Streamer IShowSpeed und Kai Cenat: Eine alte Frau stört sich an ihrem Filmen im Supermarkt.

Screenshot / Kai Cenat & IShowSpeed

Kai Cenat & iShowSpeed von Supermarkt-Oma zurechtgewiesen

Weil die beiden in einem Supermarkt ein Video aufnahmen, bemühte sich eine ältere Dame ihre Manieren aufzufrischen.
Dario Bojic

In der Öffentlichkeit zu filmen ist eine Sache der Moderne – noch vor 20 Jahren hatten eben nicht alle Menschen ein Smartphone mit Kamera. Damals entstanden gerade mal die ersten Szene-Postings auf Facebook (2004 gegründet), wenig später folgten dann Plattformen wie StudiVZ, Netlog & Co. Doch auch heute ist es mit den Videoaufnahmen im öffentlichen Raum so eine Sache: Manche sind der Meinung, es sei ein Generationenunterschied, denn die Jüngeren seien Kameras und Aufnahmen einfach viel mehr gewohnt. Jedoch scheint das nicht alles zu sein – immerhin bin ich mit 23 auch ich einer der "Jüngeren", und ich verstehe den Ansatz von Privatsphäre in der Öffentlichkeit sehr wohl.

Die Streamer Kai Cenat (22) und "IShowSpeed" (kurz Speed, 19) filmten für ihren Content nicht nur in einem Supermarkt, sie waren von dort aus auch Live auf Twitch zu sehen. Ebenso waren alle um sie herum zu sehen, da sie wie üblich mit einem extra Kameramann unterwegs waren. Eine ältere Frau hinter ihnen störte sich an ihrem Treiben, und konfrontierte sie.

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"Warum führt ihr euch hier so auf?"

Die Dame im viralen Clip stört sich offensichtlich daran, dass Cenat und Speed im Supermarkt filmen und Cenat dabei in einem Einkaufswagen sitzt. Sie fragt: "Warum in aller Welt habt ihr beiden keinen Respekt für die Menschen um euch herum?" Daraus entsteht eine fünfminütige Diskussion, bei der weder die Streamer noch die Dame sich an respektable Gesprächskultur halten. Dauernd wird unterbrochen und es wird um Formalien diskutiert, wer denn jetzt ein Idiot sei, oder warum die Streamer "keine Männer" seien.

Verdutzt blickt sie die Influencer abwechselnd an, fühlt sich sichtlich gestört. Nach etwa 90 Sekunden beginnt Speed dann, scheinbar aufgrund seiner Frustration, zu bellen. Um das Geschehen herum kaufen Menschen weiterhin ein, wenn auch peinlich berührt.

Nach zwei Minuten steigt Kai Cenat aus dem Wagen, um als älterer der beiden ein vernünftiges Gespräch zu führen. Die beiden Streamer sind nicht gerade die besonnensten und respektvollsten Menschen, aber im Vergleich zu Bellen grenzt jeder Kommunikationsversuch an Watzlawicks Talent. Sie fordert die beiden auf, sich "wie Männer" zu verhalten, woraufhin Speed einen Soldaten imitiert. Offensichtlich will sie keine toxische Männlichkeit sehen, sondern Menschen, die sich in einer Gesellschaft benehmen können. "Wenn sich jemand an deinem Verhalten in der Öffentlichkeit stört und dich sogar darauf anspricht, solltest du es vielleicht überdenken", scheint ihr Subtext zu sein.

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Zwischendurch schreien die beiden Streamer auch immer wieder in die Kamera, als wollten sie mit dem "Chat" auf Twitch kommunizieren. Die Schreie sind aber für User:innen, die vielleicht gar nicht mitbekommen haben, was da gerade passiert, wenig hilfreich. Nach circa 4 Minuten und einer kurzen Recherche haben sie sich auch auf die Definition von "Idiot" geeinigt, bevor eventuell der Sicherheitsdienst des Supermarktes eingreift und die Situation bereinigt.

Ein anderes Video zeigt dann die Streamer und die hochaltrige "Karen" in einer versöhnlichen Umarmung.

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Filmen in der Öffentlichkeit 

Es bleibt die Frage, wer hier tatsächlich im Recht ist. Natürlich kann man argumentieren, dass sich die alte Frau gestört gefühlt hat von drei jungen Männern, die ohne Erlaubnis in einem Supermarkt einen Livestream abhalten.

Es ist das gute Recht jedes Menschen, nicht gefilmt zu werden, wenn man dies nicht möchte Influencer:innen verletzen dieses Recht ständig, wenn sie in der Öffentlichkeit Aufnahmen machen. Das Filmen oder Fotografieren von Privatpersonen regelt seit deren Einführung die DSGVO. In Bezug darauf heißt es auf "ggr-law.com": "Der Mythos, dass man immer filmen darf und nur für die Veröffentlichung eine Einwilligung oder sonstige Rechtfertigung benötigt, ist nicht richtig!"

Gleichermaßen ist eine Argumentation in Richtung "Sie haben doch nichts Großartiges gemacht, sie haben sich nur beim Einkaufen gefilmt" verständlich. Hier muss man jedoch beachten, dass man dadurch die Rechte von Influencer:innen über die persönlichen Rechte von Privatpersonen stellt – eine schauerliche Vorstellung. Es möchte eben nicht jeder Teil von jedermanns Videos sein, und das ist mehr als nur fair!