Collage von k.at

Wie würde unser Leben ohne die EU aussehen?

Wir haben einen Experten gefragt, wie sich der Alltag für unsere Generation ändern würde, wenn es plötzlich keine EU mehr gäbe.

What is the EU? Diese Frage wurde am Tag nach dem Brexit-Referendum von jungen BritInnen geegoogelt, als gäbe es kein Morgen. Und nun ja, in Sachen EU gibt es für das Vereinigte Königreich wohl wirklich keines.

Seit dem Beginn des Brexit-Wahnsinns sind mögliche Ausstiegsszenarien omnipräsent und an unserem Bild der EU als unzerstörbare Institution wird gerüttelt. Und weil es mit der EU wie in einer Langzeitbeziehung ist, in der man sich manchmal aktiv daran erinnern muss, warum man das Gegenüber eigentlich liebt, wird es Zeit, die positiven Auswirkungen zu beleuchten, die die EU tagtäglich auf unser Millennial-Leben hat.

Georg Plattner, Doktorand am Centre for European Integration Research, erklärt im Gespräch mit k.at, dass unsere Generation oft vergisst, was sie an der EU hat: “Wir sind in einer Welt groß geworden, in der das keine Rolle spielt. Kein Millennial, der in Europa geboren ist, hat einen Krieg erlebt. Das ist natürlich im Alltag nicht wirklich präsent, ist jedoch der EU geschuldet.”

Gäbe es die EU plötzlich nicht mehr, würden wir mit großer Wahrscheinlichkeit im Alltag sehr darunter leiden. Laut Plattner würden so ziemlich alle Produkte teurer. “Ohne die EU hätten wir wahrscheinlich keine so umfassenden Handelsabkommen, es gäbe kleinere Absatzmärkte und daher teurere Produkte. Alles, was importiert würde, müsste teurer werden.”

Ein freies Internet

Auch Online-Shopping würde erschwert und wäre mit erhöhten Kosten verbunden: “Innerhalb der EU herrscht weitgehende Zollfreiheit. Wenn man dann online etwas in einem anderen europäischen Land bestellt, müsste man vermutlich Zoll zahlen. Ohne die EU gäbe es wahrscheinlich keinen freien Binnenmarkt mehr in Europa und Online-Shopping wäre vor allem im kleinen Österreich schwer. Da würde es sich für große Konzerne nicht auszahlen, Zweigstellen aufzubauen.”

Ein weiterer wichtiger Teil unseres Lebens würde sich ohne die EU auch verkomplizieren: die sozialen Medien. Laut Plattner könne es durchaus sein, dass es für die einzelnen europäischen Staaten viel schwieriger wäre, eigene Regelungen zu finden, wie man mit Social Media umgeht. “Die sozialen Medien hätten sich natürlich bestimmt auch ohne die EU durchgesetzt, aber gerade zu Beginn wäre es wohl schwieriger gewesen.”

Und neben unseren Shopping-Ausgaben würden auch unsere Handyrechnungen wieder in ungeahnte Höhen steigen: “Was in den letzten Jahren erst wirklich relevant geworden ist: die Fair-Use-Policy der EU, also dass man innerhalb der EU keine Roaminggebühren mehr zahlen muss. Das hat sich für uns alle extrem bezahlt gemacht. Ohne EU gäbe es das bestimmt nicht mehr, denn warum sollen nationale Mobilfunker zustimmen, einfach für alle europäischen BürgerInnen etwas zu vergünstigen?”

Das Millennial-Hobby #1: Reisen

Eines der offensichtlichsten, aber schwerwiegendsten Dinge, die sich ohne die EU für uns ändern würden: die Bewegungsfreiheit innerhalb Europas. “Man müsste immer den Pass dabei haben und höchstwahrscheinlich Visa beantragen, um zwischen den Ländern zu reisen. Auch höhere Wartezeiten an den Flughäfen – auch wenn man innerhalb der EU reist – wären unvermeidbar, weil es zu strengeren Kontrollen kommen würde.”

Apropos Reisen: Auch längerfristigere Aufenthalte würden ohne die Europäische Union schwieriger. Projekte wie Erasmus gäbe es ohne die EU nicht mehr. Zwar würde es laut Plattner wahrscheinlich Partner-Unis geben, aber ein Programm wie Erasmus wäre in dieser Form unmöglich.

Unser Leben wäre ohne die EU also nicht nur weitaus teurer, sondern auch komplizierter: Es würden Schranken aufgezogen, nicht nur physische Grenzen, sondern beispielsweise auch Grenzen des freien Handels und in der Bildungspolitik. Laut Plattner kann man nur schwer sagen, wie sich Europa ohne die EU entwickelt hätte.

Am 26. Mai findet übrigens die Europa-Wahl statt. Hier findet ihr alle wichtigen Infos.

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