Mia Khalifa

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Alles, was du über Mia Khalifa wissen musst

Von der beliebtesten Pornodarstellerin der Welt zur Online-Aktivistin: Mia Khalifa hat einiges erlebt.

Als Mia Khalifa im Alter von nur zehn Jahren mit ihren Eltern den Lebanon verließ und in die USA zog, hatte sie sich auf ihr neues Leben dort gefreut. Nur wenige Wochen nach Schulbeginn schockieren die Terroranschläge vom 11. September die Welt – von diesem Tag an wird Mia Khalifa wegen ihres Aussehens in der Schule gehänselt und als "Terroristin" bezeichnet, wie sie im Interview mit Megan Abbott erzählt.

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Es ist eine von vielen Stationen im Leben von Mia Khalifa, in denen sie mit ihrem Aussehen zu kämpfen hat. Als Teenie ist sie übergewichtig, findet sich hässlich und trägt ausschließlich weite Kleidung. Als sie mit Anfang 20 anfängt, Gewicht zu verlieren, machen ihr vor allem ihre Brüste zu schaffen: "Ich sah aus, als hätte ich schon vier Kinder gehabt", erinnert sich Khalifa an die Zeit. Ihr Selbstvertrauen habe sehr darunter gelitten.

Nach der High School studiert Mia Khalifa Geschichte an der University of Texas. Das Fach hatte sie ausgewählt, weil sie Spaß daran fand – nach ihrem Abschluss weiß sie allerdings nicht, was sie damit anfangen soll. Sie weiß aber, was sie will: Mit ihren Ersparnissen zieht sie nach Miami und unterzieht sich dort einer langersehnten Brust-OP. Nach dem Eingriff habe sie sich selbst das erste Mal in ihrem Leben hübsch gefunden, so Khalifa. 

Suche nach Bestätigung 

Ihr neugewonnenes Selbstbewusstsein stellt sie am Strand von Miami zur Schau, wo sie prompt von einem Model-Scout angesprochen wird. Er gibt ihr eine Visitenkarte – nach kurzer Recherche findet Mia Khalifa raus, dass der Mann sie als Pornodarstellerin casten will. "Ich dachte mir: 'Was zur Hölle? Aber andererseits.. vielleicht? Schließlich hat er gesagt, dass ich hübsch bin.'" Mia Khalifas Selbstzweifel sind immer noch Teil von ihr – sie sucht Bestätigung und findet sie. Zwei Wochen später hat sie ihr erstes Meeting mit "Bangbros.com" und beschließt, Pornos zu drehen.

Anfangs glaubt sie, dass niemand je von ihrer Porno-Karriere erfahren wird. "Ich dachte, es wird einfach mein dreckiges kleines Geheimnis sein", so Mia Khalifa. Das ändert sich schlagartig mit der Veröffentlichung einer Szene, in der Mia Khalifa einen traditionellen Hijab beim Sex trägt: Der Film sorgt für einen weltweiten Skandal, renommierte Medienhäuser auf der ganzen Welt berichten darüber, auf der Plattform PornHub wird sie zur weltweit meistgesuchten Darstellerin, die Terrormiliz "Islamischer Staat" bezeichnet sie als "muslimische Schande" und droht ihr öffentlich mit dem Tod. (Khalifa wurde übrigens katholisch erzogen.) 

Rückkehr ins normale Leben

Schließlich distanzieren sich auch ihre Eltern öffentlich von ihr. Dennoch dreht sie weiter Pornofilme: "Ich dachte, wenn schon die ganze Welt davon weiß, dann ist meine einzige Option, weiterzumachen." Gefallen an der Arbeit habe sie jedoch nicht gefunden. "Es war nicht ich. Es hat sich nie authentisch oder aufrichtig angefühlt", so Khalifa rückblickend im Interview über ihre Zeit in der Branche. Kurze Zeit später beschließt sie, ein normales Leben führen zu wollen. Sie arbeitet als Rechtsanwaltsgehilfin, später versucht sie sich als Buchhalterin.

Erkannt wird sie trotzdem überall – egal wie sehr sie versucht, sich zu verstecken. "Selbst wenn ich in den weitesten Klamotten, mit zusammengebundenen Haaren und einer Sonnenbrille im Gesicht die Straße entlangging, riefen mir Leute aus einem vorbeifahrenden Auto zu", erinnert sie sich. In dieser Zeit beginnt sie, sich für ihre Vergangenheit zu schämen. Die Bestätigung, die ihr als Pornodarstellerin entgegengebracht wurde, begann, nachzulassen. 

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"Ich habe es gehasst, erkannt zu werden, wenn ich alleine war, weil es mich unsicher fühlen ließ. Ich habe Situationen erlebt, in denen Menschen dachten, sie hätten das Recht, mich in der Öffentlichkeit zu berühren, weil sie das Gefühl hatten, mich zu kennen (…) oder weil sie dachten, ich wäre einverstanden damit, wenn man physisch in meine Privatsphäre eindringt, weil ich nackt vor einer Kamera stand." Seither hasse sie es, das Haus zu verlassen.

Der Wendepunkt kommt, als Mia Khalifa beschließt, Miami zu verlassen. Es sei "ein toxischer Ort", sagt sie heute. Sie zieht nach Austin und versucht dort, ein neues Leben aufzubauen – und ihrer wahren Leidenschaft nachzugehen: Sport. Sie moderiert eine Sport-Show auf YouTube, wird Teil eines Podcasts namens "Sportsball".

Auch privat ist sie bereit für einen Neuanfang: Sie trennt sich von ihrem Freund – und ist glücklicher als je zuvor. "Mir wurde klar, dass all die Bestätigung, die ich von Männern gesucht hatte, immer nur vorübergehend war. In meinem ganzen Leben habe ich mich nie mehr bestätigt gefühlt, als in der Zeit, in der ich keinen Freund hatte, in keiner Beziehung war und mit niemandem etwas hatte. Ich hatte Zeit, zu wachsen, als Mensch zu wachsen und mich selbst kennenzulernen."

Vom Pornostar zur Aktivistin 

Neben ihrer Arbeit als Sportkommentatorin ist Mia Khalifa heute mit über 25 Millionen FollowerInnen auf Instagram auch als Social-Media-Persönlichkeit tätig. Auch auf OnlyFans ist sie vertreten – dort postet sie allerdings nur Content, der "safe for work" ist. "Ich möchte meine Macht wiedererlangen und nur das posten, was ich will und was mir ein gutes Gefühl gibt", so Khalifa über ihren Auftritt auf der Plattform.

Darüber hinaus nutzt Mia Khalifa ihre Plattform für Aktivismus: 2020 engagiert sie sich für die Opfer der Explosion in Beirut, spendet 100.000 Dollar an das libanesische Rote Kreuz, weist auf die Bauernproteste in Indien hin, unterstützt die #BlackLivesMatter-Bewegung und spricht sich für die gerechte Behandlung von Frauen aus, die weiterhin in in der Porno-Industrie arbeiten. Jungen Frauen, die überlegen, in die Branche einzusteigen, rät sie online davon ab: "Das ist es nicht wert."

Überraschend: Obwohl Mia Khalifa bis heute als eine der bekanntesten Porno-Darstellerinnen der Welt gilt und auch 2019 noch zu den beliebtesten Suchanfragen auf Pornhub zählte, war sie nur drei Monate in der Branche tätig. Eigenen Aussagen zufolge drehte sie nur elf Filme (das Unternehmen "BangBros", bei dem Khalifa unter Vertrag stand, widerlegte diese Behauptung seither mit einer Liste von 28 Videos, in denen Khalifa zu sehen is) und verdiente als Pornostar insgesamt lediglich 12.000 Dollar.