Ich bin unsportlich, was tun?

Pexels @ Aleksandr Makedonskiy

k.at-Meinung: Warum es keine Schande ist, unsportlich zu sein!

Manchen von uns taugt exzessives Gewichtheben und stundenlanges Kardio-Training eben nicht.

Ich bin bald 22 Jahre alt, weder besonders schlank noch rund und behaupte mal: Ich genieße das Leben in vollen Zügen. Das sieht man auch an meinem Körper. In den letzten Jahren hat sich meiner Ansicht nach ein gewisser Fitness-Trend etabliert, besonders in sozialen Medien werden wir täglich mit Bildern von ästhetischen, wohlgeformten Körpern und einem "No Pain, No Gain"-Mindset überschwemmt.

Doch was passiert, wenn ich das alles gar nicht möchte?

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Was bedeutet das Wort "unsportlich"?

Per Definition lässt "unsportlich" eine Menge Raum für Interpretation, deswegen nehme ich gleich vorweg: Unter unsportlich verstehe ich weniger eine bestimmte Ästhetik oder Lebensstil, sondern vielmehr die Ablehnung von Sport ohne Spaß.

Sport hat mir schon immer Freude gemacht, und das ist für mich der entscheidende Knackpunkt: Erfreuen wir uns noch immer am Sporteln selbst, oder gehen wir ins Gym, um Erwartungen zu erfüllen?

Als junger Bub habe ich, wie die meisten MigrantInnensöhne, Vereinssport betrieben. Fußball war meine große Liebe: Noch bevor ich sprechen konnte, gab man mir einen Ball. Wir waren einfach unzertrennlich. Mit der Zeit verschwand jedoch immer mehr der Spaßfaktor, es ging um den Wettkampf und das Bessersein. Schon bald hörte ich auf, im Verein zu spielen und hatte meinen Spaß in der Schülerliga, wo es zwar auch ums Gewinnen ging, aber Spaß nicht als Schwäche galt.

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Sozialer Wettkampf

Ein ähnlicher Wettkampf spielt sich meiner Meinung nach aktuell auf Instagram & Co. ab. Wer hat die trainiertesten Bauchmuskeln? Wer hat die meisten sichtbaren Blutgefäße, den am besten definierten Po oder die schönste Kieferpartie? Die Wissenschaft ist sich "TheConversation" zufolge sicher, dass dieses permanente Vergleichen langfristige, negative Auswirkungen auf unsere Selbstwahrnehmung hat. Warum immer alles vergleichen, und nicht dafür nehmen, was es ist?

 

Was wir dabei nicht vergessen dürfen: Social Media ist selten "echt". Überleg' doch mal: Wie oft siehst du Menschen Bilder oder Videos teilen, die sie in einem schlechten Licht dastehen lassen? Wir bekommen den Eindruck, dass andere Menschen ihre Leben ohne Fehler meistern. Obwohl dem natürlich nicht so ist, und wie wir alle wissen, ist unser Verstand eben sehr anfällig für einflussreiche Reize – gerade wenn diese in Massen auf uns zukommen.

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Das Leben genießen, alle auf die eigene Art

Keinesfalls habe ich vor, jemanden als "People-Pleaser" abzustempeln, nur weil der- oder diejenige gerne ins Fitnessstudio geht. Viele meiner FreundInnen erzählen mir, wie viel Spaß und Adrenalin sie spüren, wenn sie Hunderte von Kilos bewegen. Ich glaube ihnen das auch hundertprozentig, aber mir ist wichtig zu erwähnen, dass das eben nicht für uns alle etwas ist. Für mich zählt außerdem, dass wir alle unser Leben etwas mehr genießen, die letzten Jahre haben gezeigt, dass Freiheit und Gesundheit nicht immer selbstverständlich sein müssen.

Die meisten von uns sind in der Lage "mehr für ihren Körper zu tun", und die allermeisten sind sich dessen auch bewusst. Gleichzeitig treffen wir jeden Tag Entscheidungen und wägen dabei unseren Einsatz gegen unseren Gewinn ab. Für viele ist ein Equilibrium zwischen dem regelmäßigen Gang zum Gym und ein paar mehr Muckis aber eben nicht gegeben.

Und das ist – für uns – auch okay so, denn es bedeutet noch lange nicht, dass wir "Unsportlichen" besonders ungesund, träge oder faul sind!