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Psychische Folgen: Hört auf, Akne als "unreine Haut" zu bezeichnen!

Akne kann psychische Folgen für Betroffene haben. Stress kann aber auch die Ursache für Pickel sein.

Die psychische Belastung von Akne-PatientInnen ist ernst zu nehmen. Auch, wenn die betroffenen Personen scheinbar wenig Pickel haben und für das Umfeld nicht ganz ersichtlich ist, warum sich die Person so stresst, geht es doch letztlich darum, wie sich Betroffene fühlen. 

Die perfekte, glatte Haut und der Mega-Glow, der uns auf allen Online-Plattformen vorgelebt wird, macht es nämlich schwer zu glauben, dass man selbst nicht der einzige Mensch auf der Welt ist, der mit Pickeln und Mitessern zu kämpfen hat. Natürlich steckt dahinter einen riesige Industrie: Mit Skincare werden Millionen gescheffelt. 

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Akne als "unreine Haut" zu bezeichnen, macht das Ganze noch schwieriger. Die Macht der Sprache wird auch hier besonders deutlich: Betroffene haben das Gefühl, noch mehr waschen und dagegen unternehmen zu müssen. Je nach Hauttyp macht es das Problem aber nur noch schlimmer.

Ihnen wird suggeriert, dass Akne etwas "Schmutziges" ist, obwohl das Ganze mit mangelnder Hygiene in den meisten Fällen nun wirklich nichts zu tun hat. Hormonelle Ursachen, Ernährung, Lifestyle – ihr kennt die Ursachen. Jemanden dafür zu shamen, nicht genug gegen die Akne zu unternehmen oder ungefragt Tipps zu geben, hilft genauso wenig, wie Pickel und Mitesser als "Unreinheiten" zu bezeichnen.

Fest steht: Viele, die von Akne betroffen sind, fühlen sich aufgrund ihrer Hautprobleme schlecht. "Es gibt zig Studien dazu, dass ein extrem hoher Prozentsatz der Akne-PatientInnen unter dieser körperlichen Stigmatisierung leidet. Die psychische Belastung ist sehr hoch", weiß die Wiener Dermatologin Dr. Kerstin Ortlechner.

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Psychische Belastung bei Akne-Betroffenen hoch

"Oft wird Akne als 'unrein' oder 'schmutzig' bezeichnet. Auch die Angst vor Ansteckung gehört zu diesen Stigmatisierungen", erzählt sie, was auch der Hauptgrund sei, dass sie und ihre KollegInnen versuchen, die Betroffenen möglichst schnell zu therapieren. "Der Leidensdruck ist wirklich groß. Vereinsamung, Zurückziehen und psychische Störungen können die Folge sein."

Es kann für Betroffene extrem triggernd wirken, auf ihr Hautproblem angesprochen zu werden. Erst recht, wenn die Begriffe negativ konnotiert sind. Auch, wenn Akne nicht zwingend mit körperlichen Schmerzen einhergeht und nicht wirklich "gefährlich" für die PatientInnen ist, ist sie ernst zu nehmen.

"Die Haut ist das erste äußere Erscheinungsbild und unser größtes Organ. Probleme und Erkrankungen nimmt das Gegenüber sofort wahr."

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Wechselwirkung: Psychische Belastung wegen Akne / Akne aufgrund von Stress

"Sämtliche Hauterkrankungen sind mit psychischen Belastungen eng verbunden", weiß Dr. Ortlechner. "Das heißt, dass PatientInnen auch psychisch unter dem Problem mit der Haut leiden. Stress spiegelt sich aber auch im Hautbild wieder. Durch chronischen Stress kommt es oft zur Verschlechterung von Hauterkrankungen." Betroffene bewegen sich also in eine Abwärtsspirale.

"Wichtig ist, dass sich Akne-PatientInnen schnell Hilfe holen, damit sie nicht psychisch darunter zu leiden beginnen", so die Dermatologin. 

Natürlich gilt das nicht für alle Betroffenen. Wer mit seinem Hautbild glücklich ist – umso besser. Solltet ihr allerdings darunter leiden, ist es ratsam, euch Hilfe zu holen – in welcher Form auch immer.

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Perfektes Hautbild: Social-Media-Beiträge wirken triggernd

"Durch die sozialen Medien wird uns das perfekte Hautbild vorgelebt. Jeder kleinste Makel und jeder kleinste Pickel wird wegretuschiert. Ich habe viele PatientInnen, die wegen einer kleinen Rötung oder wenigen Pickeln massiv gestresst sind", erzählt Dr. Ortlechner.

"Die Realität schaut ganz anders aus. Dieses perfekte Hautbild haben vielleicht fünf bis zehn Prozent unserer Gesellschaft. Makel, Pickel, Rötungen sind völlig normal", versichert sie. "Ich muss meinen PatientInnen oft verdeutlichen, dass im Netz Filter und Photshop genutzt werden."

Glücklicherweise gibt es aber auch eine Gegenbewegung auf Instagram: Skincare-Blogs von Medizin- oder Chemiestudierenden, die Aufklärungsarbeit leisten und Wirkstoffe erklären, sind auf Instagram mittlerweile genauso zu finden, wie Menschen, die ihre Haut unretuschiert zeigen und feiern. Die Body-Positivity-Bewegung inkludiert auch Hautprobleme. Real Skin zu sehen ist für Betroffene extrem wichtig. Aber auch auf unseren Sprachgebrauch sollten wir alle achten.