APA - Austria Presse Agentur

Nach Nippel-Backlash: Mavie Hörbiger deaktiviert Twitter-Account

Weil sie keinen BH trug, wurde Schauspielerin Mavie Hörbiger im Netz sexistisch beleidigt. Nun deaktivierte sie ihren Twitter-Account.

Offenbar wiederholt sich die Geschichte bei den "Jedermann"-Darstellerinnen: Erst letztes Jahr wurde Schauspielerin Verena Altenberger im Netz angefeindet, weil sie sich für eine Filmrolle die Haare abgeschoren hatte. Sie verkörperte eine krebskranke Frau und "opferte" dafür ihre Haare. Im Netz folgte sogleich ein Backlash, weil UserInnen Altenberger ohne Haare nicht mehr als "weiblich genug" empfanden. 

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Backlash wegen Nippel

Ein Jahr später steht sie gemeinsam mit ihrer Schauspielkollegin Mavie Hörbiger für den "Jedermann" auf der Bühne der Salzburger Festspiele. Diesmal muss jedoch nicht Altenberger erneut mit Hate im Netz kämpfen, sondern Hörbiger.

Der Grund: Die zwei Frauen posierten gemeinsam für Fotos der Eröffnungsfeier der Salzburger Festspiele. Doch laut "Der Standard" fanden einige UserInnen Hörbigers Auftreten alles andere als gut, denn die Schauspielerin soll keinen BH unter ihrem Shirt getragen haben, wodurch man ihre Nippel durchsehen konnte. 

Unzählige sexistische Kommentare wurden daraufhin auf Twitter veröffentlicht. Hörbiger wurde gefragt, ob sie sich keinen BH "leisten" könne und, ob "der Fotograf fesch" gewesen sei. Zudem beschwerte sich ein/e UserIn über die fehlende "Würde" bei den Salzburger Festspielen: "Ein Jedermann, der zum JederGender verkommt – Kleidungsstil, der so zu Woodstock passt, Frauen ohne BH – nur, um sich aufzuregen, dass ihnen Männer auf den Busen glotzen. Kultur Over."

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Hörbiger und Altenberger deaktivieren Twitter-Accounts

"Wenn du meine Nippel durch das Shirt siehst, dann weil ich ein Mensch bin und welche habe. Ihr müsst mich nicht drauf hinweisen. Ich kenne meinen Körper", twitterte Hörbiger. Auch Verena Altenberger äußerte sich zu dem Backlash auf Twitter: "Breaking, Frauen haben Nippel!"

Beide Schauspielerinnen haben daraufhin ihre Twitter-Profile deaktiviert. 

Misogynie ist 2022 immer noch ein Problem

Unserer Meinung nach ist es unglaublich traurig, dass wir im Jahr 2022 weiterhin darüber diskutieren, ob sich durch ein T-Shirt (weibliche!) Nippel abzeichnen oder nicht. Und wir auch anhand des Backlash' von 2021 gegen Verena Altenberger immer noch darüber diskutieren müssen, wann sich eine Frau "nicht weiblich" genug oder "zu weiblich" zeigt. 

Und ein Traditionsfestival wie die Salzburger Festspiele, das sich jährlich um kulturelle Inszenierungen auf höchstem Niveau bemüht und für diese auch bewusst seine SchauspielerInnen castet, verliert durch so etwas Belanglos-Natürliches wie Nippel unter einem Shirt bestimmt nicht so schnell seine "Würde". So eine pauschale Annahme wäre nämlich den Salzburger Festspielen nicht würdig.

Im Endeffekt ist unsere Gesellschaft so sehr durch Doppelmoral geprägt, dass es nur schwer ist, sich "richtig" zu zeigen oder zu kleiden. Nippel sind Nippel – dass Frauenkörper heute noch so viel "Hass" auslösen können, ist überaus erschreckend. 

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Professionelle Hilfe

Wer unter (Cyber-)Mobbing leidet, sollte sich an vertraute Menschen wenden. Oft hilft bereits ein einzelnes Gespräch. Wer für weitere Hilfsangebote offen ist, kann sich rund um die Uhr kostenlos unter der Rufnummer 142 an die Telefonseelsorge wenden. Sie bietet schnelle erste Hilfe an und vermittelt ÄrztInnen oder Beratungsstellen.

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