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Super-Erkältung? Deshalb findest du deinen Schnupfen gerade so schlimm

Ein Experte erklärt, warum der Begriff "Super-Erkältung" nur ein Modewort ist und inwiefern es mit der Corona-Pandemie zusammenhängt.

Hast du das Gefühl, dass im Moment eine "Super-Erkältung" ihr Unwesen treibt und du dich kränklicher fühlst als vor Corona? Das stimmt laut einem Experten für Infektionskrankheiten nämlich nicht. Der Forscher erklärt, dass wir es durch die Corona-Pandemie nicht mehr gewohnt sind, krank zu sein.

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"Super-Erkältung" ist nur ein Modewort

Professor Neil Mabbott von der Universität Edinburgh erklärte, dass das Ausbleiben der meisten Viren im vergangenen Jahr aufgrund der strengen Corona-Maßnahmen zu einer nachlassenden Immunität gegenüber häufigeren Krankheiten geführt hat. Auch wenn die Menschen nach der Pandemie anfälliger für Erkältungen und Grippe sind, sei laut Mabbott der Begriff "Super-Erkältung" nur ein Modewort.

Der Experte betonte, dass in dieser Phase dennoch regelmäßige Tests wichtig sind, da einige Symptome einer Erkältung – wie Halsschmerzen und Niesen – einer Infektion mit der Corona-Delta-Variante ähneln. Außerdem sind Erkältungsviren durch Oberflächenkontakt weitaus häufiger übertragbar als Coronaviren. "Die Benutzung einer Türklinke oder eines Aufzugknopfes kann schon ausreichen, um die Erkältung oder Grippe zu übertragen", warnte der Mediziner.

"Es ist das Schlagwort, das in aller Munde ist, aber ich glaube nicht, dass wir Beweise dafür haben, dass eine Super-Erkältung oder Super-Grippe im Umlauf ist", so Mabbot. "Im Grunde ist es die Art und Weise, wie unser Körper auf die Erkältung reagiert. Das funktioniert auf mehreren Ebenen, eine davon ist, dass wir so wenig der Erkrankung ausgesetzt waren, dass die Immunität, die wir aufgebaut haben, geschwächt ist."

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Erkältungen werden zu einem "Schock" für das System

"Wir haben auch vergessen, wie es ist, eine Erkältung zu haben. Es ist ein Schock", so Mabbot weiter. "Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal erkältet war." Laut dem Experten dauern Erkältungen in der Regel nie länger als zwei bis maximal drei Wochen. 

Mabbot erklärte, dass wir normalerweise eine Immunreaktion auf die Erkältung, die im Umlauf ist, entwickeln. Das hilft, einen Schutz für die nächste Krankheitswelle aufzubauen, doch weil wir nun länger keiner Erkältungssaison ausgesetzt waren, nehmen wir die diesjährigen Erkrankungen viel intensiver wahr.

Laut Mabbot wird derzeit erforscht, wie Erkältungs- und Grippeviren mit dem Coronavirus interagieren. Zudem soll untersucht werden, ob Erkältungs- und Grippeviren uns anfälliger für das SARS-CoV-2-Virus machen. 

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Könnten Erkältungen vor Corona schützen?

Eine Studie des University College London ergab jedoch, dass eine Ansteckung mit Erkältungsviren auch einen gewissen Schutz gegen Corona bieten könnte, indem sie dem Körper helfen, das Virus zu eliminieren, bevor es beginnt, sich zu vermehren.

Die WissenschafterInnen untersuchten MitarbeiterInnen aus dem britischen Gesundheitsbereich, die in der Anfangsphase der Pandemie einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt, aber nicht erkrankt waren und keine schützenden Antikörper entwickelt hatten. Sie fanden heraus, dass die ProbandInnen zwar infiziert, aber durch ihre T-Gedächtniszellen, die infizierte Zellen zerstören können, geschützt waren.

Laut "DocCheck" stellt eine T-Gedächtniszelle eine bewiesene Zellart dar, "die Teil des immunologischen Gedächtnisses" ist. Das bedeutet, dass sie "nach einmaligem Kontakt die Reaktionsfähigkeit auf das betreffende Antigen" erhöht. 

"Diese T-Gedächtniszellen erkennen ein internes Merkmal des Coronavirus und nicht das Virus-Spike-Protein, das in den COVID-19-Impfstoffen verwendet wird. Diese neuen Informationen könnten also genutzt werden, um neue Impfstoffe zu entwickeln, die einen Kreuzschutz gegen eine Reihe von Coronaviren bieten", erklärte Mabbott.  "Es ist wichtig zu beachten, dass es neben anderen Coronaviren noch viele andere Virustypen gibt, die Erkältungen verursachen können", so der Forscher abschließend.