noch nicht viel sagen. Aber es dürfte wohl nicht viel anders als bei anderen chinesischen E-Commerce-Firmen zugehen, wo faire Arbeitsbedingungen nicht immer an oberster Stelle stehen.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, kam unlängst erst die E-Commerce-Plattform YouZan unter Zugzwang, als interne Berichte der Jahresfeier veröffentlicht wurden. Dort forderten die Chef:innen zum "996 Arbeitsethos" auf sprich sechs Tage die Woche von 9 Uhr bis 21 Uhr zu arbeiten. Wer länger als drei Tage in den Urlaub möchte, muss das laut Bericht extra beantragen. 

Wird Temu Amazon übertreffen?

Da andere Mitbewerber wie etwa "Wish" mit großen Einbußen zu kämpfen haben, könnte Temu die Gunst der Stunde nutzen. Denn Kund:innen bekritteln bei Amazon die gestiegenen Lieferkosten und bei Wish etwa die unzuverlässige Lieferung. "Im E-Commerce ist alles möglich", sagte etwa E-Commerce-Experte Uwe Leimstoll gegenüber "20Minuten". 

Die nächsten Monate werden zeigen, ob sich der Händler auch in Österreich durchsetzen kann.