APA - Austria Presse Agentur

k.at-Erfahrung: Wie läuft ein HIV-Test bei der Aids Hilfe ab?

Sich regelmäßig auf Geschlechtskrankheiten testen zu lassen, sollte Priorität haben. Das war meine Erfahrung bei der Aids Hilfe Wien.

Wann hast du dich das letzte Mal auf Human Immunodeficiency Virus (HIV) oder allgemein Geschlechtskrankheiten testen lassen? Vor sechs Monaten? Vor einem Jahr? Oder vielleicht noch nie? Sich testen zu lassen, hat meiner Meinung nach schon immer so einen bitteren Beigeschmack gehabt. Häufig wurde dies mit Annahmen wie "Ich teste mich, weil ich unvorsichtig war, einen Krankheitsverdacht oder einfach nur viele wechselnde GeschlechtspartnerInnen habe", assoziiert. Die Scham, tatsächlich zuzugeben, dass man so einen Test durchgeführt hat, war meines Erachtens nach immer groß.

Warum eigentlich? 

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HIV-Tests gehen alle was an!

Besonders in Bezug auf HIV habe ich das Gefühl, dass heterosexuellen Menschen immer noch mit dem Glauben leben, dass sie nicht von einem großen Krankheitsrisiko betroffen sind. Wenn ich in meinem FreundInnenkreis frage, wann sie sich das letzte Mal auf HIV oder andere Geschlechtskrankheiten getestet haben, dann bekomme ich nur selten eine konkrete Antwort.

"Wenn ich keine Beschwerden hab, muss ich's nicht machen, oder?", waren häufig die Reaktionen. Oftmals sind da jedoch meine schwulen Freunde immer die ersten gewesen, die ein konkretes Datum nennen konnten. "Ich geh alle vier bis sechs Monate", sagte mir M., für den der Test auf Geschlechtskrankheiten beim Urologen einfach dazugehört. 

Weltweit sind mehr als 38,4 Millionen Menschen mit HIV infiziert, in Österreich leben rund 9.000 Betroffene. Man kann sich vor allem beim ungeschützten Geschlechtsverkehr oder bei Kontakt mit Blut mit dem HI-Virus anstecken. Im Endstadium kann sich die Immunschwäche-Krankheit zu AIDS weiterentwickeln. Zu den Symptomen zählen grippeähnliche Anzeichen sowie Gewichtsverlust oder Durchfall. 

Wie "NetDoktor" erklärt, sind Frauen in heterosexuellen Beziehungen gefährdeter als Männer. Bei ungeschütztem Analverkehr ist auch das Risiko einer Infektion für den/die passive PartnerIn sehr hoch, da sich kleine Verletzungen im Anal-Bereich bilden und dadurch ein Blutkontakt möglich ist. Außerdem erleichtert der Flüssigkeitsfilm der Darmschleimhaut die Aufnahme der Viren. 

Dennoch ist meiner Meinung noch weit verbreitet, dass das Risiko einer HIV-Infektion vor allem und "fast nur" in der queeren Community präsent ist und heterosexuelle Menschen sich nicht so sehr darüber sorgen. Dabei berichtete "Guardian" im Februar 2022, dass die HIV-Infektionen bei heterosexuellen Personen in Großbritannien erstmals höher ist, als bei schwulen oder bisexuellen Männern.

Heteros sind nicht "immun" gegen HIV und testen kann dabei helfen einige unentdeckte Fälle zu identifizieren und die Verbreitung einzudämmen. 

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Keine Test für Vergebene?

Normalerweise könnte man ja einen HIV-Test (oder anderen Geschlechtskrankheiten) bei Frauen- und HausärztInnen sowie UrologInnen beantragen, doch damit hatte ich äußerst schlechte Erfahrungen. Ich kann mich erinnern, dass ich in meiner ersten Beziehung einen Rundum-Check auf Geschlechtskrankheiten beim Frauenarzt machen wollte.

Ich war frisch mit meinem Freund zusammengekommen und wollte mich absichern, da ich ja ohne Kondom Geschlechtsverkehr hätte. Seitens meines Arztes kam nur Unverständnis, immerhin wäre ich sowieso in einer monogamen Beziehung und hätte keine Beschwerden – also wozu das Ganze? 

Ich wurde ohne Test weggeschickt und war verwirrt, ich wollte ja auch für meine Untersuchung bezahlen, doch auch das interessierte den Mediziner nicht. Ziemlich schade, wenn man bedenkt, dass nicht alle Geschlechtskrankheiten klare Symptome zeigen – das betrifft unter anderem Chlamydien. Stecken sich Männer an, kann die Infektion sogar asymptomatisch verlaufen. 

Also warum werde ich abgewiesen, wenn ich mich um meine sexuelle Gesundheit kümmern möchte?

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Wie läuft ein Test im Aids Haus ab? 

Letztes Jahr habe ich mich als Neo-Single dazu entschlossen, mich regelmäßig auf HIV und weitere Geschlechtskrankheiten testen zu lassen. Immerhin wollte ich mich selbst und meine zukünftigen GeschlechtspartnerInnen vor möglichen Infektionen schützen. Nach einer kurzen Google-Suche wurde mir das Aids Haus Wien vorgeschlagen.

  • In der Einrichtung kann man sich gratis und anonym auf eine HIV-Infektion testen lassen (Labortest).
  • Ein Schnell- oder PCR-Test kann gegen Bezahlung durchgeführt werden (28 und 75 Euro). 
  • Doch auch auf Krankheiten wie Hepatitis B und C; Syphilis, Tripper sowie Chlamydien kann man sich untersuchen lassen.
  • Die Kosten variieren dabei von zwölf bis 32 Euro.
  • Einen Untersuchungstermin kann man sich ganz einfach online ausmachen. 

Ich kann mich erinnern, dass ich bei meinem ersten Besuch unglaublich nervös war, als ich das Gebäude erstmals betreten habe. Doch eines wurde mir schnell klar: das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, wie damals bei meinem Frauenarzt ,war hier nicht gegeben.

Nachdem man beim Empfang seinen Termin bestätigt, geht es weiter in den ersten Stock zur Anmeldung. Dort wird (bei Erstbesuch) ein Kennwort und eine ID-Nummer für den/die BesucherIn festgelegt.

Diese dienen vor allem dazu, die Testergebnisse zuzuordnen und später auch telefonisch abzufragen. Danach bekommt man eine Übersicht mit seinen Infos und eine Nummer zugeordnet. Diese wird verwendet, wenn man für das Erstgespräch und die Testungen aufgerufen wird, denn während des Besuchs bleibt man anonym. 

Zuerst wird man zu einem Beratungsgespräch aufgerufen, darin wird abgeklärt, warum man sich testen lassen möchte, ob es Risikokontakte gab und welche Tests man durchführen möchte. Das Beratungsgespräch findet auf Augenhöhe und ohne vorwurfsvolle Fragen statt, man hat das Gefühl man kann offen über seine Befürchtungen und sein Sexualverhalten sprechen. Nachdem ich zum ersten Mal im Aids Haus testen ließ, hatte ich das Gefühl, dass ich einen Safe Space für meine sexuelle Gesundheit gefunden habe. 

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Im Anschluss wird die Bezahlung der Tests bei der Anmeldung durchgeführt, danach wird man zur Blutabnahme, falls beispielsweise ein HIV-Test ansteht, aufgerufen. Wer sich auf weitere Geschlechtskrankheiten testen lässt, wird von einem/einer MitarbeiterIn zu einer Toilette geführt, wo die Prozedur des Selbstabstrichs erklärt wird. Nachdem man einen oralen, analen und/oder vaginalen Abstrich durchgeführt hat, bringt man seine Proben zur Anmeldung zurück. 

Je nachdem welche Testungen man vor hat, sollte man bis zu einer Stunde für seinen Besuch einplanen. Die Befunde können abgesehen von der telefonischen Abfrage auch persönlich vor Ort abgeholt werden. 

Offene Gespräche sind wichtig

Ich versuche, mich immer regelmäßig alle vier bis sechs Monate testen zu lassen. Unabhängig davon, ob ich einen Risikokontakt hatte oder nicht. Ich spreche mittlerweile auch mit meinen FreundInnen ganz offen darüber, dass ich mich testen lasse. Außerdem bin ich der Meinung, dass wir alle mehr Verantwortung in Bezug auf unser Sexualverhalten übernehmen sollten. Der verantwortungsvolle Umgang mit seinen SexualpartnerInnen und deren sowie der eigenen Gesundheit sollte immer die oberste Priorität haben. 

Falls du Beschwerden oder Schmerzen im Intimbereich oder ein allgemeines Unwohlsein wahrnehmen solltest, dann konsultiere unbedingt eine/n ÄrztIn!