Haarausfall im Herbst: Wie lange dauert das und was kann man tun?

Corina Rainer / Unsplash

Saisonaler Haarausfall: Warum wir im Herbst mehr Haare verlieren

Zwischen 60 und 100 Haare pro Tag zu verlieren, ist normal. Im Herbst kann der Haarausfall aber stärker sein als sonst.
Monika Kässer

Hast du auch das Gefühl, dass dir momentan mehr Haare ausgehen? In der Bürste sammeln sich etliche Haare und auch tagsüber findest du vermehrt welche auf deinem Pulli? Damit bist du nicht allein, denn im Herbst ist der Haarausfall tatsächlich stärker als sonst. Schnell kann sich Panik breit machen, doch sogenannter saisonaler Haarausfall ist etwas ganz Natürliches und kein Grund zur Beunruhigung. 

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Natürlicher Haarzyklus

Jedes Haar unterliegt einem natürlichen Haarzyklus. Dabei durchlaufen die Haarfollikel mehrere Phasen. Die Zeit des Wachstums nennt sich anagene Phase. Diese kann bei Kopfhaaren – im Gegensatz zu Wimpern oder Augenbrauen – mehrere Jahre dauern. Circa 90 Prozent unseres gesamten Kopfhaars befinden sich in der Wachstumsphase.

In der Übergangsphase (auch Katagenphase genannt), die zwei bis drei Wochen dauert, wird die Haarwurzel nicht mehr mit Nährstoffen versorgt und die Zellteilung kommt zum Erliegen. Anschließend folgt die Ruhephase (auch Telogenphase genannt), in der das Haar am Ende abgestoßen wird. Nach zwei bis vier Monaten ist das Haarfollikel wieder einsatzbereit und startet mit einer neuen Wachstumsphase.

Warum fallen im Herbst vermehrt Haare aus?

Insbesondere im Spätsommer und Herbst häufen sich die Haare, welche sich in der Telogenphase befinden. Einer der möglichen Gründe liegt in den Einflüssen von UV-Strahlung, Chlor- und Salzwasser sowie den hohen Temperaturen, welche Kopfhaut und Haarwurzeln in den Sommermonaten stark beansprucht haben. Um Haut und Haarwurzeln vor den externen Strapazen zu schützen, findet ein vermehrter Wechsel vom Wachstum in die Ruhephase statt. Je öfter das Kopfhaar der Sonneneinstrahlung ausgesetzt war, umso stärker fällt in der Regel der herbstliche Haarwechsel aus.

Das bestätigt auch der deutsche Dermatologe Dr. Christian Merkel gegenüber "Grazia": "Im Sommer brauchen wir mehr Haare für den Sonnenschutz, sie verbleiben länger in der Lebendphase. Zum Jahresende hin – mit niedrigeren Temperaturen und weniger UV-Strahlung – fallen die Haare dann aus."

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Der Zusammenhang zwischen Jahreszeit und Haarverlust konnte von einer schwedischen Forschergruppe in einer Langzeitstudie mit über 800 Frauen nachgewiesen werden. Sie fanden heraus, dass die Studienteilnehmerinnen vor allem im Herbst überdurchschnittlich viele Haare verloren haben. Eine zweite Spitze konnten die Forscher:innen im Frühjahr feststellen, hier fällt der Haarausfall aber weniger stark aus als im Herbst.

Lichtmangel als möglicher Grund

Eine weitere Ursache für saisonalen Haarausfall kann daran liegen, dass die Tage kürzer werden. Wie einem Bericht von "Focus" zu entnehmen ist, verändert sich bei Lichtmangel die Produktion bestimmter Hormone. Das sogenannte Schlafhormon Melatonin wird in der dunklen Jahreszeit vermehrt ausgeschüttet, was zu einer vorübergehenden Hemmung des Haarwachstums führen kann.

Zeigt sich die Sonne am Himmel seltener, kann es auch zu einer saisonalen Depression kommen. Der deutsche Dermatologe Ralf Paus erklärt gegenüber "Focus": "Schwere Depressionen bedeuten Dauerstress für den Körper und Stress, soviel ist sicher, kann Haarausfall auslösen."

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Die Ursachen für saisonalen Haarausfall im Herbst:

  • Externe Einflüsse wie UV-Strahlung, Chlorwasser und Hitze
  • Folgen von Lichtmangel: vermehrte Produktion von Melatonin hemmt Haarwachstum
  • Saisonale Depression, auch bekannt als "Herbst Blues"

Wie lange dauert der saisonale Haarverlust?

Saisonaler Haarausfall dauert nicht länger als ein paar Wochen an. Dr. Christian Merkel erklärt: "Normalerweise bemerken die Patient:innen zwischen ein und drei Monate lang vermehrt Haare in der Haarbürste. Nach der Wechselzeit bildet sich aus den Haarfollikeln wieder neues Haar." 

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Was kann man tun?

Zunächst einmal Ruhe bewahren. Auch wenn diese Phase belastend sein kann: Der vermehrte Haarverlust im Herbst ist vollkommen normal und sorgt nicht für kahle Stellen auf der Kopfhaut. Die neuen Haare stehen schließlich schon in den Startlöchern. Es handelt sich vielmehr um einen Haarwechsel als um Haarausfall. 

Man kann aber bereits im Sommer vorsorgen und öfter eine Kopfbedeckung tragen, UV-Schutz-Lotions für das Haar auftragen und vermehrt Zeit im Schatten verbringen. Regelmäßige Kopfmassagen mit speziellen Haarölen können das Haarwachstum unterstützen.

Hält der Haarausfall jedoch über Monate an, können auch andere Ursachen dahinterstecken. In diesem Fall sollte man ärztlichen Rat aufsuchen