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Platonische Liebe? Was genau bedeutet es aromantisch zu sein?

Das schönste am Leben, ist es verliebt zu sein! Oder? Was unsere Gesellschaft zelebriert, trifft aber nicht auf jeden und jede zu.

Cinderella und Prinz, Harry und Sally, Jack und Ennis, Kim und Kanye – wer kennt sie nicht? Die romantischen Liebesgeschichten unserer Zeit. Rollenbilder, die jedem und jeder gewisse Szenen in den Kopf spülen: Der erste Kuss, verstohlene Blicke, dramatische Auseinandersetzungen, böse Stiefmütter und ein mögliches "Happy Ever After". 

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Dass Liebe und intime, persönliche Beziehungen nicht bei jedem oder jeder so ablaufen, ist klar. Es gibt jedoch laut einer Studie im "Journal of LGBT Issues In Counseling" circa ein Prozent der Menschen (414 amerikanische TeilnehmerInnen), die unter das Spektrum der sogenannten "Aromantik" fallen. Der Begriff entstand scheinbar erst Anfang der 2000er, wie "Aurea" beschreibt und bildete sich aus der asexuellen Community heraus.

 

Was bedeutet es, aromantisch zu sein?

Laut "Women's Health" hat der Begriff "aromantisch" mit der romantischen Anziehung zwischen Menschen zu tun. Aromantischen Personen sind Gefühle wie Verliebtsein, Schmetterlinge im Bauch oder generell romantische Gedanken fremd. Ein Blick ist für AromantikerInnen einfach nur das – ein Blick und keine große Geste.

Der Wissenschafter Andrzej Profus beschreibt in seiner Arbeit "Unsichtbares sichtbar machen" dieses Phänomen als Spektrum. Nicht jeder oder jede erfahre romantische Anziehung. Gleichzeitig sei aber auch nicht jede aromantische Person gleichzeitig asexuell (also ohne sexuelles Verlangen), es gäbe jedoch Überschneidungen.

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Aromantik ist ungleich Asexualität

Laut "Womens Health" fand eine noch nicht publizierte Studie des "University of British Columbia in Vancouver" heraus, dass rund 27 Prozent von asexuellen Menschen gleichzeitig auch aromantisch wären. Asexualität beschreibt jedoch nach dem "Glossar zu Begriffen geschlechtlicher und sexueller Vielfalt": "Menschen, die kein sexuelles Begehren für andere haben beziehungsweise keinen Sex mit anderen wollen." 

Unabhängig von sexueller Orientierung

Profus fährt fort, dass Aromantik unabhängig von sexueller Orientierung vorkomme. Viele AromantikerInnen würden es bevorzugen keine Beziehungen zu führen, manche führen jedoch sehr wohl innige Freundschaften oder Beziehungen im weiteren Sinn. Dies sei individuell ausgestaltbar und involviere sehr wohl auch Sex – deshalb sei es auch ein Spektrum.

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Wie merke ich, dass ich aromantisch bin?

Gewisse Merkmale könnten ein Indikator sein, dass du dich auf dem aromantischen Spektrum befindest. Diese seien laut "Women's Health" zum Beispiel:

  • Balladen oder Liebessongs sprechen dich in keinster Weise an. Du kannst die Emotion hinter den Texten nicht nachvollziehen.
  • Bei Rom-Coms sitzt du nur fragend vor dem TV und verstehst absolut nicht weshalb es Drama gibt.
  • Du hattest noch nie das Gefühl von Schmetterlingen im Bauch, beziehungsweise Anflüge von Verliebtheit.
  • Du hast vielleicht schonmal einen potenziellen Liebhaber oder Liebhaberin erfunden, nur weil du Druck aus deinem Umfeld hattest, jemanden zu präsentieren.

Queere Theorien

Laut "Vice" taucht das Wort "Aromantik" seit 2013 vermehrt in Queeren Theorien auf. Dies ist ein Teil der Kulturtheorie, der sich seit den 90er Jahren herausbildet. Dabei geht es darum, den Spektren und Phänomen, die manche Menschen jeden Tag fühlen, einen Namen und ein Forschungsgebiet zu geben. So muss man sich endlich nicht mehr in heteronormative Schubladen einordnen, wenn dies nicht auf einen zutrifft.