Homophobie beim Austria-Rapid-Derby: Warum ist schwul sein im Fußball so ein Thema?

APA - Austria Presse Agentur

Warum ist das Thema Homosexualität im Fußball so schwierig?

Das 342. Wiener Derby sollte ein Grund zur Freude für den SK Rapid sein, jedoch zeigten sich Funktionäre üblich unaufgeklärt.
Dario Bojic

Im Schatten des traditionsreichen Wiener Derbys zwischen dem FK Austria Wien und dem SK Rapid Wien, das am 25. Februar stattfand, kam es zu einem bedauerlichen Vorfall, der einmal mehr die dunklen Seiten des Fußballs beleuchtet. Mehrere Schlüsselfiguren des Hütteldorfer Vereins, darunter Club-Vorsitzender Steffen Hofmann und Co-Trainer Stefan Kulovits, wurden in Verbindung mit verbalen Entgleisungen gebracht, die nicht nur den Sport, sondern auch die gesellschaftlichen Werte infrage stellen.

Dieses Ereignis wirft ein Schlaglicht auf die tief verwurzelten Probleme innerhalb des Fußballs, einer Welt, die zwar für ihre Leidenschaft und ihre Gemeinschaft bekannt ist, aber auch eine dunkle Seite hat, die von Diskriminierung und Intoleranz gezeichnet ist. In einer Zeit, in der Gleichberechtigung und Akzeptanz in der Gesellschaft mehr denn je im Vordergrund stehen, scheint der Fußball sein Aufbauspiel in Sachen Toleranz noch anpassen zu müssen.

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Verbale Entgleisungen von Hofmann & Co.

Obwohl es über acht Jahre her ist, dass Rapid einen Derby-Sieg im heimischen Allianz-Stadion erringen konnte, wurde am Montag kaum über das Spielgeschehen diskutiert. Viel eher wurden Videos in sozialen Medien beklagt, in denen Funktionäre des grünfarbenen Vereins beim Grölen von Gesängen zeigen, die wirklich unter aller Sau sind. 

  • In einer leider bemerkenswerten Szene wurde Steffen Hofmann, der Geschäftsführer von Rapid Wien, beobachtet, wie er durch ein Megafon verkündete: "Ich bin sehr froh, dass wir alle da sind. Leider Gottes haben wir es nicht geschafft, in der zweiten Halbzeit die 'Oaschlecha' so richtig abzuschießen."
  • Ein weiteres Video zeigt die Spieler Marco Grüll und Guido Burgstaller an der Seite ihres Co-Trainers Stefan Kulovits. Letzterer hält ein Megafon in der Hand und brüllt dem Mob vor: "Wir sind keine oaschwoamen Veilchen!"
  • Der Kapitän Guido Burgstaller war auch in einem anderen Video zu sehen, neben seinem Teamkollegen Maximilian Hofmann und anderen Funktionären stimmen sie ein: "Favoriten ist der größte Hurnsbezirk."

Halbwarme Entschuldigungen vom Sportklub

Der Rapid-Geschäftsführer entschuldigte sich in einer offiziellen Stellungnahme für seine Wortwahl: "Die Worte waren nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, aber unabhängig davon unangebracht". Die Wiener Austria nahm die Entschuldigung an und wollte "kein weiteres Öl ins Feuer gießen".

Marco Grüll und sein Teamkollege Guido Burgstaller posteten in einer Instagram-Story wortwörtlich das gleiche Statement. Darin beklagen sie, ihrer Vorbildfunktion "leider absolut nicht gerecht" geworden zu sein davon war allerdings wenig zu spüren.

In einem offiziellen Statement auf der Rapid-Homepage ist auch eine Entschuldigung von Co-Trainer Kulovits zu lesen, in der er betont, dass "in seinem Freundeskreis Menschen aus allen Gesellschaftsschichten mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen" seien. Das Argument erinnert an "Ich bin kein Rassist - ich habe Schwarze Freunde", und ist leider ebenso leer.

Austria-Fans werfen Pyrotechnik auf die Haupttribüne

Weitere Videos zeigen erneut, welch Bereitschaft zum Verletzen bei sogenannten "Ultras" von Sportvereinen am Derby-Tag vorhanden ist. Videos zeigen, wie Fans, vermutlich des FAK, Feuerwerke in die Menge schießen. 

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k.at Meinung: Profi-Fußball bleibt ein hypermaskuliner Brutkasten für Hass und Gewalt

Das immer wiederkehrende Phänomen der Fußballer, die sich zu solchen Aussagen "hinreißen lassen" ist eben kein Einzelfall. Das Milieu des Vereinsfußballs ist und war schon immer ein hypermaskulines Umfeld, in welchem das "Hinreißenlassen" zum guten Ton eines leidenschaftlichen Fans gehört. Oft kann man solchen Äußerungen mit Kritik entgegenwirken, jedoch ist das angesichts von Tausenden von Fans die laut brüllen nicht direkt möglich.

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Ich selbst habe mehrere Jahre in Österreich Fußball gespielt, sowohl in den geschützten Zäunen eines Vereins als auch in den Käfigen von Wien. Alle meine Erfahrungen haben eines gemeinsam - wenn du nicht mit der HETEROgenen Masse mitgehen willst, bekommst du das zu spüren. Wenn du nicht mitgrölst, bist du ein Spaßverderber  aber wer hat schon Spaß an so etwas Niederträchtigem?

Schwul zu sein, ist keine Beleidigung, und soll auch nicht so verwendet werden.